Meister im Handwerk -

Höhere Anforderungen erfordern Weiterbildung Rückkehr zur Meisterpflicht: Vermehrt Defizite bei Fliesenlegern

Fehlende Fortbildungen zehren an der Arbeitsqualität im fliesenlegenden Handwerk. Das musste Wolfgang Wulfes, Bundesfachbereichsleiter Bau im BVS, in den letzten Jahren immer häufiger beobachten. Er kritisiert deshalb die Abschaffung der Meisterpflicht und ruft die Branche zu regelmäßigen Weiterbildungen auf.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Seit der Reform der Handwerksordnung in den Jahren 2003/2004 erlebte das fliesenlegende Handwerk einen wahren Gründungsboom. Damals wurde die Meisterpflicht für Fliesenleger aufgehoben. Die Folge: Fliesenlegebetriebe schossen wie Pilze aus dem Boden. Fast 59.000 Betriebe wurden zwischen 2004 und 2015 neu gegründet.

Ein rasanter Zuwachs, bedenkt man, dass vor Abschaffung der Meisterpflicht gerade einmal 12.400 Fliesenlegerbetriebe existierten. Oftmals handelt es sich bei den Neugründungen um Ein-Mann-Unternehmen. Darunter auch viele Selbständige ohne spezielle Qualifikation für das fliesenlegende Gewerbe.

Fliesenlegebetrieben fehlt oftmals grundlegendes Wissen

Wolfgang Wulfes, Bundesfachbereichsleiter Bau im Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS), sieht das kritisch. Er moniert, dass den Unternehmen oftmals grundlegendes Wissen fehle.

Fliesenleger ohne entsprechende Aus- und Weiterbildung wüssten oftmals nur unzureichend über Materialien, Verlegetechniken, gestalterische Aspekte und technische Regeln Bescheid. Die Folgen blieben dem Sachverständigen in den letzten Jahren nicht verborgen. Immer häufiger stellt er Mängel bei Fliesenarbeiten fest.

Anforderungen an Fliesenleger sind gestiegen

"Ich beobachte zum Beispiel seit Jahren vermehrt Schäden durch Feuchtigkeitseinwirkungen auf die Baukonstruktion", erklärt Wulfes. Vor allem bei Fliesenarbeiten auf feuchteempfindlichen Untergründen müsse seiner Ansicht nach besonderer Wert auf den Schutz der Wand- und Bodenkonstruktion vor Feuchtigkeit gelegt werden.

Auch individuelle Badgestaltungen wie bodengleiche Duschen, freie Wand- und Bodenformen, oder Wasserspiele würden die Anforderungen an Fliesenleger erhöhen. "Die Industrie hat Materialien entwickelt, die nur bei sorgfältiger Verarbeitung und Einhaltung der Verarbeitungsvorschriften eine mangel- und schadensfrei ausgeführte Dichtung der Baukonstruktion gewährleisten", erklärt der Sachverständige für Schäden an Gebäuden.

"Vom Fliesenleger wird zunehmend ein größeres Wissen gefordert", so Wulfes.

Rückkehr zur Meisterpflicht und regelmäßige Fortbildungen als Lösung

Organisationen wie die IG Bau und der Fachverband Fliesen und Naturstein haben sich aufgrund der Defizite längst kritisch zur Abschaffung der Meisterpflicht geäußert und fordern eine Wiedereinführung. Auch Wulfes befürwortet eine Ausbildung zum Fliesenleger sowie eine spätere Weiterbildung zum Fliesenlegermeister.

Er betont jedoch, dass auch nach der Ausbildung fortlaufende Weiterbildungen erforderlich seien, um über das erweiterte technische Wissen und die Besonderheiten von neuen Produkten verfügen zu können. "Baumarktwissen reicht nicht aus, um den qualifizierten Beruf eines Fliesenlegers bei der heutigen komplexen Bauweise so auszuüben, dass die Leistung mangel- und schadensfrei ist", so Wulfes.

Des Weiteren ist er der Meinung, dass die "Schwarzen Schafe" der Branche den fliesenlegenden Betrieben schaden, die ihr Handwerk gewissenhaft und professionell ausüben. fre

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