Ohne das Handwerk würde es kein Model auf den Laufsteg schaffen – auch nicht auf der Fashion Week in Berlin. Denn erst Handwerker, wie der Starfriseur André Märtens, setzen die Ideen der Designer um. Aber nicht nur Friseure, Maß- und Änderungsschneider arbeiten hinter den Kulissen. Eine ganze Vielzahl von Gewerken garantiert einen reibungslosen Ablauf.

Vom 3. bis zum 8. Juli 2012 wird Berlin wieder zum Mekka für alle Modeliebhaber, wenn die Fashion Week die angesagten Modetrends präsentiert. Während Fashion-Blogger sowie Starsund Sternchen in der ersten Reihe Platz nehmen, hat das Handwerk rund um die Fashion Week alle Hände voll zu tun, Modeund Models optimal in Szene zu setzen.
Von den Brettern, die die Modewelt bedeuten, über die Event-Zelte bis zum perfekt choreografierten Lichtdesign für die aufwendigen Shows sind Tischler, Elektroniker und Gerüstbauer schon im Vorfeld des Events mit Aufbau, Verkabelungund Installation beschäftigt.
Ein Handwerker verdreht Models den Kopf
Starfriseur André Märtens ist von der ersten Fashion Week an dabei. Der 45-Jährige ist seit 2007 "Head of Hair"und entwickelt in enger Abstimmung mit Designern regelrechte Frisur-Konzepte, die optimal auf die Kollektion zugeschnitten sind. "Unser Team besteht aus 35 Friseuren, die während der Fashion Week rund 40 Shows betreuen – das läuft nach einem ziemlich engen Zeitplan", sagt André Märtens.
In seiner Familie hat das Handwerk Tradition, denn er ist bereits in der vierten Generation Friseur. "Ich habe den Beruf von der Pike auf gelerntund alles im Repertoire, was ein Friseur können sollte – von klassisch bis ausgefallen. Besonders in der Modebranche ist eine gute Ausbildung von enormer Bedeutung, denn nur so kann man auch unter größter Anspannungund Stress Höchstleistung bringen", erklärt Märtens.
Bei den Haarkreationen, die er heute entwirft, greift er regelmäßig auch auf klassische Techniken zurück, wie etwa die Wasserwelle oder den Pixi-Cut. "Momentan erleben jedoch gelegte Locken oder Bob-Schnitte ein Revival", sagt der Haar-Stylist. Um den hohen Belastungen der Shows jährlich standzuhalten, sind vor allem Effizienzund Zielstrebigkeit gefragt. "Egal, welcher Handwerks-Beruf erlernt wird, es ist immer wichtig, ehrgeizig zu seinund seine Möglichkeiten auszuschöpfen – nur so kann man besser sein als der Durchschnitt", rät André Märtens.
Ein Hut für Brad Pitt
"Ehrgeiz" ist auch für die Modistin Fiona Bennett ein entscheidendes Stichwort: "Als Handwerkerin sollte man immer einen gewissen Anspruch an sich selbstund seine Arbeit haben. Das Handwerk ist die Basis, um sich kreativ ausleben zu können – hierbei sind sowohl Geduld sowie Ausdauer wichtig", sagt die 45-Jährige.
Fiona Bennett, die bereits in der Vergangenheit ihre Kreationen auf der Fashion Week präsentiert hat, entwirft ausgefalleneund modische Kopfbedeckungen, die auch bei internationalen Stars beliebt sind. Von Brad Pitt bis zu Rammstein hat sie schon viele prominente Häupter mit ihren Hüten geschmückt –und das können nicht nur die Paparazzi sehen. Fiona Bennetts Hüte haben es sogar schon in die Vogue geschafft – sozusagen die Bibel aller Modeliebhaber.
In ihrem Geschäft in Berlin kann jeder Interessierte hautnah miterleben, wie ihre Kunstwerke entstehen: Zwei Modisten geben während der Fashion Week in ihrem Showroom Einblicke in die tägliche Arbeit. "Ich wollte einen Raum schaffen, in dem das Handwerk auf ein Podest gestellt wird. Ziel ist es, zu zeigen, wie modernund innovativ in diesem Feld heute gearbeitet wird", so Bennett. rh