Staat verliert Milliarden - Finanzen + Geld - deutsche handwerks zeitung

Finanzen + Geld - 24.07.2012

Steuerquote steigt, aber auch die Steuerhinterziehung

Staat verliert Milliarden

Bleibt die Konjunktur stabil, wird der Staat in den kommenden Jahren so viel Steuern und Abgaben von den Bürgern und Unternehmen einnehmen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Mit der boomenden Wirtschaft floriert jedoch auch die Schwarzarbeit. In diesem Jahr werden geschätzt rund 50 Milliarden Euro allein durch Schwarzarbeit verloren gehen.

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Steuerhinterziehung kostet Deutschland in diesem Jahr wahrscheinlich 65 Milliarden Euro.

Bis 2016 wird die Steuerquote, also die Steuereinnahmen des Staates in Relation zur Wirtschaftsleistung, auf voraussichtlich 23,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anwachsen, wie die "Financial Times Deutschland" vorab unter Berufung auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums und Analysen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) berichtete.

Dies sind 0,4 Prozentpunkte mehr als nach der Wiedervereinigung 1990. In diesem Jahr liegt die Quote bei knapp 23 Prozent.

"Die Staatsfinanzen entwickeln sich derzeit besser als in den aktuellen Prognosen und Haushaltsplanungen zugrunde gelegt", sagte der RWI-Ökonom Heinz Gebhardt der Zeitung. Wegen der stabilen Konjunktur stiegen die Staatseinnahmen aus Löhnen und Sozialabgaben. Außerdem würden Bund und Länder durch die aktuell niedrigen Zinsen deutlich entlastet.

Hinterzogene Steuern verschwinden ins Ausland

Die gute Konjunktur hat jedoch auch ihre Schattenseiten: In diesem Jahr gehen der öffentlichen Hand in Deutschland einer Studie zufolge rund 65 Milliarden Euro Steuern und Sozialabgaben verloren.

Demnach würden Deutschland durch Schwarzarbeit rund 50 Milliarden Euro Steuern und Sozialabgaben verloren gehen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Berechnung des Wirtschaftswissenschaftlers Forschers Friedrich von der Johannes-Kepler-Universität in Linz.

Hinzu kämen weitere 10 bis 15 Milliarden Euro hinterzogene Steuern durch ins Ausland verschobene Vermögen.

Würden die 65 Milliarden Euro ordentlich versteuert und in Deutschland in den Konsum fließen, könnte die inländische Wirtschaft der Studie zufolge um weitere 3,75 Prozent wachsen.

Forscher des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) sehen das derzeitige Steuer- und Abgabensystem schon länger problematisch und haben ein radikal neues Modell vorgeschlagen. Sie fordern die Sozialabgaben abzuschaffen, das Abgabensystem zu vereinfachen und einen Spitzensteuersatz von 60 Prozent. Mehr zu der Idee erfahren Sie in unserem Beitrag Sozialabgaben weg, Spitzensteuersatz rauf. dapd/dhz

 
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