Der etwas andere Inselurlaub - Panorama - deutsche handwerks zeitung

Reise - 11.05.2012

Ostseeinsel Hiddensee

Der etwas andere Inselurlaub

Was hatten der Physiker Albert Einstein, der Schriftsteller Hans Fallada, der Dichter Joachim Ringelnatz und die Puppenherstellerin Käthe Kruse gemeinsam? Sie alle waren regelmäßig Gast auf der sonnenreichsten Insel Deutschlands: auf Hiddensee. Ein Aufenthalt lohnt aber nicht nur im Sommer. - Von Rocco Thiede

Rocco Thiede
"Der Leuchtturm auf dem Dornbusch" das Wahrzeichen von Hiddensee.

Was hatten der Physiker Albert Einstein, der Schriftsteller Hans Fallada, der Dichter Joachim Ringelnatz, der Maler Erich Heckel, die Puppenherstellerin Käthe Kruse oder die Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz gemeinsam? Sie alle waren regelmäßig Gast auf einer der sonnenreichsten Inseln Deutschlands: auf Hiddensee. Weil es hier so idyllisch und überschaubar ist, bauten oder kauften sich auch die Literaten Erich Arendt, Gerhart Hauptmann, der Opernregisseur Walter Felsenstein oder der Stummfilmstar Asta Nielsen gleich ein Haus auf der etwa 16,8 Kilometer langen und zwischen 250 Meter und etwa 3,7 Kilometer breiten Insel. Einige von den Prominenten Inselbewohnern, wie Hauptmann, Felsenstein oder die berühmte Tänzerin Gret Palucca fanden auf dem Eiland im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft auch Ihre letzte Ruhestätte. Für die Künstler war Hiddensee nicht nur Erholungs- und Rückzugsort sondern regelrecht ein Kreativpool. So schrieb Fallada hier seinen Roman "Kleiner Mann – was nun?“ und der Expressionist und Brücke-Gründer Heckel malte insgesamt 35 Bilder nach Landschaften von H
Hiddensee.

Inselidylle jenseits der Strandkörbe

Kräftig pfeift der Wind um die Nasen. Unter dem Bug des Schiffes bricht das Eis. In Schollen schiebt es sich übereinander. Nur wenige Gäste bleiben an Deck. Die meisten Familien mit Kindern und die älteren Passagiere haben sich in die Schiffsmesse begeben, wo an einem kleinen Tresen heißer Tee, Glühwein oder Piccolo-Sekt sowie kleine Snacks verkauft werden. "Wir wollten mit diesem Kurzurlaub herausfinden, ob Inselurlaub nur etwas für die warme Jahreszeit ist“, erzählt eine Mitvierzigerin vom Prenzlauer Berg. "Doch schon auf dem Großparkplatz in Schapprode auf Rügen, konnten wir an den Autoschildern erkennen, dass wir nicht die einzigen waren, die zu dieser kalten Jahreszeit auf diese Idee des Festlandflüchtens gekommen sind“, sagt sie augenzwinkernd. Von Sachsen-Anhalt über Bayern, von NRW bis Hessen – quer durch die Republik haben sich Urlauber im Winter aufgemacht, um Inselidylle einmal jenseits von Strandkörben und Sonnenbaden im weißen Ostseesand zu erkunden.

Zur Hochsaison im Sommer gibt es mehrere Fährverbindungen nach Hiddensee – "zum Beispiel auch von Stralsund - der alten Hansestadt und dem Brückenkopf nach Rügen - wohin es seit 1892 regelmäßigen Dampferverkehr gab“, erklärt Klaus aus Bergen, der als Schiffsjunge hier arbeitet. Aber im Winter sollten man den Bodden, nur von Schapprode überqueren, um nach "Hiddensöe“ – so die Bezeichnung der Inseln in deutschen Reiseführern bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – zu kommen. Der Name der westlich von Rügen gelegenen Insel im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern soll übrigens vom legendären Norwegerkönig Hedin kommen, der hier um eine Frau und um Gold kämpfte.

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