Das Handwerk setzt sich dafür ein, mehr Minijobber in eine reguläre Beschäftigung zu bringen. Beim Pilotprojekt "Mehrwert schaffen" bekommen auch Ungelernte eine Chance, ihr Können zu beweisen. Das Angebot soll es bald bundesweit geben. Die ersten Erfahrungen zeigen, wie die Finanzierung und Einarbeitung der neuen Mitarbeiter ablaufen. Ein Handwerksmeister berichtet.
Jana Tashina Wörrle

Die Zahl der Minijobs in Deutschland ist seit Jahren stabil. Ursprünglich sollte diese Form der geringfügigen Beschäftigung Arbeitnehmern als Übergangsmodell von der Arbeitslosigkeit in ein reguläres Arbeitsverhältnis dienen. Doch für viele ist der Minijob zum Alltag geworden. Mit dem Projekt "Mehrwert schaffen – Minijobs umwandeln" sollen nun sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitslose und Arbeitnehmer in einer geringfügigen Beschäftigung neue Wege kennenlernen, sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen aufzubauen. Betriebe können so qualifizierte Fachkräfte finden.
Bislang lief das Pilotprojekt nur in Nordrhein-Westfalen. Die Jobcenter in Dortmund, Unna, Bielefeld und Duisburg haben einige Mitarbeiter speziell geschult, die nun Unternehmen und Minijobber bei der Umwandlung des Beschäftigungsverhältnisses beraten. Rund 150 Minijobber monatlich finden seit dem Start des Projekts eine reguläre Arbeitsstelle. "Die Zahlen sprechen für sich", freut sich deshalb auch Anja Huth die das Projekt von Seiten der Bundesagentur für Arbeit mitbetreut hat.
Die positiven Beispiele punkten
Da das Pilotprojekt einen so großen Erfolg hat, wird nun bundesweit dafür geworben. "Ob es in den einzelnen Städten von den jeweiligen Jobcentern umgesetzt wird, können wir aber nicht beeinflussen", sagt die Pressereferentin, denn jedes Jobcenter entscheide allein, wofür die vorhandenen Gelder ausgegeben werden. "Ich denke aber, dass wir mit unseren vielen positiven Beispielen punkten können", sagt Huth.
Und diese Beispiele gibt es auch im Handwerk. So hat Thomas Janßen, der einen Sanitärbetrieb in Dortmund leitet, über das Projekt gleich zwei neue Mitarbeiter gefunden. Einer von beiden war schon länger bei ihm auf 400-Euro-Basis angestellt, der andere wollte über den Minijob aus der Arbeitslosigkeit herauskommen und Stück für Stück wieder im Arbeitsleben Fuß fassen. Heute haben beide eine Vollzeitstelle bei Thomas Janßen Komplettbauservice.
"Das ging eigentlich ganz einfach", erzählt der Handwerksmeister. Eine Beraterin vom Jobcenter hat ihm das Konzept erklärt, es dann gemeinsam mit ihm durchgerechnet und den Antrag ausgefüllt. Da seine beiden neuen Mitarbeiter keine gelernten Handwerker sind, hat er vom Jobcenter dann für sechs Monate einen Eingliederungszuschuss bekommen. 60 Prozent der Lohnkosten hat das Amt in dieser Zeit übernommen und er konnte schauen, ob die beiden auch wirklich ins Unternehmen passen. "Natürlich deckt das nicht alle Kosten, denn die Einarbeitung war schon aufwendig", gibt er zu bedenken. Im Nachhinein habe es sich aber auf jeden Fall gelohnt und ein paar soziale Verpflichtungen würden eben auch dazu gehören, wenn man ein guter Arbeitgeber sein wolle.
Eine Kosten-Nutzen-Rechnung
Wie viel Fördergelder vom Jobcenter jeder einzelne Betrieb bekommt, hängt immer vom Aufwand ab, den die Qualifizierung der neuen Mitarbeiter in Anspruch nimmt. "Eine gewisse Einarbeitungszeit setzt man ja immer voraus, auch wenn jemand aus derselben Branche kommt", sagt Anja Huth. Alles was darüber hinausgeht, prüft der Vermittler vom Amt und bespricht es dann mit dem teilnehmenden Unternehmen.
"Es ist schon auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung", sagt Thomas Janßen. Man müsse abwägen, welcher Aufwand nötig ist. Aber da die Minijobber ja vorher schon im Betrieb waren, kennen sie sich meistens mit den anfallenden Arbeiten aus und können gleich voll eingesetzt werden. Für einen seiner neuen Mitarbeiter, der schon etwas älter und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe sei, hat der Handwerksmeister dann auch besondere Regelungen gelten lassen. "Er braucht immer mal eine Pause oder erledigt dann Arbeiten im Sitzen", sagt Janßen. Aber trotzdem habe er so eine neue gute Fachkraft gewonnen.
Thomas Janßen ist froh, dass er bei dem Pilotprojekt teilgenommen hat. Er schätzt die Idee, dass so auch Arbeitnehmer eine Chance auf eine reguläre Beschäftigung bekommen, die aufgrund einer "nicht so glatten Berufsvita", wie er es freundlich nennt, ansonsten immer bei Hartz-V oder einem Minijob hängen bleiben würden. Doch man müsse erst einmal abwarten, ob das ganze dauerhaft funktioniert und ob die Ämter dauerhaft dafür Geld ausgeben. "Ich habe mit meinen Leuten echt Glück gehabt, aber die Teilnahme wird einem ja auch durch die Zuschüsse versüßt."
Bei der Vorstellung der Ergebnisse des Pilotprojekts war auch Handwerkspräsident Kentzler dabei. Auch er zeigte sich begeistert von den ersten Ergebnissen. Minijobber müssten für ihre Arbeitgeber erste Ansprechpartner bei der Besetzung von regulären Arbeitsplätzen sein, sagte Kentzler. "Sie haben sich im Betrieb bewähren können, sind bei den Kollegen ebenso bekannt, wie bei den Kunden." Doch er wies auch darauf hin, dass die Arbeitgeber im Handwerk und die Minijobber gute Unterstützung und Beratung bräuchten, wenn sie eine Umwandlung des Arbeitsverhältnisses anstreben. "Hürden für den Aufstieg in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gilt es, aus dem Weg zu räumen", forderte er.
Eine Win-Win-Situation
Große Hürden sehen momentan jedoch weder die Bundesagentur für Arbeit noch die Projektteilnehmer wie Thomas Janßen. "Viel Schreibkram musste ich nicht erledigen", sagt der Handwerksmeister. Und Anja Huth erklärt, dass das Projekt jetzt erst einmal bekannt werden müsse, damit möglichst viele Jobcenter mitmachen. Interessierte Betriebe sollten ruhig direkt bei den Behörden nachfragen.
Auch die Finanzierung sieht sie unkritisch. "Es handelt sich bei dem Eingliederungszuschuss um ein klassisches Instrument der Jobcenter, das auch eine Nachbeschäftigungsfrist bedingt", sagt sie. Arbeitgeber, die die neuen Mitarbeiter nicht genauso lange beschäftigen wie sie Fördergelder kassiert haben, müssten Teile des Zuschusses zurückzahlen. Damit wäre eine Finanzierung auch kein Hindernis, warum das Projekt scheitern sollte. Die Initiatoren des Pilotprojekts sprechen selbst aucn von einer Win-Win-Situation. Schließlich würden gleichzeitig die Sozialkassen von Städten und Gemeinden und die Steuerzahler entlastet, wenn mehr Minijobber eine feste Anstellung bekommen.