Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Arbeitszeit werden in Deutschland immer größer. Zwar sind Frauen heute viel häufiger berufstätig als vor 20 Jahren. Aber sie arbeiten vor allem in Teilzeit. Dagegen steigt die durchschnittliche Arbeitszeit von Männern seit 20 Jahren wieder an.

Gut 30 Stunden arbeitete eine erwerbstätige Frau im Jahr 2010 in Deutschland. Damit verbringt sie durchschnittlich knapp zehn Stunden weniger auf der Arbeit als ein Mann. Die Unterschiede der Arbeitszeit der Geschlechter wertete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Düsseldorfer Hans-Böckler-Stiftung aus.
Der Anteil der Frauen, die weniger als 15 Stunden pro Woche arbeitet, hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren von sechs auf 14 Prozent mehr als verdoppelt. Bei den Männern hat sich der Anteil der sehr kurzen Teilzeitjobs zwar verfünffacht, liegt aber immer noch unter vier Prozent. Gleichzeitig haben aber immer mehr Männer mehr als eine 40-Stunden-Woche: Im Jahr 2010 verbrachte jeder fünfte Mann mehr als 41 Stunden pro Woche im Unternehmen.
Kinder verdoppeln Arbeitszeitunterschiede zwischen Mann und Frau
Das Wirtschaftsinstitut stellte fest, dass die Arbeitszeiten sich "deutlich polarisiert" haben. Mit der hohen Teilzeitquote von Frauen gehen häufig ein niedrigeres Einkommen und schlechte Karrierechancen einher. Dennoch entscheiden sich Frauen zwar häufiger zu arbeiten, aber nur nebenher. Der Grund ist die Kinderbetreuung: Bekommt ein westdeutsches Paar ein Kind, verdoppelt sich der Arbeitszeitunterschied zwischen Mann und Frau statistisch gesehen von sechs auf zwölf Stunden. Eltern von zwei oder mehr Kindern haben sogar einen durchschnittlichen Arbeitszeitunterschied von zwei Arbeitstagen pro Woche. In Ostdeutschland gibt es zwar die gleichen Tendenzen, aber die Unterschiede sind weniger stark ausgeprägt. Denn hier können Frauen im Schnitt immer noch auf ein besseres Betreuungsnetz zurückgreifen. dhz