Fachkräftebericht Viele Arbeitsstellen bleiben lange unbesetzt

Die hohe Erwerbstätigenquote in Deutschland führt dazu, dass Arbeitgeber immer länger brauchen, um ihre offenen Stellen zu besetzen. Waren es im Jahr 2011 noch rund 62 Tage, so stieg die Zahl 2012 auf 76 Tage an. Der Fachkräftebericht der Bundesregierung zeigt, welche Maßnahmen nötig sind, um den Arbeitsmarkt zukunftsfähig zu machen.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat den Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur Fachkräftesicherung vorgestellt. Viele Maßnahmen sind angestoßen, aber es gibt auch erhebliche Defizite. - © Foto: George

"Der Arbeitsmarkt dreht sich von einem Angebots- zu einem Nachfragemarkt", beginnt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Vorwort zum neuen Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur Fachkräftesicherung. Denn die Fachkräfteengpässe in der deutschen Wirtschaft werden deutlicher und trotz einer steigenden Erwerbstätigenquote ist im Kampf gegen den Fachkräftemangel noch viel zu tun. Bei der Vorstellung des Berichts nannte die Ministerin das Thema "die Archillesverse der deutschen Wirtschaft".

"Es gibt noch viel zu tun"

Waren im Vorfeld der Veröffentlichung der Berichts vor allem die schlechten Arbeitsmarktchancen von Müttern – und speziell von Müttern mit ausländischen Wurzeln – diskutiert worden, so  zeigt der Bericht, dass es noch mehr Lücken gibt:

  • So blieben offene Stellen im Jahr 2012 länger unbesetzt als in den Jahren davor. Durchschnittlich brauchten Arbeitgeber 2012 in Deutschland 76 Tage, um eine vakante Stelle neu zu besetzen. Ein Jahr zuvor waren es noch 62 Tage gewesen.
  • Viele Frauen arbeiten statt in Vollzeit nur in Teilzeit, da immer noch viele Betreuungsplätze für Kleinkinder und Kindergartenangebote fehlen. So arbeitete 2012 mit rund 45 Prozent fast jede zweite Frau in Teilzeit, mit einem dazu noch sehr geringen Arbeitszeitvolumen.
  • Schwierigkeiten gibt es laut Bundesregierung noch immer bei der Qualifizierung älterer Arbeitnehmer und von jungen Menschen ohne einen Berufsabschluss.
  • Zudem soll der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne einen Schulabschluss verringert werden.
  • Auch soll Deutschland für Hochqualifizierte aus dem Ausland attraktiver werden.

Insgesamt zog die Ministerin aber ein positives Fazit zu den Maßnahmen, die nun angestoßen seien und erst langfristig Wirkung zeigen könnten. So habe die Erwerbstätigenquote im Herbst 2012 mit 77,1 Prozent das bis 2020 angepeilte EU-Ziel von 77 Prozent bereits erreicht. Ebenfalls sei der EU-Zielwert von 60 Prozent bei der Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen mit 62,1 Prozent im dritten Quartal 2012 überschritten worden.

Auch sei in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg der Erwerbstätigenquote bei Frauen zu verzeichnen, sagte die Arbeitsministerin. Im dritten Quartal erreichte sie 71,7 Prozent. Das EU-Ziel bis 2020 liegt bei 73 Prozent.

Von der Leyen machte aber auch klar, dass es noch viel zu tun gebe. "Wenn wir nicht handeln und etwas an der Arbeitsweise verändern, wie wir sie heute haben, dann werden uns bis 2025 am Arbeitsmarkt rund sechs Millionen Erwerbstätige weniger zur Verfügung stehen."

Mehr Planbarkeit und Verbindlichkeit nötig

Zur hohen Teilzeitquote bei den erwerbstätigen Frauen sagte sie, dass in Zukunft "glattere Übergänge" von der Teilzeit- in die Vollzeitarbeit geschaffen werden müssten. Dazu schlug sie vor, dass Arbeitgeber und Beschäftigte zukünftig bereits bei einem Wechsel in die Teilzeit miteinander verabreden, wie denn die Stufen zurück in die Vollzeit aussehen werden. Dies gebe beiden Seiten eine gewisse Planbarkeit und Verbindlichkeit.

Die Opposition kritisierte die Maßnahmen der Regierung. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte, von der Leyen habe "die Gewinnung von Fachkräften verschlafen". Die Bundesregierung gebe über eine Milliarde Euro für das Betreuungsgeld aus, "damit die Frauen zuhause bleiben, anstatt sie als Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen".

Der zunehmende Fachkräftemangel in Deutschland sei ein weiterer Ausdruck schwarz-gelben Versagens, sagte auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast. Die Situation zu beheben, erfordere eine "handlungsfähige Bundesregierung", setzte sie nach. jtw/dapd

Den gesamten Bericht können Sie hier nachlesen.