Unternehmensführung -

Home-Office, flexible Arbeitszeiten & Co. Moderne Arbeitsmodelle: Geschätzt, aber nicht jedermanns Sache

Nicht jedem Mitarbeiter kommen flexible Arbeitszeitmodelle und freie Arbeitseinteilung zugute. Zwar werden Verantwortung und moderne Arbeitsmodelle von den meisten Arbeitnehmern geschätzt, ein Teil der Angestellten leidet jedoch auch darunter. Wie Arbeitgeber diesem Umstand begegnen können.

Die fortschreitende Digitalisierung bringt allerlei Veränderungen für die Arbeitswelt mit sich. Immer mehr Arbeitnehmer können sich ihre Arbeitszeit frei einteilen. Durch die verstärkte Vernetzung etabliert sich zudem das Home-Office in vielen Unternehmen als flexibler Arbeitsort. Auch übertragene Aufgaben müssen nicht mehr zwingend anhand eines festen Leitfadens und nach einer strikt vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden. Im Gegenzug wird den Arbeitnehmern mehr Verantwortung übertragen.

Moderne Arbeitsmodelle: Ein Trend mit Haken

Eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und des sozialen Netzwerks Xing kam nun zu dem Ergebnis, dass die selbständige und flexible Gestaltung des Arbeitsalltags von den meisten Arbeitnehmern positiv bewertet wird. Ein nicht zu vernachlässigender Teil sieht sich durch das Plus an Verantwortung und die Auflösung von festen Strukturen jedoch auch überfordert. Mit teils schwerwiegenden Folgen: Stimmen moderne Arbeitsmodelle nicht mit dem Naturell des individuellen Arbeitnehmers überein, führt dies zu großer Frustration. Laut Studie bewerten betroffene Arbeitnehmer ihre Lebenszufriedenheit gleichermaßen wie Personen, die vergebens auf der Suche nach einer Arbeitsstelle sind.

Herausforderungen und Lösungen für Betriebe

"Der Trend zu mehr Verantwortung, Flexibilität und Autonomie ist nicht pauschal als positiv oder negativ zu bewerten", schließt IZA-Chef Hilmar Schneider aus den Ergebnissen. Vielmehr zeige die Studie, dass künftig noch expliziter auf eine Übereinstimmung von Arbeitnehmerbedürfnissen und individuellem Jobprofil geachtet werden muss. Konkret bedeutet das, dass Arbeitsmodelle im Einzelfall individuell angepasst werden müssen. Bei bestehendem Personal könnten zudem Coaching- und Mentoring-Angebote einer Unzufriedenheit durch mehr Verantwortung oder Selbständigkeit entgegenwirken.

Die Studie zeigt: Moderne Arbeitsmodelle werden größtenteils geschätzt und gewünscht. Einen pauschalen goldenen Weg gibt es jedoch nicht. "Beschäftigte mit engen Vorgaben und wenig Verantwortung können grundsätzlich genauso zufrieden mit ihrer Arbeit sein wie Arbeitnehmer mit viel Flexibilität und viel Verantwortung", meint Schneider. Betriebe sollten ihre Arbeitsplätze zwar entsprechend moderner Arbeitsmodelle ausgestalten, im Einzelfall jedoch auch auf Unzufriedenheit reagieren. Bei Neueinstellungen sind vor allem Personaler gefordert: Mitarbeiter sollten nicht nur anhand ihrer fachlichen Kenntnisse ausgewählt werden. Die Herausforderung besteht darin, Mitarbeiter entsprechend den individuellen Bedingungen und Anforderungen der Stelle auszuwählen.

Die Ergebnisse der Studie "Arbeiten in Deutschland"

Mehr als 8.000 Arbeitnehmer wurden für die Studie mit dem Titel "Arbeiten in Deutschland befragt". Ergebnisse lieferte die Umfrage auch zur aktuellen Verbreitung moderner Arbeitsmodelle auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Rund ein Fünftel der Befragten hat demnach keine starr festgelegten Arbeitszeiten. Fast ein Drittel kann zumindest teilweise mobil oder im Home-Office arbeiten. Etwa 72 Prozent der befragten Arbeitnehmer tragen ihrer Meinung nach viel Verantwortung. Gleichzeitig können rund 60 Prozent der Teilnehmer den Ablauf ihrer Arbeit grundsätzlich selbst bestimmen. Die Studie zeigt: Wer mehr zeitliche und räumliche Flexibilität, Verantwortung und Autonomie hat, ist im Durchschnitt auch zufriedener mit dem Job.

Der Handlungsbedarf für Betriebe wird durch folgende Ergebnisse verdeutlicht: Rund 15 Prozent der Beschäftigten sind unzufrieden mit ihrer hohen Verantwortung. Wiederum neun Prozent tragen ihrer Meinung nach zu wenig Verantwortung und hätten gerne mehr. Ähnlich verhält es sich mit Arbeitszeitflexibilität und Autonomie. Hier entspricht bei 23 Prozent bzw. 25 Prozent der Beschäftigten das vorhandene Ausmaß nicht den individuellen Präferenzen. Insgesamt 55 Prozent der Teilnehmer mit Möglichkeit zum mobilen Arbeiten oder Home-Office könnten auf diese Optionen verzichten. fre

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen