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Steueränderungen 2020 25 Steueränderungen, die Sie in diesem Jahr beachten sollten

Für Handwerksunternehmer traten mit dem Jahreswechsel zahlreiche Neuregelungen in Kraft, die beachtet werden sollten. Die 25 wichtigsten Steueränderungen aus dem ­Jahressteuergesetz 2019, dem Bürokratieabbaugesetz und dem Klimapaket.

1. Neue Verpflegungspauschalen

Unternehmer, die 2020 im Inland außerhalb der betrieblichen Räume tätig sind, dürfen bei Abwesenheit von zu Hause und vom Betrieb von mehr als acht Stunden Verpflegungspauschalen von 14 Euro (bisher 12 Euro) als Betriebsausgaben geltend machen. Bei mehrtägigen Dienstreisen winken für die An- und Abreisetage jeweils 14 Euro und für die Zwischentage 28 Euro (bisher 24 Euro).

Tipp: Auch bei Auslandsdienstreisen gelten für einige Länder neue Verpflegungspauschalen (BMF-Schreiben IV C 5 – S 2353/19/10010:001).

2. Sonderabschreibung für Umweltbewusste

Kauft ein Unternehmer ab dem 1. Januar 2020 ein Elektronutzfahrzeug oder ein Elektrolastenfahrrad, winkt dafür unter bestimmten Umständen neben der linearen Abschreibung ein zusätzlicher Betriebsausgabenabzug in Höhe einer 50-prozentigen Sonderabschreibung. Voraussetzung: Die Erstzulassung muss auf den Handwerker lauten und bei den E-Nutzfahrzeugen muss es sich um Fahrzeuge der Fahrzeugklassen N1, N2 oder N3 handeln.

3. Geringerer Privatanteil

Nutzen Sie ein Fahrzeug des Betriebs für Privatfahrten und für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb, müssen Sie dafür einen Privatanteil versteuern. Ohne Fahrtenbuch passiert das nach der 1-Prozent-Regelung. Neu ist ab 2020, dass für Fahrzeuge, die keine Kohlendioxidemission haben und deren Bruttolistenpreis nicht mehr als 40.000 Euro beträgt, billig privat gefahren werden dürfen. Denn für solche Fahrzeuge muss nur ein Viertel des Bruttolistenpreises versteuert werden.

Tipp: Die Reduzierung des Bruttolistenpreises greift nur ertragsteuerlich. Bei Ermittlung der Umsatzsteuer für die Privatnutzung muss der komplette Bruttolistenpreis berücksichtigt werden.

4. Gutscheine und Geldkarten

Steuerfreie Gehaltsextras stehen bei Mitarbeitern hoch im Kurs. Besonders beliebt sind Gutscheine oder Geldkarten bis maximal 44 Euro pro Monat. Solche Sachbezüge sind bis zu diesem monatlichen Höchstbetrag steuerfrei. Im Jahressteuergesetz 2019 wird klargestellt, dass die Steuerfreiheit zum einen nur dann winkt, wenn dieser Sachbezug zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn spendiert wird. Zum anderen darf der Arbeitnehmer nur Waren und Dienstleistungen beziehen.

Tipp: Achten Sie insbesondere bei Geldkarten darauf, dass diese keine IBAN haben oder dass damit keine Überweisungen möglich sind. Das Finanzamt kippt in diesem Fall die Steuerfreiheit, weil kein Sachbezug vorliegt.

5. Job-Ticket: Pauschalierung

Spendieren Sie einem Mitarbeiter ein Job-Ticket, ist diese Zahlung für den Arbeitnehmer nach § 3 Nr. 15 EStG steuerfrei, wenn sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitsleistung erfolgt. Sobald die Zahlung für das Job-Ticket aus einer Gehaltsumwandlung stammt, darf der Arbeitgeber nicht mehr steuerfrei leisten. Doch er kann die Steuern pauschal mit 25 Prozent übernehmen.

Tipp: Diese Neuregelung im Jahressteuergesetz 2019 gilt übrigens bereits rückwirkend ab dem 1. Januar 2019.

6. Mitarbeitern ein Fahrrad schenken

Schenken Sie einem Mitarbeiter noch 2019 ein Fahrrad, muss er dafür Steuern in Höhe des geldwerten Vorteils zahlen. Schenken Sie ihm das Fahrrad erst ab 2020, können Sie die Steuer für den geldwerten Vorteil pauschal mit 25 Prozent übernehmen.

7. E-Pkw: Verlängerung der Vergünstigung

Nach derzeitiger Rechtslage gilt beim Kauf von Elektro- oder Hybrid-Elektrofahrzeugen für den Betrieb Folgendes: Für Privatfahrten beziehungsweise für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb ist zwar ein Nutzungsanteil gewinnerhöhend zu versteuern. Bei Ermittlung dieses Korrekturbetrags nach der 1-Prozent-Regelung ist jedoch nur die Hälfte des Bruttolistenpreises zu berücksichtigen. Diese Vergünstigung sollte nur greifen, wenn der Erwerb ab dem 1. Januer 2019 und bis spätestens 31. Dezember 2021 erfolgt. Diese Vergünstigung wurde nun zeitlich deutlich verlängert. Nach dem Jahressteuergesetz 2019 gilt Folgendes:

  • Erwerb 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2024: Gilt für Fahrzeuge, die unter ausschließlicher Nutzung der elektronischen Antriebsmaschine eine Fahrleistung von mindestens 60 Kilometer erreichen.
  • Erwerb 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2030: Gilt für Fahrzeug, die unter ausschließlicher Nutzung der elektronischen Antriebsmaschine eine Fahrleistung von mindestens 80 Kilometer erreicht.

Die Mindestreichweite spielt keine Rolle, wenn die Kohlendioxidemissionen je gefahrenen Kilometer nicht über 50 Gramm liegen.

Tipp: Die Verlängerung dieser Vergünstigung gilt übrigens auch, wenn Sie den E-Firmenwagen beziehungsweise den Hybrid-Elektro-Firmenwagen privat oder für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nutzen und den zu versteuernden Anteil nach der Fahrtenbuchmethode ermitteln. In die Gesamtkosten müssen dann nur die Hälfte der Abschreibung beziehungsweise der Leasingzahlungen einbezogen werden.

8. Steuerfreie berufliche Weiterbildung

Eine gute Nachricht kommt für alle Mitarbeiter, die eine Weiterbildung bekommen. Weiterbildungsmaßnahmen nach § 82 Abs. 1 und 2 SGB III sollen stets steuerfrei gewährt werden. Dasselbe gilt für Weiterbildungsmaßnahmen, die der Verbesserung der Be­schäftigungsfähigkeit des Ar­beitnehmers dienen. Diese Neuregelung gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2019.

Tipp: Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat diese Neuregelung im Jahressteuergesetz 2019 folgende Wirkung:

  • Hat der Arbeitgeber für solche Weiterbildungsmaßnahmen im Jahr 2019 Lohnsteuer einbehalten, können Arbeitnehmer bei Abgabe einer Einkommensteuererklärung beantragen, dass diese Leistung des Chefs steuerfrei gestellt wird. Zu viel bezahlte Steuer wird vom Finanzamt erstattet.
  • Liegen Sie als Arbeitgeber wegen der Übernahme von Weiterbildungskosten 2019 mit einem Lohnsteuerprüfer des Finanzamts im Clinch, weisen Sie auf diese Neuregelung im Jahressteuergesetz 2019 hin und pochen Sie auf die Steuerfreiheit.

9. Zusammenfassende Meldung

Erbringt Ihr Handwerksbetrieb innergemeinschaftliche Lieferungen, müssen Sie für diese umsatzsteuerfreien Umsätze beim Finanzamt neben Ihrer Umsatzsteuererklärung auch eine so genannte "Zusammenfassende Erklärung" einreichen. Fehlt diese Zusammenfassende Meldung oder ist diese unvollständig, soll ab 2020 die Umsatzsteuerfreiheit für innergemeinschaftliche Lieferungen kippen.

10. Vergünstigung bei der Gewerbesteuer

Wer umweltbewusst fährt, soll ab 2020 bei der Gewerbesteuererklärung belohnt werden. Bei Elektrofahrzeugen und bei extern aufladbaren Hybrid-Elektro-Fahrzeugen, die eine Kohlendioxidemission von maximal 50 Gramm je gefahrenen Kilometer haben oder bei denen die Reichweite des Fahrzeugs unter ausschließlicher Nutzung der elektronischen Antriebsmaschine mindestens 60 Kilometer beträgt, muss nur die Hälfte der Leasingraten bei der Hinzurechnung berücksichtigt werden.

11. Kleinunternehmer aufgepasst

Waren Sie im Jahr 2019 als Kleinunternehmer im Sinn des § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG) erfasst und Ihr Umsatz 2019 lag über 17.500 Euro? Dann wäre es eigentlich damit vorbei, keine Umsatzsteuer ausweisen zu müssen. Doch lag Ihr Umsatz 2019 nicht über 22.000 Euro und der voraussichtliche Umsatz 2020 übersteigt nicht 50.000 Euro, bleibt alles beim Alten, sprich, Sie können auch 2020 noch von den Vorteilen der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmerregelung profitieren. Hintergrund: Im dritten Bürokratieabbaugesetz kletterte die Höchstgrenze von 17.500 Euro auf 22.000 Euro.

12. Ärgernis Belegausgabepflicht

Seit 1. Januar 2020 müssen alle Handwerksbetriebe, die elektronische Kassensysteme verwenden, für jeden Geschäftsvorfall einen Beleg ausdrucken und dem Kunden aushändigen. Nach einer Meldung des Bundestags sind tatsächlich Vereinfachungen für bestimmte Branchen geplant. Ob und wann diese kommen, steht jedoch in den Sternen. Bis dahin heißt es, in den sauren Apfel beißen und Belege ausdrucken.

13. Höherer Sonderausgabenabzug

Leistet ein Unternehmer Beitragszahlungen in einen Rürup-Rentenversicherungsvertrag, kann er 90 Prozent als Sonderausgaben geltend machen, maximal jedoch 22.541 Euro/45.082 Euro (Ledige/Zusammenveranlagte). Um keinen Sonderausgabenabzug zu verschenken, dürfen die Beitragszahlungen 2020 nicht mehr als 25.046 Euro bei Ledigen und 50.092 Euro für Verheiratete betragen.

14. Betriebliche Gesundheitsförderung

Viele Arbeitgeber veranstalten für Mitarbeiter Gesundheitstage oder zahlen für deren Teilnahme an Gesundheitskursen. Die Ausgaben dafür waren bislang nach § 3 Nr. 34 EStG in Höhe von bis zu 500 Euro je Arbeitnehmer und Jahr steuerfrei, wenn die Zahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt.

Neu: Ab 2020 bleiben Ausgaben für die Gesundheitsförderung von bis zu 600 Euro lohnsteuerfrei.

15. Mehrfacher Wechsel der Lohnsteuerklasse

Ehegatten durften ihre Lohnsteuerklasse grundsätzlich nur einmal im Jahr wechseln. Der neu gefasste § 39 Abs. 6 Satz 3 EStG erlaubt es nun, dass Ehegatten mehrmals im Jahr neue Steuerklassenkombinationen wählen dürfen. Denkbar sind folgende Kombinationen: Lohnsteuerklassen IV/IV oder III/V oder IV/IV mit Faktor.

16. Grundfreibetrag und Reichensteuer

Der Grundfreibetrag, bis zu dessen Höhe Einkommen unbesteuert bleibt, klettert im Jahr 2020 auf 9.408 Euro/18.816 Euro (Ledige/Zusammenveranlagte). Der Spitzensteuersatz beträgt wie bisher 42 Prozent. Für Spitzenverdiener greift auch 2020 die sogenannte Reichensteuer. Für Einkommen, die über 270.501 Euro/530.653 Euro liegen, werden zusätzlich drei Prozentpunkte mehr Steuern fällig.

17. Höhere Leistungen zur Unterstützung

Unterstützen Sie Ihr Kind, für das Sie kein Kindergeld mehr bekommen, finanziell, können Sie dafür außergewöhnliche Belastungen nach § 33a Abs. 1 EStG geltend machen – maximal 9.408 Euro pro Jahr. Übernehmen Sie für das Kind auch die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung, können diese zusätzlich abgezogen werden. Kleiner Wermutstropfen: Hat das Kind eigene Einkünfte oder Bezüge von mehr als 624 Euro, mindert sich der abziehbare Höchstbetrag um den übersteigenden Betrag. Das Finanzamt versagt den Abzug, wenn das Kind eigenes Vermögen von mehr als 15.500 Euro hat.

Tipp: Der Abzug von Unterstützungsleistungen bis zu 9.408 Euro steht Ihnen 2020 auch zu, wenn Sie einen Elternteil unterstützen.

18. Betriebliche Altersvorsorge

Arbeitnehmer, die Arbeitslohn in eine betriebliche Altersvorsorge in Form einer Direktversicherung, eines Pensionsfonds oder einer Pensionskasse umwandeln, können im Jahr 2020 höhere Beiträge steuerfrei einbezahlen. Die Steuerfreiheit greift für Beiträge bis maximal 6.624 Euro pro Jahr. Sozialversicherungsfrei bleiben nur Beitragszahlungen von bis zu 3.312 Euro.

19. Technische Sicherheitseinrichtung

Elektronische Registrier- oder PC-Kassen müssten eigentlich bereits seit 1. Januar 2020 mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) versehen sein, wenn sie sich umrüsten lassen. Da jedoch viele Kassenhersteller diese Sicherheitseinrichtung noch nicht liefern können, wurde eine Übergangsregelung bis zum 30. September 2020 geschaffen. Doch ab dem 1. Oktober 2020 ist diese TSE ein Muss für alle aufrüstbaren Kassen.

20. Klimapaket für dickere Auftragsbücher

Nach langem Hin und Her sind die Steuervergünstigungen für energetische Sanierungsmaßnahmen für eigengenutzte Immobilien zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Es winkt nach dem neuen § 35c EStG eine Steueran­rechnung von 20 Prozent der Sanierungsmaßnahmen, maximal 40.000 Euro. Diese Steueranrechnung wird auf drei Jahre gestreckt, beginnend ab dem Jahr, in dem die Sanierungsmaßnahme abgeschlossen wird. Im ersten und zweiten Jahr beträgt die Steueranrechnung jeweils sieben Prozent und maximal 14.000 Euro pro Jahr und im dritten Jahr sechs Prozent, maximal 12.000 Euro.

Tipp: Aufgepasst: Sobald ein Eigenheimbesitzer parallel staatliche Vergünstigungen wie zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse für energetische Sanierungsmaßnahmen in Anspruch nimmt, ist die Steueranrechnung verloren.

21. Unentgeltliche Mahlzeiten

Stellen Sie Ihren Mitarbeitern unentgeltlich Mahlzeiten zur Verfügung, muss unter bestimmten Umständen nur der amtliche Sachbezugswert als geldwerter Vorteil versteuert werden. 2020 betragen diese Sachbezugswerte für ein Frühstück 1,80 Euro und für ein Mittag- und Abendessen jeweils 3,40 Euro.

22. Pauschbeträge für Sachentnahmen

Inhaber von Handwerksbetrieben, in denen mit Lebensmitteln gehandelt wird, müssen für das Mitessen und Mittrinken Pauschbeträge für Sachentnahmen bei Ermittlung des Gewinns und der Umsatzsteuer beachten. Die neuen Pauschbeträge sind einem BMF-Schreiben zu entnehmen (BMF, Az. IV A 4 - S 1547/19/10001:001).

23. Höhere Umsatzgrenze für Ist-Versteuerung

Normalerweise wird die Umsatzsteuer bei bilanzierenden Gewerbetreibenden im Zeitpunkt der Ausführung der Leistung fällig (Soll-Versteuerung). Wann die Rechnung gestellt wird oder wann der Kunde seine Rechnung begleicht, spielt keine Rolle. Bisher galt bei einem Vorjahresumsatz von maximal 500.000 Euro, dass bilanzierende Handwerksbetriebe einen Antrag auf Ist-Versteuerung nach § 20 UStG stellen durften. Die Umsatzsteuer wird hier erst fällig, wenn der Kunde seine Rechnung bezahlt.

Tipp: Lag Ihr Umsatz im Jahr 2019 über 500.000 Euro, können Sie den Antrag auf Ist-Versteuerung für 2020 vielleicht dennoch wieder stellen. Und zwar dann, wenn der Umsatz 2019 nicht über 600.000 Euro lag. Diese neue Höchstgrenze gilt nämlich durch eine aktuelle Gesetzesänderung.

24. Mitteilungspflicht I

Ab 2020 müssen Unternehmer dem Finanzamt grenz­überschreitende Steuergestaltungen anzeigen. Kommen Sie dieser Anzeigepflicht nicht nach, drohen Bußgelder und schlimmstenfalls eine Betriebsprüfung.

25. Mitteilungspflicht II

Unternehmer, die elektronische Kassen nutzen, müssen dem Finanzamt bis zum 31. Januar 2020 melden, welches Kassensystem sie verwenden.

Fazit

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater, wenn für Sie einige dieser Änderungen relevant sind. Bei erstmaliger Umsetzung der lohnsteuerlichen Neuregelungen, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Erteilung einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG stellen. Dieser Check des Finanzamts ist kostenlos.

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