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Smartphone für die Baustelle Kyocera Torque im Test: Handy mit Militärstandards

Wasserfest, staubdicht, stossfest, temperaturresistent – das Kyocera Torque will ein äußerst robustes Smartphone sein, das diverse Militärstandards erfüllt. Damit wäre das Handy der ideale Begleiter für Handwerker. Ob es hält, was es verspricht, zeigt der Test.

Kyocera Torque im Test: Handy mit Militärstandards
Das Torque im Wasser-Test: Einem Wasserbad hält es problemlos stand und reagiert danach genauso wie vorher. -

Auf der Baustelle müssen Smartphones einiges mitmachen: Wind, Sonne, Feuchtigkeit, Lärm oder Stürze aus mehreren Metern Höhe. Ein gewöhnliches Smartphone wie das iPhone 6 oder Samsung Galaxy Note 4 sind dafür trotz bester Technik weniger geeignet. Während die Smartphones der Masse anfällig für Umwelteinflüsse und raue Arbeitsbedingungen sind, zeichnet sich ein gutes Outdoor-Handy durch seine Widerstandsfähigkeit aus.

An diese Zielgruppe - zum Beispiel Handwerker oder Outdoor-Sportler richtet sich das Kyocera Torque. Die Deutsche Handwerks Zeitung konnte das Handy einem Härtetest unterziehen.

Der Hersteller Kyocera ist in Deutschland bisher vor allem durch seine Drucker ein bekannter Name, in den USA und Japan gehört das Unternehmen aber bereits jetzt zu den Top 5 auf dem Smartphone-Markt. Nun greift Kyocera auch in Deutschland mit dem Kyocera Torque an, das in den USA unter einem anderen Namen bereits verkauft wird.

Dass das Kyocera Torque für Handwerker ein Top-Smartphone ist, will der Hersteller mit einem kompletten Testkoffer unter Beweis stellen, den die Deutsche Handwerks Zeitung erreichte. Damit haben wir das Kyocera Torque mehreren Extremsituationen unterzogen. Laut Datenblatt erfüllt es nämlich den US-Militärstandard MIL-STD-810G und ist IP-zertfiziert gegen das Eindringen von Wasser und Staub.

Das Kyocera Torque im Test

Wasser-Test

Das Kyocera-Torque erfüllt die Norm IPX8 und soll damit bis zu 1,5 Metern Wassertiefe 30 Minuten stand halten. Wir tauchen das Torque im Büro für eine halbe Stunde in ein Wasserglas und prüfen im Außentest, ob es auch ein Bad in einer Pfütze durchhält. Beides meistert das Torque problemlos. Auch danach lässt sich das Torque sofort einschalten und reagiert verzögerungsfrei auf Eingaben. Der Test funktioniert sowohl, wenn das Gerät vor dem Wasserbad ausgeschaltet wird oder angeschaltet bleibt. Test bestanden.

Staub- und Schlamm-Test

Das Koycera Torque ist auch für seine Staubdichtigkeit IP-zertifiziert. Im Test wälzen wir das Smartphone im Schlamm und stauben es in einem Steinhaufen ein. Das Torque kümmert das wenig und es bleibt voll funktionstüchtig. Test bestanden.

Nässe-Test

Auf der Baustelle sind die Finger nicht immer trocken, Flüssigkeiten kleben häufig noch daran, wenn das Smartphone gerade gebraucht wird. Der Touchscreen der meisten Smartphones lässt sich dann gar nicht oder nur sehr ungenau bedienen, wenn die Finger nass sind. Nicht so beim Kyocera Torque. Trotz Feuchtigkeit gelingen die Eingaben exakt und schnell . Test bestanden.

Handschuh-Test

Ein Smartphone mit Handschuhen bedienen? Das funktioniert in den seltensten Fälle. Die modernen kapazitiven Touchscreens reagieren bei Berührung mit dem Finger durch eine Veränderung des elektrischen Felds. Bei der Berührung wird ein Teil der Ladung abgeleitet. Die Veränderung wird erkannt und so die Position des Fingers vom Smartphone bestimmt. Handwerker tragen bei ihrer Arbeit jedoch in aller Regel Handschuhe. Diese vor jedem Blick aufs Smartphone abstreifen zu müssen, ist lästig.

Das Kyocera Torque soll jedoch auch mit Arbeitshandschuhen bedienbar sein. Wir haben es mit Ski-, Gummi- und Wollhandschuhen ausprobiert. Während dies beim Test im Büro noch funktioniert, klappt es im Außeneinsatz nicht mehr. Auf die Eingaben mit Handschuh reagiert das Torque überhaupt nicht mehr. Warum es im Freien trotz mehrfacher Versuche nicht gelingt, lässt sich nicht nachvollziehen. Vielleicht handelt es sich um einen Einzelfall. Trotzdem gilt: Test nicht bestanden.

Kopfhörer-Test

Motorsägen, Bohrmaschinen oder Bagger - ein Ort der Ruhe ist die Baustelle oder Werkstatt wahrlich nicht. Wer jedoch während der Arbeit ein Telefongespräch führen will, hat das Nachsehen. Der Lärm macht es beim üblichen Smartphone praktisch unmöglich seinen Gesprächspartner zu verstehen.

Kyocera hat beim Torque dafür den so genannten "Smart Sonic Receiver" entwickelt. Dieser wandelt das akkustische Signal, das beim Telefongespräch durch die Lautsprecher auftritt, in eine mechanische Schwingung um. Hält der Torque-Nutzer das Smartphone nun nah genug an sein Ohr, wird es von diesem wieder in ein akkustisches Signal umgewandelt. So kann der Gesprächspartner auch bei Krach in der Werkstatt noch verstanden werden. Im Test funktioniert das problemlos - selbst wenn während des Telefonats dicke Baustellenkopfhöhrer getragen werden. Test bestanden.

Sturz-Test

Fällt ein gewöhnliches Smartphone aus der Hosentasche auf einen Steinboden, ist es oft ein Glücksspiel, ob das Display den Sturz übersteht. Einige Top-Smartphones für die Masse, wie etwa das neue Galaxy S6, sind durch die Verwendung des Schutzglases "Gorilla Glass 4" schon ziemlich robust.

Das Kyocera Torque soll auch größere Stürze wegstecken können. Im Test lassen wir es gleich mehrmals aus ein bis zwei Metern Höhe auf verschiedene Oberflächen knallen. Das geht nicht ganz spurlos am Torque vorbei. Auf dem Gehäuse befinden sich schnell ein paar Kratzer. Doch das wichtigste am Smartphone - der Bildschirm - bleibt unversehrt. Nicht ein Kratzer findet sich auf ihm wieder. Test bestanden.

Wer schon häufiger sein gewöhnliches Smartphone zur Reparatur des Displays eingeschickt hat, dürfte die Robustheit zu schätzen wissen. Ob auch Stürze aus größeren Höhen bruchfrei ausgehen, bleibt aber trotzdem ein Glücksspiel.

Smartphone zum Anpacken

Die Spezial-Tests für ein Handwerker-Smartphone hat das Kyocera Torque weitgehend bestanden. Nur beim Handschuh-Test im Freien ist es durchgefallen. Doch was bietet das Torque sonst an Ausstattung. Kann es in anderen Disziplinen mit gewöhnlichen Smartphones mithalten?

Schon beim ersten Ansehen und Anfassen ist klar, dass das Torque sich nicht an modisch orientierte Käufer richtet, die ein Statusobjekt suchen. Die modisch Eleganz eines HTC One fehlt dem Torque, dass ist aber auch gar nicht beabsichtigt.

Das Torque liegt dank gummierter Flächen und angerautem Plastik griffig und fest in der Hand. Es wirkt zwar etwas klobig, ist mit 182 Gramm aber noch verhältnismäßig leicht für so ein robustes Handy. Zum Vergleich: Ein aktuelles Massen-Smartphone wie das LG G3 bringt 149 Gramm auf die Waage. Das ist zwar ein merklicher Gewichtsunterschied, aber keine Welt.

Mit Abmessungen von 136 x 68 x 13,5 Millimetern ist das Torque für seinen 4,5 Zoll großen Bildschirm relativ kompakt und passt noch gut in die Hosentasche. Als Vergleichsbeispiel dient etwa das Sony Xperia Z3 Compact. Es hat einen ähnlich großen Bildschirm (4,6) Zoll und misst 127 x 65 mm x 8,6 Millimeter. In Länge und Breite sind die Unterschiede damit gering. Nur bei der Bautiefe macht sich bemerkbar, dass das Torque eben auf Robustheit getrimmt ist.

Ganz auf Handwerker ausgerichtet sind auch die vielen echten Bedienknöpfe, die es beim Torque gibt. Statt der modernen Touchscreen-Knöpfe für das Betriebssystem, sind unter dem Bildschirm drei Hardware-Tasten verbaut. Auch für die Kamera und die Lautstärkeregelung gibt es echte Tasten.

HD Ready und KitKat

Einem modernen Mittelklasse-Smartphone entspricht die technische Ausstattung des Kyocera Torque. Der Bildschirm löst mit 1.280 x 720 Pixel auf. Bilder und Videos wirken auf dem Torque damit natürlich nicht so gestochen scharf wie auf den neuen QHD-Displays , wie etwa im Samsung Galaxy Note Edge. Trotzdem ist der Bildeindruck absolut ok für ein Outdoor-Handy und wirkt nicht pixelig. Bei Sonnenlicht lässt sich das Display allerdings nur schlecht ablesen. Auch die Blickwinkelstabilität könnte besser sein. Die Helligkeit ist dagegen völlig in Ordnung.

Auch das Arbeitstempo erhält das Prädikat "solide". Vier Rechenkerne sind verbaut, die mit 1,4 GHz getaktet sind. Hinzu kommen zwei GigaByte Arbeitsspeicher. Das sorgt für flüssiges Wischen durch die Menüs, und einen raschen Start von Apps. Aufwendige 3D-Spiele aus dem Google-Play-Store laufen auf dem Torque natürlich nicht ruckelfrei.

Als Betriebssystem kommt Android 4.4 (Kit Kat) zum Einsatz. Das Design des Betriebssystems wurde jedoch etwas umgestaltet und soll wohl den "Arbeiter-Look" des Torque unterstreichen. Das ist Geschmacksache. Die DHZ-Tester finden das Design eher etwas altbacken. Ob es ein Update auf das neue Android 5 geben wird, ist unbekannt.

Schwache Kamera, toller Akku

Mittelklasse verspricht auf dem Datenblatt auch die Kamera des Kyocera Torque. Acht Megapixel hat die Hauptkamera, für Selfies ist eine Front-Kamera mit zwei Megapixeln an Bord. Im Freien weiß die Bildqualität des Torque durchaus zu gefallen. Die Bilder wirken sehr solide für ein Smartphone - Schärfe, Farbeindruck und Kontrast hinterlassen einen guten Eindruck. Wer also vornehmlich auf der Baustelle mit dem Torque fotografiert, kann die Kamera gut nutzen.

In geschlossenen Räumen - zum Beispiel der Werkstatt - lassen die Aufnahmen allerdings stark nach. Ein deutliches Rauschen ist hier zu vernehmen und die Farbdarstellung wirkt künstlich. Das geht auch in der Mittelklasse besser, wie etwa die günstigen Lumia-Modelle von Microsoft zeigen.

Überzeugen kann dagegen der Akku. Eine Kapazität von starken 3.100 mAh stehen auf dem Datenblatt. Im Praxistest hält das Torque bei mittelmäßiger Belastung locker zwei Arbeitstage durch. Da können einige Smartphones der Oberklasse nicht mithalten, wo tolle Bildschirme häufig die Akkuleistung auffressen.

Vernetzung und Anschlüsse

Ein weiterer Pluspunkt des Torque: Es unterstützt den schnellen Mobilfunkstandard LTE. Auch Bluetooth 4.0 und NFC für kontaktloses Bezahlen sind dabei. Ab Werk stehen 16 Gigabyte Datenspeicher zur Verfügung, der erfreulicherweise per MicroSD-Karte um bis zu 128 GigaByte erweitert werden kann. Jede Menge Platz also für Musik, Fotos, Dokumente und Videos.

Verfügbarkeit und Preis

Das Kyocera Torque lässt sich über den Online-Handel inzwischen ab rund 370 Euro erwerben, da es schon eine Weile erhältlich ist.

Fazit

Das Kyocera Torque hat im Test seine Robustheit unter Beweis gestellt und ist für Handwerker, die einen mobilen Begleiter für Baustelle oder Werkstatt suchen, das vielleicht beste Gerät, was derzeit verfügbar ist. Es ist zwar etwas klobiger als ein gewöhnliches Smartphone, aber nicht so extrem wie bei manch anderem Outdoor-Handy. Ein kleines Manko ist die Kameraqualität.

Kyocera Torque im Überblick  
 
Robustheit  
 
 
Verarbeitung  
 
 
Kamera  
 
 
Akku  
 
 

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Kommentare

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Roger Warmuth

Kyocera Torque hält Sturz aus 90 cm nicht stand

ch habe mir nach langer Überlegung ein Kyocera Torque zugelegt. Eben weil es auf der Baustellenalltag eben nicht so zimperlich zugeht. Mein altes Sonim hielt da einiges aus, also war die Messlatte schon ziemlich hoch. Leider fiel mir das Smartphone dummerweiseaus der Hand (ca. 90 cm auf Asphalt). Ich dachte mir, macht nix du hast ja ein robustes Smartphone. Weit gefehlt. Das Display hatte einen Sprung. Also an den Kundendienst schicken und an die Robustheit appellieren. Die Antwort: "mechanische Schäden sind von der Garantie ausgenommen". Also für was gebe ich mehr Geld für ein robustes Telefon aus? Nun so wie es aussieht gibt es keinerlei Ersatzteile für das Telefon. Das der Akku nicht tauschbar ist wusste ich vorher, aber dass eine Reparatur oder der Austausch eines defkten Glasses nicht möglich ist war mir nicht bekannt. Ich bekam eine "Angebot" ein neues Gerät für 200€ zu kaufen. Was soll ich aber mit einem Telefon auf der Baustelle, was nicht einmal hinfallen kann? Im Vergleich zu den "echten" robusten Geräten fällt natürlich das schlanke Design des Kyocera Torque auf. Eine Gummierung gibt es nicht. Fällt das Telefon dumm auf die Kante, ist das Display wenig geschützt. Schade, denn sonst war ich mit dem Telefon zufrieden. Updates gibt es zwar keine, aber wenn ein System funktioniert brauche ich das nicht. Ich werde noch eine Weile das Telefon mit dem Sprung im Glas nutzen und das Geld dann lieber in ein Telefon eines hoffentlich kulanteren Herstellers stecken, welcher ein Bbaustellentaugliches Gerät lieferen kann. Wer also ein wirklich robustes Gerät sucht, ist mit dem Kyocera Torque schlecht bedient.