Die Ergebnisse der Volkszählung Zensus: Die Inventur des Staates

Nun sind sie da. Die Daten der vor knapp zwei Jahren durchgeführten Volkszählung, des Zensus 2011. Hunderttausende Wohnungen ohne oder nur mit unvollständigen sanitären Einrichtungen – die Inventur Deutschlands bringt Erstaunliches zu Tage. Relevant auch für das Handwerk.

Über 200.000 Wohnungen ohne WC und Heizung gibt es in Deutschland. Das belegen die Zahlen des Zensus 2011. - © Foto: Zeit4Men/fotolia

Rund 80,2 Millionen Menschen leben laut Zensus 2011 in der Bundesrepublik. Für sie stehen laut Zensus-Daten mehr als 19 Millionen Gebäude mit über 41 Millionen Wohnungen zur Verfügung. Der Wohnungsbestand liegt damit über den Erwartungen. Insgesamt waren es 500.000 Wohnungen mehr als angenommen. Allerdings ist nicht jede Wohnung mit dem gleichen sanitären Standard ausgestattet.

Während rund 40 Millionen Wohnungen in Wohngebäuden komplett ausgestattete Badezimmer haben, fehlen laut Zensus 2011 in mehr als 600.000 Wohnungen entweder Toilette, Dusche oder eine Badewanne. In über 225.000 Haushalten befindet sich nur ein WC. Das sind rund 0,8 Prozent der Haushalte.

Unterschiede bei den Heizungen

Starke Differenzen ergeben sich auch bei den Heizungen. Verfügen mehr als 15 Millionen Wohnungen über eine Zentralheizung, sind es rund 1,5 Millionen Wohnungen, die durch Nachtspeicherheizungen oder sogar durch Öfen beheizt werden.

Die veröffentlichten Daten zeigen, dass Öfen immer noch weit verbreitet sind. Der Zensus 2011 ergibt allerdings auch, dass in Deutschland knapp 200.000 Wohnungen gar keine Heizung besitzen. In den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen ist der Anteil mit knapp ein Prozent besonders groß. In den Hansestädten Bremen und Hamburg ist dagegen fast jede Wohnung mit einer Heizung ausgestattet.

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zeigen zudem eine deutliche Zunahme der Wohnungen mit Zentralheizung. Insgesamt sind es über drei Millionen. Weniger hoch liegt dagegen der Anteil der Wohnungen, die mit Fern- oder Etagenheizung (rund 300.000 und 225.000) ausgestattet sind.

Zwischen Bauboom und Flaute

Aus dem Zensus 2011 geht auch hervor, dass der Bauboom der Nachkriegszeit im Laufe der Jahre immer weiter abnahm. Tatsächlich werden immer weniger Wohnungen neu gebaut. Der größte Teil des Wohnungsbestands ist in den Jahren zwischen 1949 und 1978 errichtet worden. Das sind gut 43 Prozent.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde etwa ein Viertel davon vor 1949 errichtet. Während in Sachsen und Berlin die meisten Altbauten stehen, werden in Bayern  die meisten Neubauten errichtet. In Wohngebäuden liegt die Leerstandsquote in Deutschland insgesamt bei 4,4 Prozent. Im Osten ist sie allerdings höher als im Westen.

Erstmals nach 24 Jahren ist in der vereinigten Bundesrepublik eine Volkszählung durchgeführt worden. Das letzte Mal war 1987 in der BRD und 1981 in der ehemaligen DDR. Durch den Zensus 2011erhält der Staat genaue Einwohnerzahlen und Daten zur Struktur der Bevölkerung zum Beispiel nach Alter, Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Bildungsstand und Erwerbsbeteiligung. cle