Konjunktur Eurokrise bremst Aufschwung der deutschen Wirtschaft

Nach einem schwachen Jahresende geht es mit der deutschen Wirtschaft wieder bergauf. Doch die anhaltende Talfahrt der Euro-Krisenländer hat nicht nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorsichtiger gemacht. Auch die Welthandelsorganisation (WTO) prognostiziert ein gedämpftes Wachstum der globalen Wirtschaft.

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird durch die Eurokrise gedämpft. Trotzdem veröffentlichen Forschungsinstitute positive Prognosen. - © egeneralk (Fotolia)

Deutschland bleibt die Konjunkturlokomotive Europas, auch wenn die Schwäche der Eurozone die Wirtschaft zunächst bremsen dürfte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkt daher seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von zuvor 0,9 auf 0,7 Prozent.

Auch für 2014 wird ein deutlich geringeres Wachstum von 1,6 Prozent Wachstum erwartet, nachdem DIW-Präsident Marcel Fratzscher zuvor noch von 2 Prozent ausgegangen war. Die Krise der meisten europäischen Volkswirtschaften werde 2013 den Welthandel erheblich bremsen, warnte die Welthandelsorganisation (WTO) am Mittwoch in Genf.

Privater Konsum stützt Wirtschaft

DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner gibt sich für den weiteren Jahresverlauf hierzulande dennoch zuversichtlich: "Die deutsche Wirtschaft kann sich von der schwierigen Lage in den Nachbarländern weiter entkoppeln und wächst kräftig, auch wenn wegen des schwachen Starts in das Jahr die Wachstumsrate 2013 noch recht niedrig ausfällt."

Vor allem der private Konsum - durch die steigende Beschäftigung und merkliche Reallohnzuwächse gefördert - stütze die Wirtschaft. Die Zahl der Erwerbstätigen erreiche Rekordhöhen: Allein in diesem Jahr werde sie um knapp 200 000 auf fast 41,8 Millionen Beschäftigte steigen. In keinem anderen großen Land des Euroraums steige die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr.

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Risiken gehen nach Einschätzung von DIW-Präsident Fratzscher vor allem von der Entwicklung in Italien und Frankreich aus. "Die Unsicherheit ist massiv." Die beiden größten Euro-Volkswirtschaften nach Deutschland bereiten auch der EU-Kommission vor allem wegen ihrer Exportschwäche Sorgen.

Institute geben sich optimistisch

Wegen der Unsicherheiten hatten bereits eine Reihe von Instituten ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Die meisten sind jedoch optimistischer als die Bundesregierung mit ihrer Vorhersage von 0,4 Prozent und die Wirtschaftsweisen mit 0,3 Prozent. So erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle sogar 1,3 Prozent. Das ifo Institut geht bisher von einem Plus von 0,7 Prozent aus.

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Von Deutschland fordert EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn angesichts der Ungleichgewichte in Europa, den inländischen Konsum noch mehr zu fördern. "Deutschland sollte seine Binnennachfrage durch Strukturreformen stärken", sagt Rehn. Konkret gehöre dazu, den Markt für Dienstleistungen zu öffnen, den Anteil von Frauen an den Erwerbstätigen zu steigern und die Löhne entsprechend des Produktivitätsfortschritts anzuheben. Darüber hinaus lobt Rehn: "Da gibt es Fortschritte, die Binnennachfrage kommt auf Touren."

Inflation auf tiefstem Stand

Hohe Inflationsraten sind in Deutschland trotz der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurzeit kein Thema. Die Verbraucherpreise legten im März um 1,4 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt, mit Sitz in Wiesbaden, mitteilt. Das ist der niedrigste Anstieg seit Dezember 2010. Von Februar auf März stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent.

Das Bundesamt bestätigt damit vorläufige Zahlen von Anfang April. Rückläufig ist der Preisauftrieb vor allem bei Mineralölprodukten wie Kraftstoffen oder Heizöl. Sowohl bei Strom als auch bei Nahrungsmittel ist eine Verteuerung in Sicht. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent an, bei der sie die Preisstabilität gewahrt sieht. dhz/dpa