Sieben Millionen Mal weltweit verkauft – unter den Transportern gehört der Ford Transit zu den Klassikern. Jetzt feiert die Legende ihren 50. Geburtstag. Am 9. August 1965 rollte im englischen Ford-Werk in Langley der erste Transit vom Band. Doch eigentlich ist der Ford Transporter noch viel älter.
Gerhard Prien, Automedien-Portal
Begonnen hat seine Geschichte in Deutschland eigentlich mit dem FK 1000, der 1953 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) präsentiert wurde. Die Ziffern beim 4,3 Meter langen FK 1000 stehen für die Nutzlast in Kilogramm, die Buchstaben für die Herkunft: Ford Köln.
Der gut zwei Tonnen schwere Transporter verfügte über einen 38 PS starken Benzinmotor, eine Dreigang-Lenkradschaltung und beschleunigte immerhin auf 95 Stundenkilometer. Der FK 1000 gilt heute als Urahn des Transit, der in 50 Jahren zu einer wahren Legende wurde.
Geschichte im Rückspiegel
Anfang der 1960er-Jahre baute Ford mit dem Taunus Transit in Deutschland und dem Thames 400 E in Großbritannien zwei verschiedene Transporter für den europäischen Markt.
Aber die deutsch-britische Doppelarbeit sollte ein Ende finden. Unter dem Codewort „Redcap“ (Rotkäppchen) wurde ein gemeinsamer Nachfolger entwickelt, der 1965 dann aber unter dem Namen Transit auf den Markt kommen sollte.
1965
Der Transit übernimmt von seinen Vorgängen lediglich das Prinzip des Antriebs mit längs eingebautem Benzinmotor vorn und angetriebenen Hinterrädern. Sonst bleibt keine Schraube gleich. Neu ist das Design mit kurzer Motorhaube, breitem Kühlergrill und in Scheinwerfer mündenden Kotflügeln, auf denen die Außenspiegel wie Insektenfühler sitzen. Unter der Karosserie steckt robuste Technik mit blattgefederten Starrachsen vorn und hinten.
Der Ford Transit der ersten Generation war bereits 1965 in zwei Radständen, zwei Dachhöhen sowie 18 Tür-Kombinationen bestellbar. Hinzu kamen von Beginn an vielfältige Karosserie-Versionen wie Kastenwagen, Kombi, Bus, Panorama-Bus, Hoch- und Tiefladepritsche, Fahrgestell mit Fahrerhaus und Doppelkabine. Ergänzend fächerte sich der Transit in gleich sechs Gewichtsklassen vom FT 600 bis zum FT 1750 auf. Die Buchstaben „FT“ standen für Ford Transit, die Zahl bedeutete die Nutzlast in Kilogramm. Anders herum formuliert: Die Spanne des zulässigen Gesamtgewicht reichte bereits damals von 1,9 bis 3,25 Tonnen.
1972
Der erste Transit mit Dieselmotor wird schon ein Jahr nach Produktionsstart in Großbritannien angeboten. Aber auf dem deutschen Markt hält der Selbstzünder mit dem sogenannten York-Diesel von Ford erst von 1972 an Einzug. Da die Dieselaggregate als Reihenmotoren länger als die V4-Benziner sind, bekommt der Bug einen Vorbau.
Seine Leistungsfähigkeit beweist der Diesel auf der Rennstrecke in Monza: In sieben Tagen bewältigt der Transporter eine Strecke von 10.000 Kilometern – ein neuer Rekord.
1978
Die zweite Transit-Generation bringt, bedingt durch neue Reihenmotoren, einen verlängerten und für alle Motor-Varianten identischen Vorbau. Die Modellspanne und das Angebot an Motoren vergrößern sich. Zu den Transit-Werken Genk (Belgien), Southampton (Großbritannien), Azambuja (Portugal) und Istanbul (Türkei) gesellte sich auch Amsterdam, wo der Transporter bis einschließlich 1981 für den lokalen Markt gebaut wird.
Spitzenmotorisierung ist von 1979 an ein V6-Motor mit drei Litern Hubraum und 100 PS Leistung. Das Aggregat passt gut zum ebenfalls 1979 vorgestellten und ab 1981 verfügbaren Transit Clubmobil mit großen Seitenscheiben, Bullaugenfenstern und wohnlicher Ausstattung von Hymer. Erstmals gibt es den Transit auch mit Allradantrieb.
Beliebt ist der Ford Transit nicht nur bei Handwerkern der verschiedensten Branchen, auch Ganoven fahren mit ihm vor. So stellt die britische Polizei fest, dass in den 1970er-Jahren bei Banküberfällen mit Fahrzeugen fast immer der Ford Transit zum Einsatz kam.
Ford nutzt den Transit auch als Basis für Experimental-Fahrzeuge. So präsentiert Ford 1971 den ersten „Supervan“ auf der Rennstrecke von Brands Hatch. Unter der Original-Karosserie mit Kotflügelverbreiterungen steckt das Chassis des legendären Rennwagens Ford GT40. Im Laderaum ist mittig ein V8-Motor mit 400 PS verbaut. Er katapultiert den Transit Supervan auf eine Spitzengeschwindigkeit von 242 km/h. 13 Jahre später schafft der „Supervan 2“ mit 600 PS unter der Haube sogar 280 km/h. Der Eil-Transporter beschleunigt in 3,5 Sekunden auf Tempo hundert.
1986
Die dritte Generation der Baureihe löst den Vorgänger ab. Als erster Transporter wird der neue Transit im Windkanal getestet– mit einem cW-Wert von 0,37. Der Kraftstoffverbrauch sinkt um acht Prozent. Motorhaube und Windschutzscheibe nehmen den gleichen flachen Winkel ein, die Seitenfenster des Fahrerhauses sind weit nach unten gezogen, die Karosserie ist jetzt glattflächig und faltenfrei.
Unter dem Blech rückt Ford bei den Versionen mit kurzem Radstand von der starren Vorderachse mit Blattfedern ab. Der Neue verfügt über Einzelradaufhängung mit Dämpferbeinen und separaten Schraubenfedern und eine Zahnstangenlenkung. Neu ist auch das Fünf-Gang-Getriebe. In den Varianten mit langem Radstand kommen nach wie vor die blattgefederte Starrachsen vorn und hinten sowie die Lenkung des Vorgängers zum Einsatz.
Gleichzeitig mit dem Transit III startet der „Nugget“, ein bei Westfalia gebautes Campingfahrzeug mit kompletter Einrichtung mit Küche und Schrank im Heck.
Umfassend überarbeitet wird der Transit 1991. Neben Änderungen am Design ist erstmals auf Wunsch ABS lieferbar, die Servolenkung gehört bei der Version mit langem Radstand zur Serienausstattung. Serienmäßig haben alle Transit ein Fünf-Gang-Schaltgetriebe, alternativ gibt es eine Viergang-Automatik.
1994
Ein ovaler Kühlergrill kennzeichnet die nächste Entwicklungsstufe. Serienmäßig gibt es einen Fahrer-Airbag, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und einen Sicherheitssitz, der bei einem Unfall das Wegtauchen unter den Gurt verhindert. Feinschliff an den Dieselmotoren senkt den Verbrauch um zehn Prozent. Die Bus-Varianten des Transit tragen von nun an den Namen Tourneo.
1995 bringt Ford die ersten Branchenmodelle für Handwerker und Servicebetriebe mit werkseitig vorkonfigurierten Ausstattungen auf den Markt. Eine weitere Fertigungsstätte entsteht im polnischen Plonsk, wo bis zum Jahr 2000 ebenfalls Transit produziert werden.
2000
Auf der IAA Nutzfahrzeuge 1998 nimmt die Studie Concept Transit einige Details des neuen Transit vorweg: Klare Linien, tief heruntergezogene Dreiecksfenster, vor die Türen versetzte Außenspiegel, nahezu senkrechte Seitenwände, automatisiertes Schaltgetriebe und einen Vierventil-Diesel-Direkteinspritzer mit der Bezeichnung „Duratorq“.
Zwei Jahre danach präsentiert Ford dann die vierte Generation seines Transporters, den es nun auch mit Frontantrieb gibt, in den höheren Gewichtsklassen bleibt es beim Heckantrieb. Bis zu drei Tonnen zulässiges Gesamtgewicht bieten die Kölner einen quer eingebauter Motor plus Frontantrieb, oberhalb dieser Grenze Längsmotor und Heckantrieb. Einzig sichtbarer Unterschied: ein zehn Zentimeter höherer Laderaumboden beim heckgetriebenen Transit.
Lieferbar ist der neue Transit in vier Längen und drei Dachhöhen sowie etlichen Karosserie- und Ausstattungsvarianten: Kastenwagen und Kombi, Fahrgestelle mit Einzel- und Doppelkabine, Pritschen, die Tourneo-Busse plus Euroline und Nugget.
Eine weitere Neuerung kommt 2001 mit dem automatisierten Schaltgetriebe Durashift EST zunächst für den heckgetriebenen Transit mit 90 PS. Der Fahrer wählt entweder den Automatikmodus oder mit zwei Schaltwippen am Lenkrad die Gänge einzeln.
2006
Die fünfte Generation des Ford Transit ist am Kühlergrill mit dominantem Markenlogo erkennbar. Links und rechts rahmen ihn großformatige eckige Scheinwerfer im Hochformat ein. Im Cockpit gibt es einen zweifarbigen Armaturenträger und einen Joystick-Schalthebel rechts vom Lenkrad.
Mit der neuen Generation führt Ford eine Allradvariante ein, bei der die Zuschaltung schlupfgeregelt mittels zweier Lamellenkupplungen erfolgt.
2007 entwickelt Ford die Schwerlast-Varianten Transit FT 350 HD (Heavy Duty) und Transit FT 460 HD mit Heckantrieb. Ebenfalls neu: der Transit Sport mit Frontantrieb, 140 PS unter der Haube und kurzem Radstand, dessen Lackierung in Indianapolis-Blau mit zwei breiten weißen „GT“-Streifen ins Auge fällt. Die britischen Entwickler bauen mit dem Transit XXL einen Supervan, in dem sie zwei Transit Tourneo zu einer Stretch-Limousine mit 7,4 Meter Länge und einem Radstand von 5,9 Meter kombinieren.
2012

Mit Transit Custom und Tourneo Custom (Pkw-Variante) läutet Ford eine neue Ära ein: Erstmals teilt das Unternehmen seine Transporter in zwei eigenständige Baureihen auf. Der Custom (die DHZ hat ihn getestet) ist der klassische Transporter, der Transit tritt ab Mitte 2014 hingegen in der so genannten Sprinter-Klasse der 3,5-Tonner an und deckt den Nutzlastbereich bis zwei Tonnen ab.
Lieferbar sind auch ein Bus mit 18 Sitzplätzen und die L5-Version mit extralangem Radstand und Rahmenverlängerung.
Die Custom-Baureihe und die aktuelle Transit-Generation basieren auf einer gemeinsamen Nutzfahrzeug-Plattform, die für die weltweite Vermarktung entwickelt wurde. Die Baureihe ist mit Quermotor und Frontantrieb oder mit längs eingebautem Motor in Verbindung mit Heck- oder Allradantrieb lieferbar. Antriebsseitig stehen Duratorq-TDCi mit 2,2 Litern Hubraum und 100 bis 155 PS zur Verfügung, die an ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt sind. Im Rahmen der „One Ford“-Strategie löst der große Transit in Nordamerika die E-Baureihe ab. Auch in China rollt der aktuelle Transit vom Band. Am 20. Juni 2013 feierte die Baureihe dort ein Jubiläum: den siebenmillionsten Transit seit 1965.
Statistisch gesehen kaufen die Kunden im Durchschnitt alle drei Minuten einen Transit. Würden alle jemals hergestellten Transit in einer Reihe hintereinander geparkt, umrundete diese Fahrzeugschlange einmal den kompletten Globus.


