Kommentar zur Eurokrise Erst Cash dann Crash?

"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr", heißt es in einem bekannten Herbstgedicht. "Wer jetzt sein Geld nicht in Sicherheit gebracht hat, halt bald nichts mehr", könnte man im Blick auf die anhaltende Schulden und Finanzmarktkrise sagen.

Hajo Friedrich

Die Schulden der Eurostaaten sind eine tickende Zeitbombe. Die Stunde der EZB als Staaten- und Bankenretter rückt näher. - © Mopic/Fotolia

Nur wenige Tage, nachdem der Euro-Rettungsschirm ESM in Kraft getreten ist, stufte die Ratingagentur S&P Spanien herunter. Damit liegt das Land nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Europartner und die Europäische Zentralbank ein Hilfsantrag aus Madrid erreicht.

Eines scheint klar: die Europäische Zentralbank (EZB) wird früher oder später ihre von den Regierungen des Euroraums gern gehörte Ankündigung wahrmachen: zur Rettung maroder Euro-Länder quasi Geld drucken. Das ist dann mehr eine Verzweiflungstat mit ungewissem Risiko, als ruhiges handeln, wie es die Bürger von ihrer Zentralbank erwarten. Der ESM verfügt nur über eine begrenzte Feuerkraft. Sein Kreditvolumen von 500 Milliarden Euro könnte bereits bei einem Hilfsantrag aus Spanien schnell aufgebraucht werden.

Hoffnungsanker EZB

Zwar behauptet EZB-Chef Draghi, seine Bank sei nach wie vor der Geldwertstabilität verpflichtet und stelle Bedingungen an die Mittelvergabe. Doch das sind nur Worte, die sich weit auslegen lassen. Am Ende dürfte Draghi riesige Milliardenbeträge in die Märke pumpen, ohne dass dem eine reale wirtschaftliche Leistung gegenübersteht. Länder, wie Spanien und ihre Banken erhalten damit aber nur eine Art von Überbrückungskredit.

Denn es zeigt sich, besonders deutlich am Fall Griechenland, dass die riesigen Schuldenberge der Länder und vieler Banken mit seriösen Mitteln nicht abgetragen werden können. Portugal wartet auf weitere Kreditzahlungen, Zypern braucht Notkredite und auch aus Slowenien wird demnächst ein Antrag auf Finanzhilfe erwartet.

Brüssel und die Euro-Hauptstädte sind mit ihrem Latein am Ende. Sie verlieren sich in Aktivismus. Fast jede Woche werden in Brüssel neue Maßnahmen diskutiert, wie die Schulden- und die Finanzmarktprobleme bewältigt werden können. Aber das ist alles Zukunftsmusik. Es soll bei den Bürgern den Eindruck der Handlungsfähigkeit vermitteln. Doch die vielbeschworenen Märkte lassen sich davon nicht beeinflussen. Fast schon verzweifelt fragen manche Politiker, was sie denn noch tun müssen, damit die Märkte von ihren Spekulationen auf Europas Schwäche ablassen.  

Geld abgezogen

Die Drecksarbeit muss jetzt die EZB machen. Geht es gut, werden sich die Regierungen damit brüsten. Scheitert Draghi nach der Devise "erst Cash, dann Crash", dann können die Schäubles Europas sagen, dass sie ja immer auch vor den Gefahren gewarnt hätten. So ist die Politik fein raus; der Verantwortung tragen andere.

Für den Sparer heißt das: wohlüberlegt schauen, wo das Geld sicher ist. Die meisten reichen Südeuropäer haben ihr Geld längst aus ihren vom Konkurs bedrohten Heimatländern abgezogen. Der hohe Goldpreis und die steigenden Immobilienpreise in Nord- und Mitteleuropa zeigen, dass die Flucht des Geldes von den Konten in die Sachwerte längst begonnen hat.

Ja, es ist auch Zeit für (aktualisierte) Herbstgedichte : "Wer jetzt keine inflationssichere Anlage hat, findet irgendwann keine mehr."