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Haus, Aktien, Festgeld Lebensversicherung: Zinsen sinken – Alternativen sind gefragt

Zinsen auf Talfahrt. Lebensversicherungen scheinen immer unrentabler – die Garantiezinsen sollen erneut sinken. Wann sich eine Kündigung lohnt und welche Alternativen es gibt.

Sinkende Überschussbeteiligungen oder zu wenig Auszahlung – für Besitzer von Lebensversicherungen gab es in der Vergangenheit eine Reihe schlechten Nachrichten: Die Garantiezinsen sinken erneut. Doch was sollten die Versicherten jetzt tun?

Lebensversicherungen sind beliebt: Rund 90 Millionen Verträge gibt es in Deutschland. Doch der Absatz könnte bald ins Stocken geraten: Laut einer Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) sollen die Garantiezinsen von jetzt 1,75 Prozent auf maximal 1,25 Prozent sinken.

"Davon sind aber nur Neuabschlüsse betroffen", erklärt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Auf bestehende Verträge hat das keine Auswirkungen." Kunden sollten ihre Police daher nicht voreilig kündigen. "Es kommt stark auf ihre persönliche Situation an", erläutert die Verbraucherschützerin. "Und darauf, in welcher Phase Sie sich mit ihrem Vertrag befinden."

Abwägen, ob ein Ausstieg lohnt

Kunden, die ihre Lebensversicherung erst vor wenigen Jahren abgeschlossen haben, könnten eine Kündigung durchaus erwägen. "In der Regel halten Kunden eine solche Versicherung ohnehin nicht bis zum Vertragsende durch", sagt Castelló. Jüngere Policen brächten zudem häufig keine überdurchschnittlich hohen Zinsen. Wer Schulden habe, etwa weil er ein Haus gekauft hat, könne das Geld der Lebensversicherung zur Sondertilgung nutzen. "Das ist immer günstiger, als hohe Kreditzinsen zu zahlen."

Wer einen älteren Vertrag mit einer vergleichsweise hohen Verzinsung von drei Prozent oder mehr habe, könne durchaus dabeibleiben. «So viel Zinsen bekommen Sie derzeit nirgends.» Eine Alternative zur Kündigung könne in diesem Fall eine Beitragsfreistellung sein.

Auch Kunden, deren Vertrag bald ausläuft, sollten gut abwägen, ob ein Ausstieg lohnt. Denn am Ende der Laufzeit könne sich ein Vertrag auch auszahlen. Hier hilft ein Blick in die Standmitteilung. «Besser ist aber, Sie lassen das genau prüfen."

Eine Lebensversicherung zu kündigen, macht in der Regel keine Probleme. "Sie müssen ihrem Versicherer das schriftlich mitteilen", erklärt Castelló. Wichtig zu beachten: Die Versicherer sollten sich an die jüngste Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) halten. "Kunden haben nach einer Kündigung Anrecht auf etwa die Hälfte des eingezahlten Geldes", sagt die Verbraucherschützerin. Außerdem ist ein Stornoabzug unzulässig.

Alternativen zur Lebensversicherung: Haus, Aktien, Festgeld

Man verpflichtet sich jahrzehntelang, und wer früher aussteigt, macht derbe Verluste. Die Lebensversicherung galt lange als sicher, inzwischen wirft sie aber immer weniger ab. Zum Glück gibt es Alternativen.

Eine Kapital-Lebensversicherung gibt ein gutes Gefühl. Schließlich kümmert man sich mit ihr gleich um mehrere wichtige Bereiche: Die Hinterbliebenen des Versicherten bekommen Geld, wenn er stirbt, er erwirtschaftet Rendite, und er kann sich zusätzlich absichern, zum Beispiel gegen Berufsunfähigkeit. Aber sie zahlt sich immer seltener aus. Zum 1. Januar 2015 droht der Zinssatz für Neuverträge weiter zu sinken, von derzeit 1,75 Prozent auf maximal 1,25 Prozent. Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf stellt einige Alternativen vor:

Spareinlagen und Anleihen

Spareinlagen

Festgeld oder Tagesgeld seien quasi risikolos, sagt der Experte. Bleibt der angelegte Betrag unter 100 000 Euro pro Person und pro Bank, ist das Bank auch dann sicher, wenn die Bank pleitegeht. "Aber wenn ich mein Geld sicher anlege, darf ich keine hohen Zinsen erwarten", merkt Scherfling an. Seit einigen Jahren sind die Zinsen auf Tagesgeldkonten so gering, dass sie unter Umständen nicht einmal die Inflation ausgleichen - der Sparer macht also Verlust. Je länger es fest angelegt ist, umso höher ist der Zins.

Die Vorteile gegenüber der Lebensversicherung: Der Sparer ist deutlich flexibler, kann sein Geld täglich, auf Festgeldkonten unter Umständen jährlich, woanders anlegen, ohne direkt Verluste zu machen. Bei der Lebensversicherung fallen zu Beginn vergleichsweise hohe Kosten an: Diese sogenannten Abschlusskosten werden auf die gesamte Summe berechnet, also eventuell auf viele zehntausend Euro. Das Geld zahle der Versicherte in den ersten Jahren, erklärt Scherfling. Kündigt er schon nach fünf Jahren, ist es futsch.

Anleihen

Das Risiko sei deutlich höher als bei den Sparanlagen, sagt Scherfling. "Ich gebe ja jemandem einen Kredit: einem Staat, einem Unternehmen, einer Bank." Bei einer Pleite oder Insolvenz ist das Geld weg. «Das heißt nicht, dass wir raten, von Anleihen Abstand zu nehmen. Man sollte nur genau schauen, wem man sein Geld leiht." Grundsätzlich gelte: «Je höher der Zins, desto höher das Risiko." Auch das Geld einer Lebensversicherung steckt häufig in Anleihen. Bei einer Pleite oder Insolvenz des Emittenten fällt zwar unter Umständen die Überschussbeteiligung geringer aus. "Aber der Versicherte verliert nicht das gesamte Geld."

Immobilien und Aktienfonds

Immobilien

Wie beim Abschluss einer Lebensversicherung fallen auch beim Kauf einer Immobilie anfangs hohe Kosten an, etwa für den Notar oder das Grundbuchamt. Und: «Die Immobilie kann ich auch nicht von heute auf morgen verkaufen, aber ich kann sie immerhin überhaupt wieder verkaufen - je nach Lage und Zustand sogar mit Gewinn», erklärt Scherfling. Bei der Lebensversicherung sind die anfangs aufgewendeten Kosten unwiderruflich weg, wenn man sie kündigt.

Aktienfonds

"Es spricht nichts dagegen, einen Teil seines Vermögens in einen Investmentfonds zu investieren», sagt der Experte. Die Vorteile gegenüber der Lebensversicherung, in die man mehrere Jahrzehnte einzahlt: «Ich bin flexibler, ich kann die Sache jederzeit ändern.» Der offensichtliche Nachteil ist das Kursrisiko. «Bei der klassischen Lebensversicherung bekomme ich auf jeden Fall einen garantierten Zins auf den Sparanteil." dpa

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