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Modell, Akku, Preis E-Bike: 5 Dinge, die Sie beim Kauf beachten sollten

Der Sommer 2020 war ein Fahrrad-Sommer – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise. Besonders beliebt: Das E-Bike. Doch das große Angebot an elektrischen Rädern gleicht einem Dschungel. Welches Modell passt zu wem? Und wie teuer muss das E-Bike sein? Zwei Radexperten geben Tipps.

Was tun, wenn die Corona-Krise die Freizeitmöglichkeiten einschränkt? Für viele ist die Antwort eindeutig: Fahrradfahren. Das Rad erlebte durch die Corona-Krise einen unerwarteten Boom in Deutschland. Nach der Wiederöffnung berichteten zahlreiche Fachhändler von einem regelrechten Run auf ihre Geschäfte. So z. B. Florian Ohnesorg: "Auch bei uns auf dem Land war zu Beginn der Corona-Krise besonders viel los", sagt der Inhaber des Fahrradgeschäftes Flow Bikes im bayrischen Ingenried. Schon jetzt sei alle Ware der diesjährigen Radkollektion ausverkauft, so der Zweiradmechanikermeister weiter. Besonders beliebt bei den Käufern: Das E-Bike. Allein 2019 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband 1,36 Millionen E-Bikes abgesetzt. Der Marktanteil von E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt steigerte sich demnach auf 31,5 Prozent.

Das perfekte E-Bike: Darüber sollten Sie sich beim Kauf Gedanken machen

Thomas Geisler vom pressedienst-fahrrad kann den Trend bestätigen. "Mittlerweile gibt es keine Fahrrad-Modelle mehr ohne E-Motoren", so Geisler. Ob im Sport, in der Freizeit oder im Gewerbe – für fast jeden Einsatzzweck gäbe es das passende E-Bike. Auch neue Technologien würden dafür sorgen, dass das Interesse an den elektrischen Fahrrädern weiter steige. Beim Kauf gibt es dementsprechend vieles zu beachten. Doch was genau ist wichtig? Für alle, die sich im Angebots-Dschungel nicht zurechtfinden, haben die Radexperten Florian Ohnesorg und Thomas Geisler ein paar erste nützliche Tipps parat:

1. Das passende E-Bike ist so individuell wie man selbst

Ein E-Bike setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen. Oft suchen die Menschen deshalb nach simplen Dingen, die sie miteinander vergleichen können – so zumindest erlebt es Ladeninhaber Florian Ohnesorg bei seinen Kunden. Viele von ihnen legen ihren Fokus auf die Schaltung: "Dabei muss es keine hochwertige Schaltung sein, häufig reicht schon ein Mittelklasse-Modell. Viel wichtiger ist, dass man sich auf seinem E-Bike wohlfühlt", sagt der Zweiradmechaniker.

Ohnesorg vergleicht das perfekte E-Bike mit einem Maßanzug: Das Rad muss genauso perfekt an den Fahrer angepasst sein, wie ein maßgeschneiderter Anzug an seinen Träger. Dem kann auch Thomas Geisler vom pressedienst-fahrrad zustimmen. Er empfiehlt, sich vor dem Kauf ein paar Fragen zu stellen. Die Antworten helfen sowohl dem Käufer als auch dem Fahrradhändler dabei das passende Modell zu finden: "Für welchen Zweck will ich das Fahrrad hauptsächlich einsetzen? Welche Strecken nehme ich in der Regel? Auf welchem Untergrund fahre ich? Habe ich eher einen gemütlichen oder sportlichen Fahrstil? Das sind einige der Fragen, die wichtig sind", so der Experte.

Beispiel: Für einen Handwerker, der sein E-Bike gewerblich nutzen will, viel Gewicht transportiert und hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist, bietet sich etwa ein Cargobike an: "Mittlerweile haben viele der neuen Modelle eine länglichere statt einer breiten Ladefläche für Werkzeug und anderes Arbeitsmaterial. Damit lässt es sich noch geschmeidiger fahren als vorher", erklärt Geisler. Erfahrungsberichte von Handwerkern, die Cargobikes bereits im Unternehmensalltag nutzen, lesen Sie hier:

>>> Lesetipp: Cargobikes im gewerblichen Einsatz: So funktioniert es

2. Unbedingt Probefahren

Lieber ausprobieren statt blind kaufen – das gilt vor allem beim Erwerb eines E-Bikes. "Bei einer Probefahrt lässt sich z. B. testen, ob der Rahmen und die Größe des E-Bikes passen und ob der Sitz bequem ist", so Geisler. Zum guten Service eines Fachgeschäftes gehört es zudem, dass E-Bike genau auf die Körperstatur des Kunden einzustellen. Das Rad wird dabei z. B. an das Gewicht des Fahrers angepasst.  Auch der Motor sollte in einer Probefahrt getestet werden, denn er bestimmt maßgeblich das Fahrgefühl.

Zusatztipp von Flow Bikes-Inhaber Ohnesorg: "Ich empfehle, sich für den Motor eines großen statt eines kleinen, eher unbekannten Herstellers zu entscheiden. Denn sollte es einmal Motor-Probleme geben, hat man so immer gute Chancen, einen Händler in der Nähe zu finden, der helfen kann." 

E-Bike und Pedelec: Wo liegt der Unterschied?

Wer von E-Bike oder Pedelec spricht, meint in der Regel dasselbe. Nimmt man es aber ganz genau, sind viele der angebotenen Elektro-Räder eigentlich Pedelecs. Sie unterstützen die Motoren mit einer Leistung von maximal 250 Watt. Während des Tretens darf das Rad eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde erreichen. Wer zügiger vorankommen will, muss mithilfe seiner eigenen Kraft beisteuern.

E-Bikes hingegen sind dem Mofa gleichgestellt. Sie können sich alleine durch die Motorenleistung in Bewegung setzen. Deren Beschränkung liegt bei 500 Watt. Zudem besteht hier eine Helmpflicht. "Der Marktanteil 'richtiger' E-Bikes liegt derzeit aber lediglich bei ungefähr einem Prozent", sagt Geisler.

  Weitere Infos zu den Unterschieden und wie genau ein E-Bike funktioniert, erfahren Sie hier:

 >>> Lesetipp: So funktioniert ein E-Bike: 8 Fragen zu Akku, Antrieb und Kosten

3. Es braucht nicht immer den größten Akku

Häufig fragen Ohnesorgs Kunden ihn nach dem größten Akku, den er in seinem Laden zur Verfügung hat. "Ich stelle dann immer die Gegenfrage: Wie lang sind die Touren, die Sie fahren?" Denn wer Touren unter 100 km fährt, für den reiche laut Ohnesorg locker auch ein kleiner und somit günstigerer Akku aus. Nur wer längere Strecken zurücklegt, sollte auf die eine größere Variante zurückgreifen. Diese Kraftspeicher ermöglichen eine Reichweite von bis zu 200 km.

Was es bei großen Akkus noch zu beachten gilt: Sie sind in der Regel schwerer und beeinflussen damit das Gesamtgewicht des E-Bikes. Das gewinnt z. B. an Bedeutung, wenn man vor der Haustür keine Steckdose für die Aufladung des Rads zur Verfügung hat und den Akku nur schwer entnehmen kann. Wer das gesamte E-Bike dann mehrere Treppenstufen hoch zur Wohnung schleppen muss, ärgert sich schnell.

4. Zubehör kann nützlich sein

Zugegeben: Nicht jedes Zubehör ist notwendig. Manches jedoch ist durchaus praktisch. Für die Aufbewahrung der E-Bike-Akkus gibt es beispielsweise spezielle Schutzhalter für den Winter, damit diese Kälte und Nässe nicht unmittelbar ausgesetzt sind – denn darunter leidet die Leistung der Kraftspeicher. Was Geisler dringend empfiehlt: "Kaufen Sie kein Ladegerät, dass nicht vom Hersteller der Akkus kommt. Bei der Aufladung könnte es sonst Probleme geben."

Bei Flow Bikes sind aktuell ergonomische Griffe beliebt. Sie verhindern, dass die Handgelenke beim Fahren abknicken und beugen so tauben Fingern vor. Ein zusätzlicher Tipp in puncto E-Bike-Zubehör, den Ohnesorg allen Fahrer mit auf den Weg geben möchte: "Ich empfehle jedem bei seinen Radtouren das nötigste Grundwerkzeug mitzuführen. Denn wenn man in der Natur unterwegs ist und gerade kein Fahrradladen in der Nähe ist, kann man sich bei kleinen Problemen schnell selbst helfen." Wer noch nicht weiß, wie einfache Reparaturen am E-Bike durchzuführen sind, kann z. B. an einem Einführungskurs teilnehmen, den auch viele Fachgeschäfte anbieten. 

5. Vorsicht bei zu günstigen Angeboten

Ähnlich wie beim Smartphone entwickelt sich auch die E-Bike-Technologie immer weiter. Das spiegelt sich auch im Preis wider: Modelle mit der neusten Technik kosten meist etwas mehr Geld. Wer sparen will, sollte aber trotzdem nicht zu wenig für sein E-Bike zahlen, da diese Fahrradmodelle veraltete Technik aufweisen können. "Der Preis eines E-Bikes in guter Qualität beginnt meist ab 2.000 Euro. Bei hochwertigen E-Mountainbikes liegt der Einstiegspreis bei 2.500 Euro", weiß Geisler. Tipp für Chefs: Arbeitgeber, die die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern und ihnen ein Dienstfahrrad zur Verfügung stellen, können Steuervorteile nutzen. Mehr dazu in diesem Artikel:

>>>Lesetipp: So zahlen sich Dienstfahrräder steuerlich aus

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