Das fliegende Stativ Drohnen eröffnen Fotografen ganz neue Perspektiven

Drohnen haben einen schlechten Ruf. Man kennt die unbemannten Flugobjekte von Einsätzen in Kriegsgebieten, dabei haben sie zunehmend das zivile Leben im Visier. Michael Springer spricht denn auch lieber von Flugroboter oder Multicopter, wenn die Rede auf sein Arbeitsgerät kommt.

Ulrich Steudel

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    © Foto: Digital Sky Pictures
    Eine Spinne geht in die Luft: Acht Motoren treiben den Flugroboter (Oktocopter) an
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    © Foto: Digital Sky Pictures
    Michael Springer mit seinem Flugroboter, der gestochen scharfe Bilder aus der Vogelperspektive liefert.

Der Fotograf aus Freising hat sich auf Luftaufnahmen spezialisiert. Seine Kamera sitzt auf einem „fliegenden Stativ“, wie er es nennt. Auf den ersten Blick erinnert der Flugroboter von Michael Springer an eine Spinne. Acht Arme von einem halben Meter Länge spreizen sich von einer roten Halbkugel aus nach allen Seiten, an den Enden kleine Propeller, unter denen sich Elektromotoren verbergen.

Zwischen den gebogenen Füßen hängt eine Kamera. In diesem Fall eine Sony Nex-5, die Digitalfotos von 16 Millionen Pixeln und Videos in Full-HD-Qualität erlaubt. Über ein Schaltpult kann Springer sowohl den Flugroboter wie auch die Kamera steuern. Bei Videoaufnahmen ist dafür eine zweite Person nötig – eine steuert das Fluggerät, die andere die Kamera.

Flughöhe bis 150 Meter

Der Flugroboter kann bis zu einer Höhe von 150 Metern aufsteigen und liefert Bilder, die der Betrachter so bisher kaum gesehen hat. Denn „fliegende Stative“ sind erst seit wenigen Jahren im Einsatz. Sie ermöglichen eine ganz neue Vogelperspektive. Bisher wurden Luftbilder vor allem von Hubschraubern aus aufgenommen. Das ist nicht nur extrem teuer. Die Helikopter dürfen eine Flughöhe von 150 Metern nicht unterschreiten und sind schon deshalb für viele Einsätze ungeeignet.

Die Möglichkeiten, die die unbemannten Flugroboter bieten, sind vielfältig, fordern aber den Einfallsreichtum potenzieller Kunden heraus. „An Phantasie mangelt es leider noch“, sagt Michael Springer, der oft viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Imagefilme für Gemeinden, Tourismusverbände oder Unternehmen fallen dem Laien da als erstes ein.

Doch auch für Immobilienmakler, in der Thermografie, bei technischen Inspektionen – etwa an Brücken, Kränen, Strommasten, Windrädern, Solarparks oder Baudenkmalen – sind Bilder von Flugrobotern denkbar, genauso wie in der Landwirtschaft, um Wild vor dem Mähtod zu bewahren oder den zielgenauen Einsatz von Düngemitteln zu steuern. Selbst für die Photogrammetrie, ein Messverfahren zur Bestimmung der Lage und Form eines Objektes anhand von Fotos, eignen sich die Luftbilder der Multicopter.

Seite 2: Ohne Erlaubnis geht gar nichts

Kleinere Modelle können zudem in Innenräumen fliegen. So lassen sich zum Beispiel die Deckenfresken in großen Kirchen aus nächster Nähe fotografieren oder nach Katastrophen gefährdete Gebäude erkunden. Auch in Fukushima haben Flugroboter Bilder aus den verstrahlten Hallen geliefert.

Landesluftfahrtbehörde muss Erlaubnis erteilen

Ganz einfach zu erstellen sind die Luftbilder allerdings nicht. Vor allem braucht es für den kommerziellen Einsatz eine Genehmigung der Landesluftfahrtbehörde, die nicht ohne eine entsprechende Versicherung und nur für Flugobjekte mit einem Abfluggewicht bis maximal fünf Kilogramm erteilt wird.

Blick in die Werkstatt von Michael Springer. - © Foto: Digital Sky Pictures
Flugroboter

Wer wie Michael Springer seine Multicopter in der Nähe eines Flughafens aufsteigen lassen möchte, muss bestimmte Sperrgebiete beachten und in der so genannten Kontrollzone im Umkreis von rund zehn Kilometern für jeden Flug eine Luftverkehrsfreigabe beantragen. „Kurz vor dem Start melde ich mich beim Tower des Airports an und kann dann für kurze Zeit fliegen“, sagt Springer. Mehr als zehn Minuten lassen die Batterien ohnehin nicht zu, aber für die meisten Einsatzzwecke reiche das völlig aus.

Techniker vertraut auf Modell Marke Eigenbau

Professionelle Drohnen haben zudem ihren Preis. Die Spitzenmodelle von Marktführer Service-Drone kosten rund 30.000 Euro, ohne Kamera. Michael Springer fliegt hingegen mit einem Modell Marke Eigenbau. „Als Techniker würde ich mich schämen, wenn ich mir so ein Gerät kaufen müsste“, sagt der gelernte Flugzeugtechniker und Kfz-Meister, der auch als Inspektor beim Luftfahrtbundesamt beschäftigt war.

Inzwischen hat er seine beiden Hobbys zum Beruf gemacht und die Firma Digital Sky Pictures gegründet: Als Modellflieger mit dem Spezialgebiet Hubschrauber und passionierter Hobbyfotograf kam dem 55-Jährigen sein neuer Beruf als Luftbildfotograf quasi zugeflogen. Jetzt muss er nur noch die Phantasie seiner Kunden entfachen, damit er mit seinen Flugrobotern richtig durchstarten kann.

Seite 3: Beispiele von Videos, die mit Flugrobotern aufgenommen wurden.

Was mit Kameras bestückte Flugroboter für Aufnahmen liefern, davon kann man sich am besten am konkreten Beispiel ein Bild machen: