Vor 175 Jahren wurde die Fotografie erfunden. Seitdem lässt sich die Vielseitigkeit der Welt schnell abbilden. Gute Fotografen mussten aber schon immer mehr können, als auf den Auslöser zu drücken.
Christoph Ledder

Profifotograf KD Busch brennt für seinen Job und ist selten im heimischen Studio, sondern für seine Kunden weltweit unterwegs.
- © Foto: KD Busch Die Fotografie – eines der zentralsten Kommunikationsmittel – feiert Jubiläum. Vor genau 175 Jahren entwickelten die Herren Niépce, Daguerre und Fox Talbot die ersten fotografischen Verfahren. Seitdem ist es möglich, bedeutende Momente und bewegende Ereignisse festzuhalten. Früher bedurfte es dafür aufwendiger Planung und professioneller Fotografen. Heute kann jeder mit dem Smartphone oder iPad Bilder schießen, sie ins Netz stellen und so zu manch zweifelhafter Berühmtheit gelangen. Doch ist das klassische Fotografen-Handwerk durch die modernen Telekommunikationsmedien ausgestorben?
Fotografie heißt abstrakt zu denken
Am Beispiel von Klaus Busch aus Stuttgart lässt sich diese Frage eindeutig mit nein beantworten. Der professionelle Fotograf brennt für seinen Beruf und ist fast in der ganzen Welt unterwegs, um für seine Kunden hochqualitative Bilder abzuliefern. Mit ein wenig Nostalgie erinnert er sich an die 70er Jahre. 1974 nahm seine berufliche Laufbahn ihren Anfang.
Mit dem Geld seiner Konfirmation kaufte er sich seine erste Spiegelreflex-Kamera und schoss kurze Zeit später als freier Mitarbeiter Bilder für die Cannstatter Zeitung. Nochmal ein paar Jahre später schloss er seine Ausbildung zum Fotografen ab und nannte sich fortan "KD Busch" – sein Künstlername bis heute.
Mittlerweile sind es 40 Jahre, die er im Geschäft ist. In dieser Zeit hat Busch gelernt, worauf es bei dem Beruf am meisten ankommt. "Das Wichtigste ist, dass ein Fotograf den Blick für Bilder hat, dass er die Motive sieht und die Technik zunächst hintenanstellt." Für Busch, der seit über 25 Jahren auch als Ausbilder tätig ist, gehört abstraktes Denken, Kreativität und der Blick fürs Wesentliche zu den Grundvoraussetzungen eines Fotografen. Das vermittelt er auch seinen Azubis. "Vor allem wenn Kunden Sonderwünsche haben und inszenierte Bilder möchten, ist abstraktes Denken ein absolutes Muss", so Busch.
Fotografie ist mehr als nur auf den Auslöser drücken
Doch auch F lexibilität und die Leidenschaft für den Job müssen vorhanden sein, will man als Fotograf Erfolg haben. Busch, der auch schon mal weit nach Mitternacht seine Mitarbeiter in den Feierabend schicken muss, bringt es auf den Punkt. "Ein Fotograf muss für den Job brennen."
Dass Fotografieren heute weit mehr ist, als nur das bloße Drücken auf den Auslöser, weiß Busch nur zu gut. Für ihn liegt die Zukunft im CGI – im "Computer Generated Imagery". Der Begriff stammt aus dem Englischen und ist der Ausdruck für Bilder, die mittels 3D-Software ausschließlich am Computer produziert werden. CGI findet vor allem in der Autobranche Anwendung. "Anhand der Herstellerdaten lässt sich das Auto am Rechner erstellen und wird in den fotografierten Hintergrund gesetzt", weiß Beate Hentschke, Fotografenmeisterin und Ausbilderin für die überbetriebliche Ausbildung Baden-Württemberg bei der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Sowohl Busch als auch Hentschke ärgern sich, dass CGI im Lehrplan der Fotografen-Ausbildung quasi nicht vorhanden ist. Stattdessen müssen sich die Azubis mit Beginn ihrer Ausbildung auf eines von vier Schwerpunktthemen festlegen. Dazu gehören die Porträt-, Architektur-, Wissenschafts- und Produktfotografie. Hentschke und Busch halten diese Festlegung zu Beginn der Ausbildung für nicht sinnvoll.
Falsche Schwerpunktsetzung mit Folgen
"In welche Richtung die Auszubildenden einmal gehen werden, entscheidet sich mitunter erst Jahre später", sagt Busch. Wenn der falsche Schwerpunkt gesetzt ist, sei es für die Azubis oft schwierig, wieder umzusatteln. Bemerkbar macht sich das vor allem im Porträtbereich, da hier der Konkurrenzdruck seitens der zahlreichen Amateure sehr groß ist.
Aufgrund der geringen bis nicht vorhandenen Kosten, die diese haben, haben professionelle Porträtfotografen oft das Nachsehen.
"Amateurfotografen haben keine Ahnung von der Kalkulation und verkaufen die Aufnahmen meist unter Wert", so Hentschke. Die Dienste eines professionellen Fotografen geraten so preislich unter Druck. Auf das Problem weisen Busch und Hentschke ihre Azubis hin. Doch beide kennen es aus der Praxis, dass Kunden mit Qualitätsanspruch immer wieder zurückkommen und die klassischen Dienste des Fotografen zu schätzen wissen. "Viele meiner Kunden meiden die 'schwarzen Schafe' der Branche", so Busch.
"Computer Generated Imagery" ist Zukunft der Branche
Wo die Reise der Fotografie hinführen wird, vermögen sowohl Klaus Busch als auch Beate Hentschke nicht so recht zu beantworten. "In Teilbereichen geht es in Richtung CGI. Das sind Fotos, die nicht in zehn Minuten anzufertigen sind", so Busch. Kreativität und konzeptionelles Denken sind hier Voraussetzung. Doch weder das am Computer erstellte Bild noch das von der Kamera geschossene – die handwerkliche Ausbildung ist Voraussetzung. Und das wird auch in den kommenden 175 Jahren so bleiben.