Basel III Weniger Kredite und höhere Zinsen drohen

Das Handwerk setzt sich für mildere Regeln auf dem Finanzmarkt ein, damit sich zukünftig die Bedingungen bei der Kreditvergabe und den Zinsen nicht verschlechtern. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Kreditvergabe durch ­Basel III.

Noch ist die Versorgung mit Finanzmitteln gut, durch Basel III könnte sich das jedoch ändern und die Betriebe könnten sich nicht mehr auf gute Kredite und Zinsen verlassen. - © Foto: Bernd Leitner/Fotolia

Kentzler kritisierte in einem Interview mit der Zeitschrift "Profil" die Pflicht zur höheren Eigenkapitalunterlegung der Banken sowie die geplante neue Liquiditätskennziffer. Beides könne zu schlechteren Rahmenbedigungen für die Kreditvergabe führen, also ­höhere Zinsen und weniger Kredite ­insgesamt.

Noch ist die Situation gut

Die Handwerksorganisation setzt deshalb auf einen Skalierungsfaktor für die erhöhte Eigenkaptialunterlegung. Die Liquiditätskennziffer soll außerdem nur eine Beobachtungskennziffer sein. Noch sei die Versorgung des Handwerks mit Finanzmitteln gut. "Alle aktuellen Informationen und Indizien zeigen, dass die Finanzierungssituation im Handwerk weiterhin stabil ist", sagte Kentzler. Das Handwerk werde darauf achten, dass es so bleibt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) teilt die Ansicht, dass es aufgrund von Basel III langfristig zu teureren Bankkrediten kommen wird. Laut Alexander Schütz, DIHK-Experte für Unternehmensfinanzierung, seien erste Auswirkungen bereits heute spürbar: "Banken fordern derzeit von den Betrieben mehr Sicherheiten und höhere Eigenbeteiligung."

Er rät Mittelständlern aus diesem Grund, zu prüfen, inwiefern weitere Finanzierungsinstrumente als Ergänzung zum Bankenkredit sinnvoll seien. Ein gesunder Mix verbessere auch die Krisenresistenz. Der Vorteil von Eigenkapitalerhöhungen liege laut Schütz zum einen in der Verbesserung der Ausgangs­position für die Verhandlungen mit der Bank, zum anderen eröffnen sie die Möglichkeit, Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.

Factoring immer beliebter

Im Handwerk erfreut sich nach Auskunft von Kentzler das Factoring, also der Verkauf von Forderungen, immer größerer Beliebtheit. Beteiligungsmodelle, wie etwa mezzanines Kapital, seien dagegen von untergeordneter Bedeutung. dhz