Beim Einsatz an brennenden Gebäuden mit Photovoltaikanlagen müssen Feuerwehrleute auf zusätzliche Risiken achten. Ein bis 2014 laufendes Forschungsprojekt soll ihre Sicherheit verbessern.
Ulrich Steudel
Das Gerücht hält sich hartnäckig: Wenn ein Haus mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach in Flammen steht, lässt es die Feuerwehr wegen der Gefahr von Stromschlägen kontrolliert abbrennen. Richtig ist: Die Feuerwehr bekämpft jeden Brand. Beim Löschen von Objekten mit Solaranlagen müssen die Floriansjünger aber zusätzliche Gefahren und bestimmte Regeln beachten. Dafür werden sie geschult.
Außerdem wird der Brandschutz bei Photovoltaikanlagen gerade ausgiebig erforscht. Seit einem Jahr arbeitet der TÜV Rheinland zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und weiteren Partnern daran, die Brandrisiken von Photovoltaiksystemen und die Sicherheit der Feuerwehrleute zu optimieren.
Bis 2014 läuft das Vorhaben, erste Ergebnisse liegen aber schon vor. Dass Photovoltaikanlagen selbst zum Auslöser eines Brandes werden, wollen die Experten zwar nicht generell ausschließen, ein großes Problem sehen sie darin allerdings nicht. Das Fraunhofer ISE schätzt die Zahl derartiger Vorfälle bislang auf weniger als fünf – und das bei bundesweit mehr einer Million installierter Anlagen.
VDE-Norm zur Brandbekämpfung ausreichend
Trotzdem können Häuser mit Solaranlagen brennen. Dann müssen die Einsatzkräfte der Feuerwehr erhöhte Vorsicht walten lassen. Denn wenn die Sonne auf die Module strahlt, steht die Leitung bis zur Gleichstrom-Freischaltstelle, dem sogenannten DC-Schalter, unter einer Spannung von bis zu 1.000 Volt. Zum eigenen Schutz sollten die Feuerwehrleute einen Mindestabstand von einem Meter zu spannungsführenden Teilen und benachbarten Metallteilen einhalten. Bei Löscharbeiten mit einem Sprühstrahl gilt im Niederspannungsnetz der gleiche Mindestabstand, bei einem Vollstrahl sollte er mindestens fünf Meter betragen.
Diese Vorgaben der VDE-Norm 0132 zur Brandbekämpfung an elektrischen Anlagen sind „prinzipiell ausreichend“, wie Versuchsreihen des TÜV Rheinland im vergangenen Sommer ergeben haben. Allerdings würde die detaillierte Auswertung der Ergebnisse noch ausstehen. Bei den Tests wurden verschiedene Löschmittel, Abstände und Strahlrohre untersucht.
Insgesamt sind Brandschäden an Photovoltaikanlagen eher selten. Nach einer Studie über das technische Gefährdungspotenzial bei Solarstromanlagen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft aus dem Frühjahr 2010 ist die große Mehrheit der Schäden auf Sturm, Schneedruck und Überspannung zurückzuführen. Nur zwei Prozent der gemeldeten Versicherungsfälle würden durch einen Brand entstehen.
