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Neue Verordnung ab August Metallbildner: Ausbildung modernisiert

Neue Materialien und Verfahren haben Einzug gehalten ins Metallbildnerhandwerk. Die Ausbildungsverordnung aus dem Jahr 1998 wurde deshalb überarbeitet. Ab dem 1. August 2016 gilt eine modernisierte Fassung. Was sich nun ändert.

Sie fertigen Kerzenständer und Pokale an, sie formen Treppengeländer und Beschläge für Möbel – der Beruf des Metallbildners erfordert handwerkliches und künstlerisches Know-how. In den vergangenen Jahren haben sich viele Verfahren verändert, mit denen die Metallbildner und ihre Azubis arbeiten. Deshalb wurde nun die Ausbildungsverordnung für dieses Handwerk modernisiert.

Die neue Verordnung gilt ab dem 1. August 2016 und löst die alten Vorgaben aus dem Jahr 1998 ab. Damit wird sie für alle neuen Azubis gelten, die in diesem Jahr den Beruf des Metallbildners erlernen wollen.

Wie arbeiten Metallbildner?

Und dieser sehr alte Beruf ist vielseitiger als man als Laie denken könnte. Er teilt sich in drei verschiedene Fachrichtungen auf: Gürtler-, Metalldrück- und Ziseliertechnik. In diesen drei Fachrichtungen können sich die Lehrlinge nach der bestandenen Gesellenprüfung weiterbilden und ihren Meister machen. Da viele Betriebe dieses Handwerks auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind, lohnt sich eine fachliche Weiterqualifizierung sehr.

Metallbildner arbeiten mit unterschiedlichen Metallen und lernen im Laufe der Ausbildung den Umgang mit ihnen und ihre spezifischen Eigenschaften kennen. Sie lernen das "Aufschrumpfen" und "Patinieren", "Drücken", "Treiben" und "Ziselieren". Das alles sind Handgriffe dieses Berufs.

Neben diesen drei Fachrichtungen gab es einst die Spezialisierung der Goldschlagtechnik. Diese ist als einzelne Fachrichtung nun in der neuen Ausbildungsverordnung nicht mehr enthalten. Es gab in den vergangenen Jahren zu wenige Azubis, die diese Fachrichtung gewählt haben bzw. einen dazu passenden Ausbildungsbetrieb hatten.

Was lernt man in der Ausbildung zum Metallbildner?

In den einzelnen Fachrichtungen stellt sich das so dar: Gürtler fertigen vorrangig Formteile, Hohlkörper und Gussteile, die dann zu Gegenständen, Werkzeugen und Möbelteilen weiterverarbeitet werden. Oft steht dies im Zusammenhang mit Elektrifizierung von Bauteilen, beispielsweise für beleuchtete Briefkasten- und Klingelanlagen.

Im Fachbereich Metalldrücktechnik werden die Bauteile nicht gegossen oder über andere Verfahren geformt, sondern wirklich gedrückt. Meist wird das Metall entlang von Formen in einem rotierenden Verfahren gedrückt. So können ganz individuelle Formen entstehen. Die Ziseliertechnik setzt ihren Schwerpunkt dagegen auf vergleichsweise viel feinere Formen und das Gestalten zum Beispiel von Skulpturen und Pokalen.

Warum ist eine Modernisierung der Ausbildungsverordnung nötig?

Derzeit lernen etwa 100 Azubis den Beruf des Metallbildners. In Deutschland gibt es nach Angabe des Bundesinnungsverbands der Galvaniseure, Graveure und Metallbildner 70 Ausbildungsbetriebe in diesem Beruf. Die Lehrlingszahlen haben sich in den vergangenen Jahren konstant entwickelt und nahezu alle, die den Beruf gelernt haben, sind ihm treu geblieben.

Nötig geworden ist die Modernisierung der Ausbildungsverordnung, da sich viele Prozesse und Verfahren der Berufe verändert haben. Vor allem die zunehmende Digitalisierung machte eine Überarbeitung erforderlich. Technische Zeichnungen der Werkstücke als Entwürfe und konkrete Baupläne werden heute selbstverständlich digital angefertigt und die entsprechenden Programme müssen beherrscht werden.

Wichtige Inhalte der Ausbildung sind zudem die Ausrichtung auf den Kundenbezug: Kunden beraten, Aufträge besprechen und der Umgang mit möglichen Beanstandungen gehören auch zum Betriebsalltag und damit zur Ausbildung.

Was ändert sich bei den Prüfungen?

Änderungen gibt es in der neuen Ausbildungsverordnung aber auch in Bezug auf die Prüfung. So wird das klassische Modell der Zwischen- und Abschlussprüfung durch das der "gestreckten Prüfung" abgelöst. Konkret bedeutet das, dass das Ergebnis der Zwischenprüfung - nun Prüfung Teil 1 bezeichnet - zu 20 Prozent mit in die Gesamtnote einfließt.

Die Ausbildung zum Metallbildner dauert drei Jahre. Die Spezialisierung auf eine Fachrichtung findet einerseits durch den Ausbildungsbetrieb und andererseits durch die Berufsschule im 3. Lehrjahr statt. Weitere Informationen zur Modernisierung der Ausbildungsverordnung gibt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung unter bibb.de. jtw

Metalldrücken: Ein altes Handwerk in Bildern

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