Klimaindex im dritten Quartal Handwerkswirtschaft bleibt optimistisch

Wachsende Risiken lassen das Handwerk kalt: Bei einer Befragung unter mehr als 10.000 Handwerksbetrieben Ende September haben 88 Prozent ihre Geschäfte in den vorangegangenen drei Monaten als gut oder zumindest befriedigend bewertet. Das ist nur geringfügig schlechter als der Wert aus dem Frühjahr. Doch die sinkende Industriekonjunktur hinterlässt auch Spuren im Zulieferer-Handwerk.

Marco Wenz und Lothar Semper

Die Krisenlage in Europa dämpft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Diese Tendenz lässt die handwerklichen Zulieferer und Gewerbedienstleister nicht kalt. - © auremar/Fotolia

Der Klimaindex, der die Einschätzung der aktuellen und der künftigen Lage bündelt, war im Laufe des dritten Quartals unverändert bei 88 Punkten geblieben und rangierte damit nur einen Punkt unter dem Vorjahr. Bei ihrer Beurteilung ließen sich die Handwerker von den zweifellos wachsenden Konjunkturrisiken nicht verunsichern. Vor allem die Bauwirtschaft sieht noch keine Wolken am Horizont.

Dennoch ist das Ergebnis der Umfrage eine kleine Überraschung. Zum einen reichen die Umsätze nicht mehr an das Rekordjahr 2011 heran. Zum anderen ist nach wie vor unklar, ob und mit welchen Konsequenzen die Euro-Krise wirksam eingedämmt werden kann .

Negative Vertrauenseffekte

Dabei sind aus Sicht des Handwerks nicht so sehr deren Auswirkungen auf den Außenhandel von Bedeutung, sondern die negativen Vertrauenseffekte, die die Investitionen im Inland belasten. Dafür gab es im dritten Quartal 2012 erste Anzeichen : Branchen, die Maschinen und Fahrzeuge anbieten, beurteilten den Auftragseingang gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres merklich verhaltener. Im Gesamthandwerk resultierte aus den "gestiegen"- und "gesunken"-Meldungen (19 zu 22 Prozent) ein Saldo von 3.

Im vergangenen Jahr notierte er bei +6. Im Durchschnitt lagen den deutschen Handwerksbetrieben Ende September Aufträge für 1,7 Monate vor. Damit reduzierte sich die Reichweite gemessen am Vorquartal leicht um 0,1 Monate. Erstmals seit dem Winter 2010 konnte aber auch das Vorjahresniveau nicht übertroffen werden.

Absatzprobleme im Kfz-Gewerbe

Die Kapazitätsauslastung spricht ebenfalls für eine erste Abschwächung der konjunkturellen Dynamik. So nahm der durchschnittliche Nutzungsgrad auf Jahressicht in vier der sieben Branchengruppen ab, im gesamten Handwerk fiel er um einen Punkt auf 79 Prozent. Einzig der Bereich Ausbau legte zu. In dieser Gruppe war jeder zweite Betrieb voll ausgelastet. Die Beschäftigung tendierte während der Sommermonate maßvoll aufwärts. 15 Prozent der Betriebe stockten auf, neun Prozent verkleinerten die Arbeitnehmerschaft.

Gemessen am dritten Quartal 2011 dürfte die Zahl der tätigen Personen stagniert haben. Die Umsätze bewegten sich auch am aktuellen Rand auf einem ansehnlichen Niveau. Sie blieben allerdings hinter den Rekordzahlen von 2011 zurück. Dieser Basiseffekt betraf vor allem das Baugewerbe. Dagegen schlugen im Kfz-Gewerbe fundamentale Absatzprobleme auf die Zahlen durch. Im ersten Halbjahr stand für das deutsche Handwerk ein Minus von einem Prozent zu Buche.

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