Die Berlinale beginnt Wie das Handwerk den Glamour auf den roten Teppich bringt

Alljährlich verwandelt die Berlinale die Hauptstadt in ein Paradies für Kinofreunde. In diesem Jahr locken ab dem 7. Februar an zehn Festspieltagen 400 Filme rund 300.000 Zuschauer in die Lichtspielhäuser. Doch ohne das Handwerk würde es kein Film auf die Leinwand schaffen. Schneidermeisterin Gudrun Kaindl schneiderte beispielsweise Kostüme für den Blockbuster "Cloud Atlas".

Schneidermeisterin Gudrun Kaindl knüpfte ihre Verbindungen zur Filmbranche nach der Gesellenausbildung. - © ZDH

Die Deutschen lieben das Kino und haben längst nicht nur ausländische Streifen auf dem Spielplan: Etwa 120 Spielfilme entstehen in Deutschland pro Jahr. Eine Leistung, die das Publikum nicht nur Produzenten und Schauspielern verdankt, sondern auch dem Handwerk.

Die Schneidermeisterin Gudrun Kaindl knüpfte ihre Verbindungen zur Filmbranche direkt nach der Gesellenausbildung: "Ich konnte 2007 bei der Kostümherstellung für das Stauffenberg-Drama ‚Operation Walküre‘ mitwirken. Bei den Dreharbeiten in Berlin und Potsdam habe ich damals meine ersten Filmerfahrungen gesammelt."

Mittlerweile ist Kaindl im Filmgeschäft angekommen und konnte mit den Kostümen für den Hollywoodblockbuster "Cloud Atlas" ihren jüngsten Karriere-Coup landen. "Filmkostüme dürfen nicht nur schön sein, sie sollen den Figuren auf der Leinwand Leben einhauchen", sagt Kaindl Genau diese Herausforderung liebt die Handwerksmeisterin an ihren Filmaufträgen.

Bunte Hüte für schwarzweißes Meisterwerk

Mit preisgekrönten Meisterwerken kennt sich auch Susanne Gäbel aus – immerhin stellte die Hutmacherin ihr Können schon dem vielfach ausgezeichneten Regisseur Michael Haneke zur Verfügung.

Modistin Susanne Gäbel fertigte die Hüte für den Historienfilm "Das weiße Band". - © ZDH
Susanne Gäbel

Für seinen Oscar-nominierten Historienfilm "Das weiße Band" fertigte die Modistin den Hutschmuck der Darsteller und Komparsen. Dabei zählte jedes Detail: "Obwohl ’Das weiße Band’ ein Schwarzweißfilm ist, achteten die Kostümbildnerin und ich auf die historisch korrekte Farbgebung der Hüte und Mützen", erklärt die Wahlberlinerin.

Ob Filz, Leder, Pelz, Samt, Stroh oder Tüll – die eigene Kreativität lebt Gäbel seit 1998 in ihrem Charlottenburger Laden-Atelier aus. Dort fertigt sie neben Hüten auch ausgefallenen Kopfschmuck nach den Wünschen ihrer Stammkundschaft: "Meine Ideen entstehen beim Arbeiten mit dem Material. Die Lust am Handwerk treibt mich täglich an."

Bärenstarkes Reinheitsgebot

Doch nicht nur an dem was auf der Leinwand zu sehen ist hat das Handwerk einen gehörigen Anteil, sondern auch am Drumherum. Unterschiedliche Gewerke sorgen vom Bau der Kinos bis zur täglichen Reinigung für das richtige Wohlfühlambiente. Selbstverständlich auch zur Berlinale.

So bringen 25 Handwerksprofis der Niederberger-Gruppe Berlin im Licht der Weltöffentlichkeit ordentlich zum Strahlen. Vom Restaurant bis zum roten Teppich sorgt das Team von Gebäudereiniger-Meister Peter Hollmann für rundum gepflegte Messeräume im Martin-Gropius-Bau, wo sich die internationale Kinobranche zum European Film Market trifft.

Fast 8.000 Fachbesucher werden erwartet, knapp 1600 Füße, die sich einen Weg durch den Renaissancebau bahnen und deren Spuren es täglich wieder zu beseitigen gilt. "Unsere Mitarbeiter müssen durch ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis überzeugen. Als Gebäudereiniger arbeiten wir in einer Branche, bei der ein Mangel an Leistung sofort ins Auge sticht", erklärt der 49-Jährige.

 Mit wachem Blick und flinken Händen sorgt Hollmanns Team so täglich und rund um die Uhr dafür, dass auf der Berlinale 2013 nicht nur die Stars glänzen. dhz