Arbeitslosenzahlen im Mai Unternehmen zögern mit Einstellungen

Die Zahl der Arbeitslosen ist dank der Frühjahrsbelebung unter die Drei-Millionen-Grenze gerutscht. Die Belebung fällt jedoch schwächer aus als im Vorjahr und Unternehmen verschieben trotz Fachkräftemangel geplante Einstellungen, da der Konjunkturmotor schwächelt. Warum der BA-Chef den Arbeitsmarkt trotzdem für krisenresistent hält.

Aufgrund des langen Winters hat die Wirtschaft lange auf den Frühjahrsaufschwung warten müssen. Erst jetzt läuft der Konjunkturmotor wieder an und damit sinken auch die Arbeitslosenzahlen. Sie haben laut den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gegenüber April um 83.000 auf 2.937.000 abgenommen und liegen damit unter der Drei-Millionen-Grenze.

Doch trotz dieses ersten leichten Aufschwungs und obwohl der Fachkräftemangel akuter wird, zeigen sich die Unternehmen noch zögerlich bei den Investitionen und Einstellungen neuer Mitarbeiter. So sank die Zahl der Stellenangebote laut BA in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit dem Herbst 2010. Der von der Bundesbehörde ermittelte BA-Stellenindex BA-X lag im Mai nur noch bei 144 Punkten. Das sind drei Zähler weniger als im April. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Index um 27 Punkte im Minus.

Wenig Begeisterung für Investitionen

Volkswirte deutscher Großbanken schätzen die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt wegen der konjunkturellen Lage deshalb weiter ungünstig ein. "Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass bei vielen Unternehmen die Begeisterung für Investitionen nicht da ist", betonte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld.

In vielen Unternehmen sei noch immer die Verunsicherung über die Staatsschuldenkrise groß. Auch sei bei vielen Firmen die Auftragslage gedämpft. Wie die meisten seiner Kollege rechnet Tuchtfeld daher auch für den Rest des Jahres mit einer Stagnation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. "Im Juni wird die Zahl saisonbereinigt noch mal steigen, danach werden wir uns bis zum Jahresende an einer Null-Linie entlang bewegen", prognostiziert er.

Zuversichtlicher schätzt die BA die Lage allerdings ein. Vorstandschef Frank-Jürgen Weise, hält den deutschen Arbeitsmarkt trotz der aktuellen Konjunkturschwäche weiter für krisenresistent. Zwar sei die Entwicklung im ersten Quartal und auch noch im Mai schwächer ausgefallen als erwartet, sagte er. "Es gibt aber keine Hinweise, dass der Arbeitsmarkt nach unten wegkippt."

Arbeitslosigkeit bleibt unter drei Millionen

Dabei verwies Weise auf die weiterhin solide Lage der deutschen Wirtschaft. Bei vielen Unternehmen gebe es lediglich einen Investitionsstau und sie würden nur darauf warten, dass die konjunkturelle Entwicklung sich bessere.

Wegen des bereits sehr niedrigen Niveaus erwarte er allerdings auch keinen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit in diesem Jahr. Bis zum Jahresende müsse man sich eher auf eine Seitwärtsbewegung bei der Erwerbslosenzahl einstellen, betonte der Bundesagentur-Chef. Im Durchschnitt rechne er für 2013 mit einer Arbeitslosigkeit von unter drei Millionen. dhz/dpa