DHZ-Porträt "Münte" ist wieder an Bord

"Münte" ist wieder da. Die Nachricht von der Rückkehr Franz Münteferings an die Spitze des Willy-Brandt-Hauses platzte am Sonntag mitten in die SPD-Klausur im brandenburgischen Werder.

Franz Müntefering kehrt in den Vorsitz der SPD zurück. Foto: ddp

"Münte" ist wieder an Bord

Eben hatte die versammelte SPD-Spitze von der engeren Parteiführung erfahren, dass SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat antritt, dann musste sie emotional mit dem Rücktritt des Parteivorsitzenden Kurt Beck fertig werden. Da folgte der nächste Paukenschlag: Becks Vorvorvorgänger, der 68-jährige Müntefering, soll wieder Parteichef werden.

Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte Münteferings Rückzug aus familiären Gründen das politische Berlin erschüttert. Er wollte sich um seine an Krebs erkrankte Frau Ankepetra kümmern, sagte er zur Begründung. Als sie vor einigen Wochen starb, kündigte der ehemalige SPD-Vizekanzler sein politisches Comeback an – und trat sofort im bayerischen Landtagswahlkampf auf.

Unklar blieb, welches Amt Müntefering übernehmen solle. Beck wollte ihm lediglich eine Funktion als "Berater" zubilligen, jetzt wird Müntefering also der Nachfolger des Mannes werden, gegen den er im Streit um das Arbeitslosengeld I eine Niederlage hatte hinnehmen müssen. Nur ihm wird offenbar zugetraut, die verfeindeten Parteiflügel wieder einigen zu können.

Der gebürtige Sauerländer hat den Ruf, Entscheidungen hartnäckig und geradlinig zu treffen und dabei stets für eine Überraschung gut zu sein. So auch bei seinem plötzlichen Abgang als SPD-Vorsitzender Ende Oktober 2005. Nicht einmal zwei Jahre lang hatte er das «schönste Amt neben dem Papst» inne. Dann warf er unerwartet das Handtuch, als der Parteivorstand für die SPD-Linke Andrea Nahles als künftige Generalsekretärin votierte statt für seinen Kandidaten.

Doch "Münte" gilt auch als pflichtbewusster Parteisoldat. Als ein Mann mit sozialdemokratischem Stallgeruch, dessen Glaubwürdigkeit in der Partei ebenso unbestritten ist wie seine Loyalität. Immerhin hatte er zuvor das Kunststück fertig gebracht, ab 1995 gleich unter drei seiner Amtsvorgänger – Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder – als quasi zweiter Mann der Partei zu dienen: Erst als Bundesgeschäftsführer und schließlich unter dem neu geschaffenen Titel des SPD-Generalsekretärs.

Im Herbst 2002 übernahm Müntefering den SPD-Fraktionsvorsitz und wurde im März 2004 SPD-Chef. Einen "westfälischen Dickschädel" nennen die Leute an Rhein und Ruhr einen wie Müntefering, der als letzter "Blaumann" im Willy-Brandt-Haus stets für Bescheidenheit und harte Arbeit stand. Das war es, was die einfachen SPD-Mitglieder an ihm schätzten, auch wenn Müntefering, der sich nach eigenem Bekunden nur «unter Schmerzen» zum überzeugten Reformer gewandelt hatte, die "Agenda 2010»"von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder stets verbissen verteidigte.

Das nahmen und nehmen die Genossen ihm kaum übel. Schließlich kennt der 1966 in die SPD eingetretene Volksschüler und gelernte Industriekaufmann ihre Seele wie wohl kein anderer. Wie sagte Müntefering doch auf dem Hamburger Parteitag vor einem knappen Jahr? "Es ist noch was da, ich bin noch nicht ausgetrocknet!"

Nikolaus Sedelmeier/ddp