Die Corona-Krise hat im vergangenem Jahr Einfluss auf die Anzahl der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten genommen. So ist die Zahl der eingegangenen Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit um 32 Prozent gestiegen, wie eine vorläufige Auswertung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt. Weitere Zahlen im Überblick.
Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist 2020 um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der eingegangenen Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit um 32 Prozent gestiegen. Das spiegelt sich in vorläufigen Arbeitsunfallzahlen wider, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, veröffentlicht hat. "Die vorläufigen Zahlen sind ein Abbild der Corona-Krise," sagt Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der DGUV: "Die Beschäftigten waren weniger mobil, viele arbeiteten in Kurzarbeit oder im Homeoffice, deshalb sind die Arbeitsunfallzahlen gesunken. Andererseits haben wir im Zusammenhang mit Covid-19 überproportional viele Berufskrankheitenanzeigen."
Deutlicher Rückgang bei den Wegeunfällen
Laut der DGUV-Auswertung ist die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle 2020 um mehr als 110.000 Unfälle gesunken. Ein hoher Rückgang zeigt sich auch bei den Wegeunfällen: Auf dem Weg zur Arbeit oder wieder nach Hause ereigneten sich rund 18 Prozent weniger Unfälle als 2019. Zudem gab es weniger tödliche Unfälle.
| Bezeichnung | Anzahl 2019 | Anzahl 2020 |
|---|---|---|
| Meldepflichtige Arbeitunsfälle | 871.547 | 760.369 |
| Meldepflichtige Wegeunfälle | 186.672 | 152.773 |
| Tödliche Arbeitsunfälle | 497 | 397 |
| Tödliche Wegeunfälle | 309 | 234 |
Quelle: DGUV
Zu beachten sei laut DGUV, dass der Rückgang der tödlichen Arbeitsunfälle aufgrund von Strafprozessen, die erst 2019 in die Statistik aufgenommen werden konnten, besonders groß ausfällt.
Bei den 2020 neu gezahlten Renten zeigt sich indes ein anderes Bild: Mit 13.289 Fällen gab es nur 0,5 Prozent weniger neue Arbeitsunfallrenten als 2019. Dies lässt sich dem DGUV zufolge damit erklären, dass zwischen Unfallereignis und Feststellung einer Rente häufig ein längerer Zeitraum liegt.
Mehr Verdachtsanzeigen auf Berufskrankheiten
Bei den Berufskrankheiten gab es 2020 dagegen einen deutlichen Anstieg. Einfluss auf die Zahlen nahm hier ebenfalls Corona-Pandemie. 2020 sind mehr als 30.000 Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit durch Covid-19 eingereicht worden. Das ergab eine Sondererhebung der Unfallversicherungsträger. Die Zahl der im vergangenem Jahr insgesamt eingegangenen Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit liegt bei fast 105.800 Fällen (2019: 80.132 Fälle).
| Bezeichnung | Anzahl 2019 | Anzahl 2020 |
|---|---|---|
| Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit | 80.132 | 105.759 |
| Bestätigte Verdachtsfälle | 35.264 | 53.880 |
| Davon anerkannte Berufskrankheiten | 18.156 | 37.886 |
| Todesfälle in Folge einer Berufskrankheit | 2.555 | 2.475 |
Quelle: DGUV
Sobald eine Berufskrankheit bestätigt ist, können Versicherte Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung beziehen. Bis zum 1. Januar 2021 konnten manche Berufskrankheiten, zum Beispiel Hauterkrankungen, nur anerkannt werden, wenn die schädigende Tätigkeit bzw. der Beruf aufgegeben wurde. Dieser sogenannte Unterlassungszwang entfällt mit der Neuordnung des Berufskrankheitenrechts. Die Zahl der neuen Berufskrankheitsrenten ist 2020 auf fast neun Prozent gestiegen (5.074 Fälle).
Weniger Schulunfälle
Besonders deutlich war der Unfallrückgang im Jahr 2020 auch bei den Schulunfällen. Es wurden laut Statistik 690.198 Schulunfälle gemeldet. Das ist ein Rückgang um mehr als 41 Prozent. Die Zahl der meldepflichtigen Schulwegunfälle ging um 34 Prozent zurück. Aufgrund der teilweisen Schließung der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen liegt dieser Rückgang in einem erwartbaren Bereich, so der DGUV. ew
Weitere Zahlen finden Interessierte auch auf der Website der DGUV: Vorläufige Unfall- und Berufskrankheitenzahlen 2020.
