In Städten über 100.000 Einwohnern müssen neue Heizungen erst ab 1. November 2026 zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren laufen – nicht schon ab 1. Juli. Der Fachverband SHK Baden-Württemberg begrüßt den Schritt: Eine Regel, die nach wenigen Wochen wieder entfallen wäre, hätte nur Verwirrung gestiftet. Eigentümern empfiehlt der Verband, noch die aktuelle Förderung zu nutzen.

Der Bundestag verschiebt eine zentrale Frist des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), umgangssprachlich "Heizungsgesetz" genannt. Die Abgeordneten beschlossen am Donnerstag, die sogenannte 65-Prozent-Regel um vier Monate nach hinten zu schieben. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen neue Heizungen damit erst ab dem 1. November 2026 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien laufen – nicht bereits ab dem 1. Juli.
Verschiebung im Schnellverfahren
Hintergrund ist die geplante Reform des GEG. Die Koalition will die 65-Prozent-Pflicht mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) komplett streichen. Die Neuregelung kommt nach derzeitigem Stand aber erst im Sommer 2026 in den Bundestag. Heizungen, die die 65-Prozent-Quote nicht erreichen, dürfen damit auch nach dem 1. Juli eingebaut werden – vorerst bis zum 31. Oktober.
SHK-Verband begrüßt Beschluss
Der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW) begrüßt den Beschluss. "Eine Regel, die in gut vier Wochen in Kraft getreten wäre und danach wenige Wochen später mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz wieder entfallen wäre, hätte nur Verwirrung gestiftet", sagt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker. "Die Verschiebung war der einzig vernünftige Weg und bietet Betrieben und Kunden für die Übergangszeit eine gewisse Planungssicherheit."
Empfehlung: Wärmepumpe bleibt erste Wahl
An der fachlichen Empfehlung ändert die Verschiebung aus Sicht des Verbands nichts. "Wer heute eine Öl- oder Gasheizung einbaut, wettet darauf, dass die Preise für diese Energieträger dauerhaft wieder günstiger werden. Das ist eine schlechte Wette", so Becker. Der CO₂-Preis werde steigen, die Abhängigkeit von fossilem Öl und Gas bleibe ein geopolitisches Risiko. Biogas oder Bioöl seien auf absehbare Zeit nur in begrenzten Mengen und zu hohen Preisen verfügbar.
In Baden-Württemberg kommt nach Angaben des Verbands ein landespolitischer Grund hinzu: Das Klimaschutzgesetz sieht Klimaneutralität bis 2040 vor, die neue grün-schwarze Landesregierung hält daran fest. "Wer heute eine Öl- oder Gasheizung einbaut, sollte davon ausgehen, dass schon in 14 Jahren der Betrieb mit fossilem Gas oder Öl sehr stark oder sogar vollständig eingeschränkt wird", warnt Becker. Seine Empfehlung: "In den meisten Fällen ist die Wärmepumpe die richtige Heizung – wirtschaftlich, zukunftssicher und klimafreundlich." In Einzelfällen könne Biomasse die bessere Lösung sein. Gas und Öl sollten nur dort zum Einsatz kommen, wo Wärmepumpe, Biomasse oder Fernwärme technisch oder wirtschaftlich keine Alternative sind.
Förderung: Jetzt handeln, solange Sätze stehen
Der Verband rechnet damit, dass sich mit dem GModG im Lauf des Jahres 2026 auch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ändert. Bislang haben Vertreter der Bundesregierung lediglich zugesichert, die Finanzierung der BEG sei gesichert – die individuellen Fördersätze könnten sich aber ändern. "So gut wie jetzt wird die finanzielle Unterstützung des Heizungstauschs angesichts klammer Haushaltskassen nicht mehr werden", sagt Becker. "Was heute beantragt wird, ist sicher. Was danach gilt, ist offen. Wer eine neue Heizung plant, sollte jetzt handeln und nicht warten."
Heizungstausch kommt nur langsam voran
Wie zäh der Wechsel zu klimafreundlicher Wärme bislang verläuft, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks für 2025. Rund 19,5 Millionen Heizungsanlagen und Warmwasserheizer nutzten im vergangenen Jahr fossile Energieträger wie Öl oder Gas. Gegenüber dem Vorjahr ging ihre Zahl nur um zwei Prozent zurück.
Ein Grund: das hohe Alter der Geräte. Mehr als 86 Prozent der Ölheizungen und rund zwei Drittel der Gasheizkessel sind älter als 20 Jahre. Bei der moderneren Brennwerttechnik sieht es besser aus. Nur etwa ein Prozent der Öl- und rund 26 Prozent der Gas-Brennwertgeräte haben mehr als 15 Jahre auf dem Buckel. Diese effizientere Technik setzt sich kontinuierlich durch, allerdings in kleinen Schritten.
Das Schornsteinfegerhandwerk führt die Zurückhaltung beim Heizungstausch auch auf Unsicherheit nach dem angekündigten Reformkurs der Koalition zurück. Viele Eigentümer warteten zunächst ab und verschoben Investitionen. "Die Wärmewende im Gebäudesektor kommt langsamer voran als geplant. Klare politische Signale und verlässliche Förderbedingungen bleiben entscheidend", sagt Alexis Gula, Präsident des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks.
Mit Inhalten der dpa