Meisterstücke -

Mit Leidenschaft Wissen konservieren

Die Fahrzeugakademie Schweinfurt lockt mit Kursen zur Oldtimer-Restaurierung Liebhaber aus ganz Europa an

Es lärmt in der Werkstatt. Zwölf Männer stehen an ihren Werkbänken, schweißen Blechnähte und richten diese mit einem Aluhammer aus. Es ist der erste Tag des viertägigen Kurses „Abschnittsreparatur“ der Fahrzeugakademie Schweinfurt der Handwerkskammer für Unterfranken, der im Rahmen der Oldtimer-Intensivseminare angeboten wird.

„Unsere Kurse sind nahezu immer ausgebucht“, freut sich Akademieleiter Matthias Dingfelder. Oldtimer-Intensivseminare sind neben der Meisterausbildung im Kfz-Bereich und weiteren Angeboten ein wichtiges Standbein der Fahrzeugakademie. „Wir suchen seit dem Start der Akademie im Jahr 1998 immer Nischen, die wir mit Qualität und Kompetenz füllen. So können wir Kurse und Seminare anbieten, wie keine zweite Akademie in Europa“, erklärt der Akademieleiter. „Wir haben uns mittlerweile ein europäisches Alleinstellungsmerkmal erarbeitet.“ Matthias Dingfelder ist stolz, mit seiner Ausrichtung eine Erfolgsgeschichte geschrieben zu haben. Von Finnland bis Italien, von Bulgarien bis Portugal kommen die Kursteilnehmer nach Schweinfurt, um sich Tricks und Tipps zur Oldtimer-Restaurierung anzueignen.

Von den Profis lernen

Wolfgang Lackner ist einer, den seine Leidenschaft für Oldtimer nach Schweinfurt führte. Der Hamburger absolviert bereits seinen siebten Kurs in der Fahrzeugakademie. 2005 belegte er sein erstes Oldtimer-Seminar und er sagt: „Ich lerne immer wieder etwas dazu.“ Außerdem seien die Gruppen in den Seminaren sehr harmonisch, man tausche sich gegenseitig aus und helfe, wo Hilfe benötigt werde. Das unterstreicht Matthias Dingfelder: „Die Oldtimer-Seminare besuchen meist Männer ab 40 Jahre. Bei ihnen ist es die Leidenschaft zum Auto, die zählt.“

In der Garage von Wolfgang Lackner stehen ein VW Käfer, Baujahr 1957, sowie ein wunderschöner 63er Volvo PV 544. Der 56-jährige Projektleiter im Messebau hat eine gut ausgestattete Werkstatt in der Hansestadt und sagt mit dem Brustton der Überzeugung: „Oldtimer zu fahren und an ihnen zu schrauben, macht gleichviel Spaß.“ Das spürt auch Dozent Karl-Heinz Bender, der seit vier Jahren Oldtimer-Seminare in der Fahrzeugakademie leitet. „Die Motivation der Teilnehmer ist gewaltig. Viele kommen ohne oder mit wenig Erfahrung und gehen mit viel Know-how.“

Karl-Heinz Bender ist ein Mann, der anpackt. Wenn er durch die Reihen geht, ist sein Blick auf die Werkstücke seiner Teilnehmer fokussiert. Bei Problemen ist er sofort mit Rat und Tat zur Stelle. Und offenbart sich eine Frage, die alle Teilnehmer interessiert, läutet er die große Glocke in der Ecke der Werkstatt. Das ist das Signal für alle, zusammenzukommen, um gemeinsam an der Problemlösung teilzuhaben.

Karl-Heinz Bender ist Karosserie- und Fahrzeugtechnik-Meister und blickt auf 38 Jahre Berufserfahrung zurück. „Wir sind sehr froh, mit Karl-Heinz Bender und unseren anderen beiden Trainern so erfahrenen Oldtimer-Profis für unsere Seminare zu haben“, lobt Matthias Dingfelder, denn er weiß auch: „Es ist nicht einfach, Dozenten zu finden, die eine Leidenschaft für Oldtimer mitbringen und über eine hohe fachliche und didaktische Kompetenz verfügen. Und darauf legen wir größten Wert.“

Neben Wolfgang Lackner an der Werkbank steht Georg Boeshenz, der bereits seit mehr als 30 Jahren an alten Autos schraubt. Es ist sein drittes Seminar in der Fahrzeugakademie, sein erstes bekam er von einer Freundin geschenkt. „Die Tricks der Profis, der absolute Praxisbezug interessieren mich“, so der Münchener. Georg Boeshenz hat einige Oldtimer, Schmuckstück aber ist sein Dixi, Baujahr 1928, der kurze Zeit später als BMW Dixi die Automobilgeschichte der Bayerischen Motorenwerke einläutete. Der Beleuchtungsmeister und Lichtgestalter für Theater und Fernsehen hat seine Leidenschaft für alte Autos so richtig seit rund vier Jahren entwickelt. Hochkonzentriert arbeitet Georg Boeshenz mit dem Autogen-Schweißgerät, immer wieder setzt er ab, prüft und korrigiert. So lange, bis er mit seiner Leistung zufrieden ist. Es macht ihm Spaß, das spürt man bereits nach einigen Minuten, so wie den elf weiteren Oldtimer-Fans auch.

Neun Meisterkurse im Angebot

Mit den Oldtimer-Seminaren bietet die Fahrzeugakademie nicht nur Kurse für Kfz-Handwerker und Laien an, sondern strebt damit auch zu einem übergeordneten Ziel: „Durch die Seminare kann Wissen konserviert werden. Dieses alte, von uns vermittelte Handwerk ist bei den neuen Fahrzeugen nicht mehr nötig. Somit sind wir sehr froh, einen Beitrag zur Wissensweitergabe leisten zu können.“

Die Fahrzeugakademie ist europaweit auch die einzige Bildungseinrichtung, die Fachkräfte für Caravan-Service-Unternehmen qualifiziert. „Der Kurs erstreckt sich über sieben Wochen, in denen die Teilnehmer alles über das Warten und Reparieren von Caravans lernen.“

Zentrale Ausbildungsmodule sind die neun verschiedenen Meisterkurse, davon vier Kfz-Meisterkurse, bei denen zudem der Betriebswirt (HWK) im Lehrplan integriert ist. In diesen Kfz-Meisterkursen erlernen die Teilnehmer technische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die auch zur Führung größerer Kfz-Betriebe befähigen. „Damit sind unsere Absolventen bestens geeignet, die Schnittstelle zwischen Werkstatt und Kunde zu besetzen“, erklärt Dingfelder. Für die Zukunft sieht sich die Akademie gerüstet: „Wir sind Premiumanbieter und überzeugen durch Qualität. Das wird auch so bleiben.“

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