Herbstgutachten Sanierungsstau blockiert Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute am Beginn des neuen Aufschwungs. Im neuen Herbstgutachten geben sie eine optimistische Prognose für das kommende Jahr ab. Für 2013 sind sie aber zurückhaltend. Wo die Risiken liegen und warum das Handwerk mahnt, dass der Aufschwung kein Selbstläufer ist.

Goldener Oktober: Das Herbstgutachten sagt für 2014 den nächsten dicken Aufschwung voraus. - © Foto: Mirko/Fotolia

Geht es nach den deutschen Wirtschaftsforschern, so hat die neue Bundesregierung zukünftig erhebliche finanzielle Spielräume. Bis 2018 könnte sie bis zu 33 Milliarden Euro für neue Ausgaben und Investitionen einplanen: "Dieser Betrag steckt den Spielraum ab, innerhalb dessen die Finanzpolitik agieren kann, ohne die Steuern zu erhöhen", erklären die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem neuen Herbstgutachten.

Die deutsche Wirtschaft befinde sich am Beginn eines Aufschwungs. Für das laufende Jahr halbierten die Institute zwar ihre Prognose für das Wachstum von 0,8 auf 0,4 Prozent. Zu den Risiken gehörten ein Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise und Verwerfungen in der Weltwirtschaft. Im nächsten Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber kräftig um 1,8 Prozent zulegen. Auch die Arbeitslosigkeit nimmt weiter ab.

Handwerk mahnt zu Reformpolitik

Damit diese optimistische Prognose eintreten kann, bedarf er allerdings aus Sicht des Handwerks noch etwas Anstrengung. "Die positive Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ist angesichts eines schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds kein Selbstläufer", erklärt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zu den Ergebnissen des Herbstgutachtens.

Der positive Trend müsse von der Politik gestützt werden. "Eine künftige Bundesregierung muss daher die Bremsklötze für das Wachstum aus dem Weg räumen", sagte Kentzler. So müsse erst einmal die Energiewende als wichtigstes Zukunftsprojekt dafür auf Kurs gebracht werden. Dringend notwendig seien deshalb Sofortentlastungen beim Strompreis, eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und ein neuer Anstoß der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung.

Doch nicht nur die Energiewende hemmt aus Sicht des Handwerks die derzeitige konjunkturelle Entwicklung. Auch die Zunahme des Fachkräftemangels, die permanente Mehrbelastung kleiner und mittlerer Einkommen durch die kalte Progression und der Sanierungsstau in der öffentlichen Infrastruktur sollte schnell beendet werden, mahnt Kentzler. jtw/dpa