Gesundheit 5 Strategien gegen Zeitarmut: Was laut einer Psychologin wirklich hilft

Zwischen Baustelle, Büro und Feierabend bleibt oft keine Minute übrig. Eine Psychologin erklärt, wie sich das Gefühl chronischer Zeitknappheit mit einfachen Mitteln verringern lässt.

Ständig unter Zeitdruck? Das schadet der Gesundheit. - © Lustre Art Group - stock.adobe.com

Viele Menschen hetzen von Aufgabe zu Aufgabe und kommen kaum zur Ruhe. Fachleute bezeichnen dieses Phänomen als Zeitarmut – und es ist weit verbreitet.

Chronischer Zeitdruck macht krank

Wer dauerhaft unter Zeitdruck steht, setzt seinen Körper Stress aus. Die Folgen: erhöhte Cortisolwerte (Stresshormon), Bluthochdruck sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Hinzu kommen ungesunde Ernährungsgewohnheiten und ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Auch psychische Erkrankungen wie Burnout, Depressionen oder Angststörungen drohen.

Doch Zeitarmut sei kein unausweichliches Schicksal, betont die Psychologin Prof. Ruth Ogden von der Liverpool John Moores University im Magazin "BBC Science Focus". Mit wenigen Strategien lasse sich das Empfinden von Zeitknappheit deutlich verringern. Ihre fünf Tipps:

1. Nein sagen lernen

Nicht jede Verpflichtung verdient ein Ja. Wer bewusst Nein sagt, schafft Raum für die wirklich wichtigen Dinge.

Ogdens Rat: Wer sagt, er habe keine Zeit, macht sich nicht unbedingt beliebter. Besser sei es, nach mehr Zeit zu fragen, klarzumachen, dass äußere Umstände das Nein erzwingen – oder lieber gar keine Begründung zu geben, als nur "Dafür habe ich keine Zeit" zu sagen.

2. Eine Zeit-Analyse machen

Wer eine Woche lang festhält, wofür er seine Zeit aufwendet, erkennt Einsparpotenzial. Für Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber könnte das bedeuten: Wie viel Zeit fließt täglich in Angebotserstellung, wie viel in Telefonate, wie viel in Fahrten zwischen Baustellen? Ogden empfiehlt, mit 30-Minuten-Abschnitten zu arbeiten und nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Schon kleine Veränderungen können Zeit freischaufeln – etwa das Abendessen vorkochen oder im Betrieb Angebote mit Vorlagen statt von Grund auf neu schreiben.

3. Aufgaben delegieren oder auslagern

Ob Haushalt, Einkäufe oder kleine Alltagsaufgaben: Wer sie mit anderen teilt oder auslagert – etwa durch einen Saugroboter oder einen Lebensmittellieferservice –, kauft sich damit Zeit. Diese lässt sich dann bewusst für Erholung oder wichtige Projekte nutzen.

Das gleiche Prinzip gilt im Betrieb: Materialbestellungen an einen Mitarbeiter übergeben, die Buchhaltung an ein Steuerbüro auslagern oder eine Bürokraft für die Terminplanung einsetzen. Auch digitale Werkzeuge wie eine Handwerkersoftware für Auftragsplanung und Rechnungsstellung können Zeit freischaufeln

4. "Was-habe-ich-geschafft"-Liste führen

Diese umgekehrte To-do-Liste funktioniert so: Am Ende des Tages schreibt man auf, was man erledigt hat. Das fördert laut Ogden das Gefühl von Produktivität und Zufriedenheit. Fünf Minuten reichen dafür aus. Wer alles schwarz auf weiß sieht, gewinnt Selbstbewusstsein – auch weil sich oft zeigt: Man setzt seine Zeit eigentlich ziemlich gut ein.

5. Zeitblöcke einplanen

Aufgaben und Freizeit klar voneinander abzugrenzen hilft gegen Überforderung und Ablenkung. Ogden empfiehlt, feste Zeiten für Arbeit, E-Mails und Erholung im Kalender zu blocken.

"Wenn Sie etwa nach der Arbeit nicht entspannen können, weil noch E-Mails offen sind, blocken Sie jeden Tag 15 Minuten am Abend nur für Mails", so Ogden. Danach sollte man E-Mail-Benachrichtigungen ausschalten oder den Ruhe-Modus am Smartphone einschalten, rät die Professorin. dpa/fre