Die Zukunft fängt bei der Jugend an. Das weiß auch die Bundeskanzlerin. Sie wolle die duale Ausbildung wieder stärken, sagte Angela Merkel bei der offiziellen Verabschiedung des langjährigen ZDH-Präsidenten Otto Kentzler und der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Hans Peter Wollseifer.
Karin Birk

Angesichts des Fachkräftemangels will sich die Bundeskanzlerin "sowohl in Brüssel wie auch zuhause" für die duale Ausbildung stark machen, betonte Angela Merkel vor 500 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft bei der Amtseinführung des neuen Handwerkspräsidenten. Die Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland so gering sei, hänge auch mit der dualen Ausbildung zusammen. Merkel dankte dafür den vielen Betrieben und Vertretern der Handwerksorganisationen.
Dank sagte die Bundeskanzlerin auch dem scheidenden Handwerkspräsidenten Otto Kentzler. Sein Blick nach vorne, seine Zukunftsorientierung, habe sich durch seine gesamte Amtszeit gezogen. "Er forderte nicht alles oder nichts, sondern schrittweise Verbesserungen", sagte sie. Er habe nicht nur in der Finanz- und Wirtschaftskrise das Selbstvertrauen des Handwerks verkörpert, er habe das Ansehen des Handwerks gestärkt und zu einem modernen Erscheinungsbild beigetragen. Heute werde das Handwerk mit seinen 5,3 Millionen Beschäftigten und rund 500 Milliarden Euro Umsatz als eigenständiger Wirtschaftsbereich wahrgenommen.
Handwerk wichtiger Faktor für Energiewende
Ein Wirtschaftsbereich, der laut Merkel auch beim Gelingen der Energiewende eine wichtige Rolle spielt. Jetzt gehe es darum, die vorgelegten Eckpunkte des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) durchzusetzen und den Ausbau der Erneuerbaren parallel zum Netzausbau vorwärtszutreiben. Darüber hinaus gelte es, die Energieeffizienz weiter zu verbessern. Potenzial sehe sie auch bei der Gebäudesanierung, sagte Merkel, ohne genaue Fördermöglichkeiten zu nennen.
Sie betonte, die öffentliche Verschuldung ohne Steuererhöhungen abbauen zu wollen. "Steuerpolitische Verlässlichkeit ist unser Maßstab", untermauerte sie das Wahlversprechen. Das gelte auch für erbschaftssteuerliche Vergünstigungen beim Betriebsübergang, die derzeit gerichtlich geprüft würden. Dabei habe sie aber keinen Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der bisherigen Regelungen.
Statt die Steuern zu erhöhen, sei ihr wichtiger, dass Unternehmer ihr Geld in die Betriebe investierten. Das Thema Rente sparte sie indessen aus. Gleichwohl betonte sie, dass es nicht zuletzt in der Amtszeit von ZDH-Präsident Otto Kentzler neben der Erhöhung des Handwerkerbonus noch einige weiter steuerpolitische Verbesserungen für das Handwerk geben habe.
Wollseifer dankt Kentzler
Dem neuen Handwerkspräsidenten, Hans-Peter Wollseifer, wünschte die Bundeskanzlerin "alles erdenklich Gute". Dieser kündigte an, sich in Berlin und Brüssel für eine weitere Stärkung der dualen Ausbildung einsetzen zu wollen. Wollseifer dankte seinem Vorgänger für seinen Einsatz. "Du hast die Außensicht auf das Handwerk geprägt." Er würdigte seine "authentische und offene" Vorgehensweise.
"Es hat Freude gemacht, diesen Wirtschaftsbereich zu vertreten", sagte Kentzler sichtlich bewegt. Wenn er auf die neun Jahre zurückschaue, dann sei da vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für eine reiche Zeit an Einsichten und Begegnungen. Von der Bundeskanzlerin bekam Kentzler noch ein richtig großes Abschiedsgeschenk überreicht: Das Große Verdienstkreuz, das ihm von Bundespräsident Joachim Gauck verliehen hat.