Eine Radikalreform des deutschen Steuer- und Abgabensystems könnte nach Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) eine halbe Million zusätzliche Arbeitsplätze bringen und zugleich Arbeitnehmer mit kleineren Einkommen besserstellen. Das derzeitige System setze falsche Anreize: Vielfach lohne es sich nicht, mehr zu verdienen, da Netto dann weniger übrigbleibe. - Von Heidi Roider
Unter der Leitung des Arbeitsmarktökonomen Hilmar Schneider hat das IZA ein neues Abgabenkonzept entwickelt. Die Begründung der Forscher für dieses radikale Konzept: der Sozialstaat mache den sozialen Aufstieg besonders schwer, berichtet das Handelsblatt. Die noch unveröffentlichte Studie des Bonner Instituts liegt der Zeitung exklusiv vor.
Laut den Forschern liege das derzeitige Problem vor allem an den "sogenannten Grenzbelastungen", also an den Grenzen wo Arbeitnehmer ab einem Euro mehr Brutto in einen höheren Einkommenssteuersatz fallen.
Dadurch wird das Streben nach mehr Lohn für mehr Leistung besonders schwer gemacht, zitiert das Handelsblatt aus dem Papier. Denn: Die Steuer- und Abgabenlast steigt laut den Forschern bei kleinen und mittleren Gehältern viel zu steil an.
Verheerend sehe es vor allem an den Grenzen zwischen Minijob, Midijob und regulärer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung aus: Dort greift der Staat so richtig zu und lässt von jedem zusätzlich verdienten Euro so gut wie nichts übrig. Das Ergebnis: Der Umstieg etwa von einem Minijob zu einem Vollzeitjob wird unattraktiv.
Auch der Sprung von 20.000 zu einem höheren Gehalt ist steuerlich eine schwere Hürde. Wer 20.000 Euro im Jahr verdient hatte 2010 eine jährliche Einkommenssteuerlast von 2.701 Euro; ab 25.000 Euro waren es dann schon 4.106 Euro. Erst jenseits der Beitragsbemessungsgrenzen fällt der Aufstieg leichter.
Die Vorlage der IZA-Forscher sieht vor die Steuervergünstigungen radikal abzubauen und dafür einen einfachen fünfstufigen Einkommensteuertarif einzuführen. Dieser Tarif würde bei 10.000 Euro Jahreseinkommen mit einem Satz von 25 Prozent beginnen und bei einem Spitzensteuersatz von 60 Prozent ab 60.000 Euro enden.
In diesem Modell gibt es keine Sozialbeiträge mehr, denn diese würden nach dem Modell dann über den Steuertarif finanziert.
Unterm Strich würde das Modell Arbeitnehmer mit kleinen bis mittleren Einkommen besserstellen, schreibt das Blatt. Jenseits der heutigen Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung (Krankenversicherung: 45.900 Euro, Rente: 67.200 Euro) käme es dagegen zu deutlichen Mehrbelastungen.
Durch diese radikalen Änderungen würden bis zu 500.000 neue Jobs entstehen. Laut den Forschern würde das heutige Steuer- und Sozialsystem nämlich gerade Frauen die Entscheidung für eine vollwertige Berufstätigkeit erschweren. Das könne sich Deutschland angesichts des demografischen Wandels aber nicht mehr leisten, zitiert das Handelsblatt Arbeitsmarktökonom Hilmar Schneider.
Eine Übersicht über die Einkommenssteuerbelastungen hat das Bundesministerium für Finanzen auf der Webseite.
Die Woche mit der DHZ
Wie viele virtuelle Freunde haben Sie schon? Und gehen noch zur Bank und in den Supermarkt oder nur noch an den PC? Unsere Welt wird immer digitaler und wir sind schon so faul, dass uns eine Suchmaschine beginnt zu mobben. Eine Woche voller www.
Gewinnspiel
Mitmachen und gewinnen! Erleben Sie die Natur der Schweizer Berge, die Kultur der UNESCO-Welterbestädte oder die Shoppingmöglichkeiten in der zollfreien Stadt Samnaun.
Wissensquiz
Wie viel Handwerk steckt eigentlich in unserem Alltag? Testen Sie Ihr Wissen. Jetzt starten
Gewinnspiel
Gehen Sie an Bord! Gemeinsam mit A-ROSA verlost die Deutsche Handwerks Zeitung exklusiv eine einwöchige Kreuzfahrt für zwei Personen. Hier geht's zum Gewinnspiel inklusive aller Informationen zur Reise und den Teilnahmebedingungen.