Interview mit Helmut Rödl "Mehr Handwerk wäre gut"

Für Creditreform-Aufsichtsratsmitglied Helmut Rödl ist das Handwerk entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität verantwortlich. Im DHZ-Interview erläutert er, wie sich die Umsätze in diesem Jahr entwickeln werden und wie sich der Fachkräftemangel bemerkbar macht.

Daniela Lorenz

DHZ: Herr Rödl, eine aktuelle Befragung von Creditreform unter über 3.000 Handwerksunternehmern zeigt, dass die Geschäfte im Handwerk weiter gut laufen.
Rödl: Ja, im Frühjahr 2013 sieht die Geschäftslage im Handwerk gut, fast sogar sehr gut aus. Es war im letzten Quartal 2012 zu befürchten, dass sich die Konjunktur abschwächt, aber die Analyse hat eindeutig ergeben, dass das im Handwerk nicht der Fall ist. Die Handwerkskonjunktur ist relativ stabil.

DHZ: Wie sieht es generell mit der Umsatzentwicklung im Handwerk aus?
Rödl: Die Entwicklung ist gut. Handwerksumsätze gehen nach oben, natürlich differenziert nach Branchen. Rund ein Viertel der befragten Betriebe hatte in den letzten sechs Monaten Umsatzgewinne und erwartet positive Umsätze für die nächsten Monate. Die Zahl der Pessimisten ist wesentlich geringer.

DHZ: Ist das Handwerk also der Motor, der die Konjunktur am Laufen hält?
Rödl: Ich finde, das Handwerk hat maßgeblichen Anteil daran, dass sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland gerade in den letzten anderthalb Jahren so stabil gehalten hat. Wenn man bedenkt, wie es in anderen Ländern aussieht, wo das Handwerk nicht diese Rolle spielt, man den Mittelstand kaum kennt, dann ist das ein entscheidender Faktor. Handwerk hat gut ausgebildete Unternehmer, was vorbildlich für die deutsche Wirtschaft ist. Es gibt zu viele Bereiche, in denen Menschen praktisch ohne Ausbildung einen Job anfangen und Unternehmer werden. Das ist im Handwerk nicht der Fall. Das Handwerk spielt eine große Rolle bei der wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands. Mehr Handwerk wäre gut.

DHZ: Auch beim Personal legt das Handwerk zu. Ein Viertel der Unternehmen hat in den vergangenen Monaten Mitarbeiter eingestellt.
Rödl: 2013 wird das vierte Jahr in Folge werden, in dem mehr Betriebe Personal einstellen als Personal entlassen. Es stellt sich eher die Frage, ob geeignete Fachkräfte noch zu bekommen sind. Darüber klagt das Handwerk sehr. Das ist bedauerlich, weil ja auch die Handwerksunternehmer selbst viel für ihre fachspezifische Kompetenz tun. In dem Maße, in dem ein Handwerksmeister gut ausgebildet seinen Betrieb führt, in dem Maß müsste er auch mehr Chancen haben, geeignete Fachkräfte für sich zu gewinnen. Am Willen der Handwerksunternehmen fehlt es jedenfalls nicht, aber am Angebot.

DHZ: Sie raten Betrieben schon lange, ihre Eigenkapitalquote zu stärken. Zuletzt ist sie gestiegen.
Rödl: Das ist sehr erfreulich. Üblicherweise ist eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent der Bilanzsumme ein guter Wert. Aber beispielsweise in der Bauwirtschaft haben 40 von 100 Betrieben ein Eigenkapital von maximal zehn Prozent. Dabei ist Eigenkapital nicht nur eine statistische Bilanzgröße, sondern eine entscheidende Voraussetzung für die Unternehmensfinanzierung, auch im Hinblick auf Kredite. Deshalb wird das Thema Eigenkapital an Schärfe gewinnen. Ich appelliere an die Handwerksunternehmen, sich darum zu kümmern, damit sie, was Stabilität und gesamtwirtschaftliche Kraft betrifft, besser dastehen. Man braucht allein schon Reserven, wenn ein Kunde nicht zahlt, und die haben Unternehmer mit einer besseren und stärkeren Eigenkapitalquote.

DHZ: Die EU plant, eine einheitliche Zahlungsfrist einzuführen. Wie wirkt sich das auf das Handwerk aus?
Rödl: Die Pläne laufen auf fixe Zahlungsfristen hinaus, 30 Tage für die öffentliche Hand und 60 Tage für Kunden der gewerblichen Wirtschaft. Auch wenn die Idee vielleicht gut ist, glaube ich nicht, dass damit das Ziel erreicht wird. Die Situation wird es im Moment eher verschlechtern als verbessern, denn die öffentliche Hand in Deutschland zahlt seit drei Jahren besser als früher und 90 Prozent der Betriebe der gewerblichen Wirtschaft zahlen sowieso spätestens nach 30 Tagen.