Einkommensteuer 2020 15 Tipps für die private Steuererklärung

Wegen Corona haben Steuerzahler mehr Zeit für die Abgabe der Steuererklärung 2020. Und durch die Pandemie winken noch weitere Möglichkeiten, Steuern zu sparen.

1. Neue Abgabefristen

Wegen Corona erwartet das Finanzamt die Abgabe der privaten Steuererklärung 2020, wenn kein Steuerberater eingeschaltet ist, erst Ende Oktober 2021. - © Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Gute Nachricht für alle, die das Thema "Steuererklärungen 2020" möglichst weit wegschieben möchten. Statt Ende Juli erwartet das Finanzamt die Abgabe der Erklärungen 2020 wegen Corona erst Ende Oktober. Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung der Erklärungen 2020 beauftragt, hat sogar Zeit bis Ende Mai 2022.

2. Zügige Abgabe sinnvoll

Wer für 2020 eine Steuererstattung erwartet und benötigt, sollte die Abgabefristen natürlich nicht ausreizen. Die zügige Abgabe der Erklärungen 2020 könnte zu einer schnelleren Bearbeitung im Finanzamt führen, da viele Steuerzahler die neuen Abgabefristen nutzen dürften und die Sachbearbeiter in den Finanzämtern aktuell mehr Zeit haben.

3. Zahlung wegen Berufsunfähigkeit

Haben Sie 2020 wegen Berufsunfähigkeit eine Vergleichszahlung von Ihrer Versicherung erhalten, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater klären, ob diese überhaupt zu versteuern ist. Denn das Finanzministerium Schleswig-Holstein hat in einer Kurzinfo darauf hingewiesen, dass Renten im Zusammenhang mit einer Berufsunfähigkeit zu versteuern sind, Vergleichszahlungen der Versicherung zur Verhinderung von Rentenzahlungen dagegen nicht (Kurzinfo 2019/23 v. 26.11.2019).

4. Pauschale für Homeoffice

Mussten Sie und Ihr Ehegatte 2020 viele Wochen und Monate zu Hause arbeiten, profitieren Sie beide von der Homeoffice-Pauschale von 5 Euro am Tag, maximal 600 Euro im Jahr. Als Selbständiger ziehen Sie diese Pauschale in der Anlage EÜR gewinnmindernd als Betriebsausgabe ab. Ist Ihr Ehepartner angestellt, kann er die Pauschale in Anlage N zur Steuererklärung als Werbungskosten abziehen.

5. Negativzinsen doch absetzbar?

Mussten Sie für Ersparnisse bei der Bank Negativzinsen bezahlen, ist das schon ärgerlich genug. Doch in der Steuererklärung sind diese negativen Zinsen auch noch tabu und dürfen nicht steuersparend mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Soweit zur Theorie. Denn in der Praxis gibt es sehr wohl die Möglichkeit, solche Negativzinsen zu verrechnen. Und zwar bei sogenannten Zinsstaffelpapieren. Gab es für einen bestimmten Betrag eines Anlageprodukts positive Zinsen und für einen übersteigenden Betrag mussten Sie Negativzinsen aufbringen, dann kommt eine Verrechnung in Frage, wenn es unter dem Strich zu einer positiven Gesamtverzinsung gekommen ist (BMF-Schreiben v. 19.02.2021). Die Verrechnung müssen Sie durch Abgabe einer Anlage KAP zur Steuererklärung 2020 beantragen.

6. Rentenbesteuerung – nein danke

Beziehen Sie oder Ihr Ehepartner Renteneinkünfte und es werden in einem Steuerbescheid für 2020 Steuern festgesetzt, kann es durchaus passieren, dass es bei der Rente zu einer Doppelbesteuerung kommen kann (= zu hohe Besteuerung der Rente). Zwar hat der Bundesfinanzhof zwei Klägern mit Urteilen vom 19. Mai 2021 Absagen erteilt, doch zu dieser Thematik stehen noch zahlreiche Musterprozesse aus. Aus diesem Grund sollte gegen den Steuerbescheid 2020 unbedingt Einspruch eingelegt werden, wenn auch Renteneinkünfte 2020 besteuert werden. Nur so wahren Sie sich Chance darauf, dass bei einer Doppelbesteuerung die Steuerbelastung 2020 noch reduziert werden kann.

7. Vermietungsverluste wegen Mietausfall

Vermieten Sie privat eine Immobilie und der Mieter konnte wegen Corona im Jahr 2020 nicht alle zwölf Monatsmieten überweisen, kann es passieren, dass der Sachbearbeiter im Finanzamt die Werbungskosten nicht zu 100 Prozent zum Abzug zulässt. Dagegen lohnt sich jedoch Gegenwehr. Denn die Werbungskosten müssen trotz des Mietausfalls und Vermietungsverlusten zu 100 Prozent anerkannt werden, wenn im Mietvertrag nachweislich eine Miete vereinbart wurde, die mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt.

8. Kinderkrankengeld steuerfrei

Die Anspruchsvoraussetzungen für das Kinderkrankendgeld wurden 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgeweitet. Haben Eltern 2020 Kinderkrankengeld bezogen, ist diese Zahlung steuerfrei. Sie unterliegt jedoch als Lohnersatzleistung dem so genannten Progressionsvorbehalt nach § 32b EStG. Das bedeutet im Klartext: Es kommt bei den Eltern zu einer leichten Erhöhung des Steuersatzes auf das übrige zu versteuernde Einkommen.

9. Evakuierung aus Urlaub

Gehörten Sie zu den Urlaubern, die wegen Corona im vergangenen Jahr aus ihrem Urlaubsland von der Bundesregierung evakuiert und dafür nachträglich zur Kasse gebeten wurden? Wenn Sie diese zusätzliche Zahlung nicht vom Reiseveranstalter erstattet bekommen haben, empfiehlt es sich, für die Zahlung den Abzug einer außergewöhnliche Belastung nach § 33 Abs. 1 EStG zu beantragen. Noch ist zwar nicht klar, ob die Finanzämter einen Abzug zulassen. Doch ein Versuch ist es allemal wert, zumal die Voraussetzungen für das Vorliegen einer außergewöhnlichen Belastung erfüllt sein dürfen. Die Zahlung erfolgt aus einer Zwangslage heraus und ist der Mehrheit der Steuerzahler nicht entstanden.

10. Kurzarbeitergeld erhalten

Hat ein Arbeitnehmer 2020 Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro bezogen, ist er zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Denn für diese erhaltene Lohnersatzleistung ist keine Lohnsteuer ans Finanzamt abgeführt worden. Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet einen höheren Steuersatz auf das übrige zu versteuernde Einkommen. Doch die weit verbreitete Annahme, dass es bei Zahlung von Kurzarbeitergeld generell zu Steuernachzahlungen für 2020 kommt, ist nicht richtig. Zu einer Steuererstattung kann es kommen, wenn der Arbeitgeber in den Zeiten, in denen keine Kurzarbeit bestanden hat, den Lohnsteuerabzug so berechnet hat, als würde der Mitarbeiter ganze zwölf Monate arbeiten.

11. Familienstand korrekt angeben

Ist Ihr Ehepartner 2019 verstorben und Sie haben 2020 nicht wieder geheiratet, können Sie das sogenannte Witwen-Splitting anwenden. Das bedeutet, dass Sie das Finanzamt 2020 ausnahmsweise so besteuert, als wären Sie noch verheiratet gewesen (sogenannte Besteuerung nach dem Splittlingtarif; entspricht Zusammenveranlagung). Doch dazu müssen Sie in der Steuererklärung korrekte Angaben machen.

12. Kinderbetreuungskosten wegen Corona

Haben Sie Ihre Kinder während des Corona-Lockdowns durch eine Betreuungskraft betreuen lassen, können Sie dafür in Ihrer Steuererklärung 2020 einen Sonderausgabenabzug für Kinderbetreuungskosten geltend machen. Der Abzug ist auf zwei Drittel der Betreuungskosten und auf 4.000 Euro pro Jahr und Kind begrenzt. Wichtige Voraussetzungen: Das Finanzamt spielt hier nur mit, wenn die Zahlungen unbar geleistet wurden, also durch Überweisung oder Abbuchung. Außerdem gibt es diesen Sonderausgabenabzug nur für Kinder, die noch nicht 14 Jahre alt waren. Hat sich zum Beispiel ein Au-pair um das Kind gekümmert, sind die für die Kinderbetreuung anfallenden Kosten absetzbar.

13. Zahlungen nach Infektionsschutzgesetz

Zahlungen des Arbeitgebers bei einer Quarantäne im Jahr 2020 sind steuerfrei. Haben Sie 2020 Geld von Ihrem Arbeitgeber bekommen, obwohl Sie wegen eines Corona-Verdachtsfalls zu Hause in Quarantäne waren? Dann haken Sie unbedingt bei Ihrem Chef nach, ob er für diese Gehaltszahlung eine Erstattung nach dem Infektionsschutzgesetz bekommen hat und ob er diese Gehaltszahlung normal lohnversteuert hat. Falls er beide Antworten mit ja beantwortet, können Sie sich über eine Steuerentlastung freuen. Denn Zahlungen nach dem Infektionsschutzgesetz sind steuerfrei. Bitten Sie das Finanzamt also bei Abgabe Ihrer Steuererklärung für 2020 das zu versteuernden Bruttoarbeitslohns zu reduzieren. Kleiner Wermutstropfen: Die Zahlung unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass sich der Steuersatz auf das übrige Einkommen erhöht.

14. Kirchensteuer nicht vergessen

Haben Sie 2020 Kirchensteuer im Rahmen von Vorauszahlungen oder Nachzahlungen leisten müssen, können Sie diese Zahlungen in Ihrer Steuererklärung 2020 als steuersparende Sonderausgaben geltend machen. Das wird in der Praxis häufig vergessen. Leider keinen Sonderausgabenabzug gibt es für die Kirchensteuer, die im Rahmen der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge einbehalten wurde.

15. Steuerersparnis bei Aktienverlusten

Haben Sie im Jahr 2020 Aktiengewinne und Aktienverluste bei verschiedenen Banken erzielt oder hatten Sie 2020 Aktiengewinne und Ihr Ehepartner Aktienverluste (oder umgekehrt) kann durch Abgabe einer Anlage KAP zur Steuererklärung 2020 die steuersparende Verrechnung beantragt werden. Voraussetzung für diese Verrechnung ist jedoch, dass Sie oder Ihr Ehegatte sich bei der Bank mit den Verlusten im Jahr 2020 eine Verlustbescheinigung ausstellen haben lassen.