Finanzen + Geld -

Interview mit Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann "Das System hat sich bewährt"

Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann warnt die neue Bundesregierung vor einer Bürgerversicherung. Im DHZ-Interview spricht er über Beitragssteigerungen der privaten Krankenversicherung und die medizinische Inflation. Die Natur-Schäden von 2013 werden die Gruppe zudem im Ergebnis drücken.

DHZ: Herr Leitermann, wir sind hier in Rufweite des Dortmunder Stadions, des Signal Iduna Parks. Ihr Vorgänger Reinhold Schulte ist leidenschaftlicher BVB-Fan. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ulrich Leitermann: Das ist gleich eine schwierige Frage, ich komme ja aus Süddeutschland. Als ich Anfang der siebziger Jahre als junger Mensch Fußball  gespielt habe, gab es nur zwei ernst zu nehmende Mannschaften: Bayern und Gladbach. Und seitdem bin ich Anhänger des FC Bayern. Aber was in Dortmund passiert, ist natürlich Wahnsinn. Ich bin seit 16 Jahren hier und sehe mich inzwischen als so eine Art assimilierter BVB-Fan. Meine Frau und meine Kinder sind schon echte Borussen. Dass unser Hund nicht Borussia heißt, ist schon alles.

DHZ: Und wenn Bayern gegen Dortmund spielt?

Leitermann: Dann hoffe ich auf ein Unentschieden. Aber sicher wird Dortmund auch noch mal die Champions League gewinnen.

DHZ: Zumal Signal Iduna mit dem Stadion ein großer Sponsor ist.

Leitermann: Der Stadionname ist ein starker Werbeträger für uns. Am Anfang war das ein Wagnis, weil der BVB damals Probleme hatte. Aber von Anfang an wurde unser Bekanntheitsgrad erheblich gesteigert. Das hilft uns viel mehr als etwa Trikotwerbung.

DHZ: Kommen wir vom Fußball zu den Koalitionsverhandlungen. Ich möchte zwei Sätze beginnen, die Sie bitte spontan zu Ende führen. Der erste Satz lautet: Vor einer Großen Koalition ist mir erst mal nicht bange, weil ...

Leitermann: ... ich auf die Stärke von Angela Merkel setze.

DHZ: Dennoch habe ich Bedenken, denn ...

Leitermann: ... auf dem Opferaltar von Kompromissen könnte die Bürgerversicherung eine Relevanz bekommen, die sie nicht verdient.

DHZ: Was ist so schlimm an der Bürgerversicherung?

Leitermann: Umgekehrt können Sie fragen, was das Beste daran ist, und da sage ich: der Name. Das ist schon alles. Schauen wir uns die Ausgangslage an: Wir haben mit dem Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Es hat sich bewährt. Aber natürlich darf man konstatieren, dass sich die Gesellschaft verändert, die Voraussetzungen verändern sich. Das sind Herausforderungen für das Gesundheitssystem, denen wir uns stellen. In diesen Fragen sind wir offen, in der Grundsatzfrage nicht.

DHZ: Können sich Ältere ihre Versicherung überhaupt noch leisten? Die Steigerungen werden stark kritisiert.

Ulrich Leitermann
-

Leitermann: Wir werden eine steigende medizinische Inflation erleben. Gesundheit ist teuer und wird noch teurer. Früher war eine Gehprothese preiswert, heute sind das computerentwickelte Hightechgeräte für bis zu 30.000 Euro – Tendenz steigend. Die gesetzlichen Krankenversicherungen können die Leistungen einschränken und haben dies auch schon getan. Wir als private Krankenversicherer können und wollen das nicht – der Fortschritt hat  aber seinen Preis. Klar ist aber auch,    es wird für niemanden besser, wenn   wir die private Krankenversicherung  abschaffen, sondern für alle schlechter, auch für die gesetzlich Versicherten.

DHZ: Kommen wir zur Signal Iduna. Wie entwickelt sich die Gruppe 2013?

Leitermann: Wir hatten 2012 eines der  besten Ergebnisse unserer Unternehmensgeschichte. Mit 2013 sind wir nicht unzufrieden, werden aber an den rechnungsmäßigen Jahresüberschuss von 2012 nicht herankommen. Die ganze Diskussion um Lebensversicherungen oder die gesetzlich erzwungene Einführung von Unisex-Tarifen hat sicher auch zu einer Zurückhaltung bei potenziellen Kunden geführt. Darüber hinaus haben auch einige so genannte Verbraucherschützer Verunsicherung  beim Thema Vorsorge entfacht mit teils unsäglichen Schlagzeilen. Das ist fatal,  weil die Menschen eigentlich aufgefordert werden müssten, etwas zu tun, damit sie im Alter nicht arm werden. Die Botschaft kann doch nur sein: Sparen muss sein, egal mit welchem Betrag, um im Alter mehr als die gesetzliche Rente zu haben.

DHZ: Welchen Einfluss haben Hochwasser und andere Natur-Schäden?

Leitermann: 2013 war einiges los: Hochwasser im Osten und im Süden, Stürme, Hagelschäden in Baden-Württemberg. Wir haben für Wetter-Schäden mehr als 60 Millionen Euro brutto zurückgestellt vor Rückversicherung. Wir erwarten, dass die Schäden das Jahresergebnis mit 15 bis 20 Millionen Euro zusätzlich im Vergleich zum Vorjahr belasten – wobei wir hier auch unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnten. Wir waren sehr früh draußen und haben vor Ort schnell und unbürokratisch reguliert, auch mit Unterstützung des Handwerks.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen