Steuertipps 14 neue Steuerurteile und Anweisungen

Steuerliche Rahmenbedingungen ändern sich ständig. Ein aktueller Überblick von Renten­lücke über Firmenwagen bis zu Alkohol bei Besprechungen.

Werden Gäste im eigenen Betrieb bewirtet und Alkohol angeboten, handelt es sich um einen Bewirtungsaufwand, der nur zu 70 Prozent den Gewinn mindern darf. - © Евгений Вершинин - stock.adobe.com

1. Corona-Hilfen: Keine ermäßigte Besteuerung

Corona-Hilfen, die Unternehmen vom Staat überwiesen bekommen haben, sind als Betriebseinnahmen zu erfassen und zu versteuern. Nun kam die Idee auf, dass es sich bei diesen Corona-Hilfen um Entschädigungen handelt und dass diese deshalb nach § 24 und § 34 Einkommensteuergesetz (EStG) begünstigt besteuert werden sollten. Dieser Idee erteilte die Finanzverwaltung nun endgültig eine Absage. Bei den Hilfen handelt es sich um Aufwandszuschüsse und nicht um Entschädigungen.

2. Elektronische Aufzeichnungssysteme

Eigentlich müssten Unternehmer ihre elektronischen Aufzeichnungssysteme nach § 146a Abs. 4 Abgabenordnung ans Finanzamt melden. Gute Nachricht für all diejenigen, die jetzt steuerlich ein schlechtes Gewissen haben. In den Finanzämtern steht aktuell weder das Übermittlungssystem noch der amtlich vorgeschriebene Vordruck zur Verfügung.

Folge: Unternehmer können dem Finanzamt ihr Kassensystem formlos melden, sie müssen aber noch nicht.

3. Fahrtenbuch: Kleine Fehler verzeihbar

Trotz kleinerer formeller Mängel sollen die Sachbearbeiter und Prüfer des Finanzamts die geführten Fahrtenbücher für die Fahrzeuge des betrieblichen Fuhrparks steuerlich nicht als unwirksam einstufen (Finanzgericht Niedersachsen, Az. 9 K 275/19). Insbesondere, wenn der Finanzbeamte Abweichungen zwischen den Aufzeichnungen und den Angaben eines Online-Routenplaners feststellt und die Abweichungen nicht gravierend sind, widerspricht das nicht der steuerlichen Wirksamkeit des Fahrtenbuchs.

4. Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse

Haben Sie nach § 3 Nr. 33 EStG im Jahr 2020 steuerfrei die Kindergartenkosten für ein Kind eines Mitarbeiters übernommen, dürfte dieses Gehaltsextra das Interesse von Lohnsteuerprüfern wecken. Denn hat der Arbeitnehmer wegen der Schließung des Kindergartens aufgrund der Pandemie Gebühren für 2020 zurückerstattet bekommen, wäre die Steuerfreiheit rückwirkend weggefallen. Hier wurde bundeseinheitlich beschlossen, dass es nicht beanstandet wird, wenn die Erstattungen mit den Kindergartenzuschüssen 2021 verrechnet werden. Der Arbeitnehmer bekommt also 2021 entsprechend geringere Zuschüsse.

5. Sonderabschreibung für neue Mietwohnungen

Neben der normalen Abschreibung von Gebäuden gewährt das Finanzamt unter bestimmten Voraussetzungen eine Sonderabschreibung nach § 7b EStG. Die Sonderabschreibung beträgt im Jahr des Kaufs und in den folgenden drei Jahren jeweils 5 Prozent der Gebäudeanschaffungskosten. Gefördert wird der Bau von neuen Wohnungen. Um profitieren zu können, müssen sich Steuerzahler sputen. Denn mit der Sonderabschreibung klappt es nur, wenn der Bauantrag bis zum 31. Dezember 2021 gestellt wird beziehungsweise eine Bauanzeige erfolgt.

6. So füllen Sie die Rentenlücke auf

Möchte ein Arbeitnehmer vor dem gesetzlichen Rentenalter ohne Abschläge in Rente gehen, müssen freiwillige Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung geleistet werden. Die Höhe der Zahlungen zum Ausgleich der Rentenlücke teilt die Deutsche Rentenversicherung mit. Steuerlich dürfen diese freiwilligen Beitragszahlungen bis zu bestimmten Höchstbeträgen als Sonderausgaben abgezogen werden. Zusammen mit Ihren weiteren Rentenversicherungsbeiträgen dürfen 2021 insgesamt nicht mehr als 25.787 Euro/51.574 Euro (Ledige/Zusammenveranlagung) einbezahlt werden. Davon sind maximal 92 Prozent absetzbar, also 23.724 Euro/47.448 Euro.

7. Alkohol bei internen Besprechungen

Bewirten Sie Kunden und Geschäftspartner in einem Restaurant, dürfen Sie diese Aufwendungen zu 70 Prozent als Betriebsausgabe abziehen. Bei Besprechungen im Betrieb ist die Darreichung von Brötchen oder Keksen als Aufmerksamkeit zu qualifizieren. Hier winkt der 100-prozentige Betriebsausgabenabzug. Wird bei einer Inhouse-Besprechung jedoch Alkohol angeboten und getrunken, handelt es sich nicht mehr um Aufmerksamkeiten, sondern um einen Bewirtungsaufwand, der nur zu 70 Prozent den Gewinn mindern darf (Finanzgericht München, Az. 6 K 2915/17).

8. Arbeitszimmer auch für Handwerker

Muss ein angestellter Handwerker zu Hause Rechnungen oder Angebote schreiben und hat im Betrieb dafür kein Büro, kann er dem Finanzamt für die Kosten seines häuslichen Arbeitszimmers steuersparende Werbungskosten von bis zu 1.250 Euro pro Jahr präsentieren. Wichtig: Das Arbeitszimmer muss von den übrigen Räumen der Wohnung abgetrennt sein und private Möbel sind in diesem Raum tabu (Finanzgericht Sachsen, Az. 3 K 1276/18).

9. Lohnsteuerklasse online wechseln

Das Finanzministerium Thüringen hat auf eine bundesweite Erneuerung hingewiesen. Möchte ein Arbeitnehmer seine Lohnsteuerklasse wechseln, muss er das nicht mehr zwingend in Papierform erledigen und ans Finanzamt schicken. Die Änderung der Lohnsteuerklasse ist erstmals auch in elektronischer Form möglich. Die Übermittlung funktioniert über das Online-Portal "Mein Elster". Nach dem Login sind die Formulare über den Menüpunkt "Formulare & Leistungen" – "Alle Formulare" – "Lohnsteuer-Arbeitnehmer" zu finden.

10. Gewerbesteuer und Kurzarbeitergeld

Hat Ihr Handwerksbetrieb in verschiedenen Gemeinden Betriebsstätten, wird der vom Finanzamt ermittelte Gewerbesteuermessbetrag auf die Gemeinden verteilt. Die Gewerbesteuerzerlegung richtet sich nach den Arbeitslöhnen des Personals, die den jeweiligen Betriebsstätten zuzuordnen sind. In der Praxis stellte sich die Frage, ob das von der Bundesagentur bezahlte Kurzarbeitergeld und die Aufstockungsbeträge des Arbeitgebers bei der Ermittlung der Arbeitslöhne je Betriebsstätte zu berücksichtigen sind. Nach einer Abstimmung auf Bund-Länder-Ebene fallen beide nicht unter den für die Gewerbesteuerzerlegung maßgeblichen Arbeitslohn.

11. Ungeklärte Mittelherkunft

Inspiziert das Finanzamt betriebliche Bankbelege und stößt auf Bareinzahlungen, weckt das nachträglich Interesse. Hier hat das Finanzamt das Recht zu erfahren, woher das Geld stammt. Kann diese Auskunft nicht erteilt werden, kann das Finanzamt wegen dieser ungeklärten Mittelherkunft den Gewinn und Umsatz um diesen Betrag erhöhen (Finanzgericht Münster, Az. 13 K 3250/19 E).

12. Firmenwagen: Zweigleisig fahren

Ärgern Sie sich über den viel zu hohen Privatanteil für die Privatnutzung des Firmenwagens nach der 1-Prozent-Regelung, sollten Sie ab 1. Januar 2022 unbedingt zweigleisig fahren. Das bedeutet: Führen Sie ab dem 1. Januar 2022 für jedes Fahrzeug ein Fahrtenbuch und Ende 2022 können Sie sich dann für die steuerlich günstigste Variante entscheiden.

13. Grad der Behinderung beantragen

Beantragen Sie bei gesundheitlichen Problemen bis 31. Dezember 2021 beim Versorgungsamt die Feststellung eines Grads der Behinderung. Je nach Grad der Behinderung steht Ihnen für das Steuerjahr 2021 ein steuerentlastender Behinderten-Pauschbetrag zwischen 384 Euro und 7.200 Euro zu, selbst wenn das Versorgungsamt erst im kommenden Jahr entscheidet.

14. Fragen und Antworten zur Belegausgabepflicht

Nutzen Sie eine elektronische Registrierkasse, müssen Sie seit 1. Januar 2020 die Belegausgabepflicht umsetzen. Bei Beanstandungen im Rahmen einer Kassen-Nachschau oder einer Betriebsprüfung drohen Zuschätzungen zum Gewinn und Umsatz und somit Steuernachzahlungen. Damit Sie keine Fehler bei der Belegausgabe machen, sollten Sie sich den Fragen-Antworten-Katalog anschauen, den das Bundesfinanzministerium unter bundesfinanzministerium.de anbietet.