Deutscher Nutzfahrzeugpreis 2012 Kurzeinschätzung aller Fahrzeuge

Insgesamt zwölf Doppelkabinen mit Pritsche haben sich um den Deutschen Nutzfahrzeugpreis 2012 beworben. Hier finden Sie eine kurze Bewertung für jedes Fahrzeug, denn unabhängig vom Endergebnis haben alle ihre Stärken und Schwächen. Eine Einschätzung von Jurymitglied Robert Domina.

Zwölf Doppelkabinen mit Pritsche und einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen bewarben sich in diesem Jahr um den Deutschen Nutzfahrzeugpreis. - © Steudel
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Citroën Jumper

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Citroen Jumper

Der Jumper liegt mit Rang sieben direkt hinter seinem weitgehend baugleichen Pendant Peugeot Boxer, aber deutlich vor seinem ebenfalls baugleichen Kollegen Fiat Ducato. Vergleichsweise schlecht wird die Qualität der Passagierkabine bei allen Dreien bewertet – die Noten rangieren zwar noch vor den beiden Frontlenker-Lkw Renault Maxity und Isuzu, liegen aber deutlich hinter den anderen Konkurrenten.

Besonders schwach empfanden die Tester aus dem Handwerk offenbar die Punkte Platz-/Sichtverhältnisse, Ablagen und Variabilität in der Passagierkabine. Aber auch die Bewertung der Pritschen fiel durchwachsen aus. Die Qualitätsanmutung der überwiegend in Hartplastik gehaltenen Armaturenbretter fand darüber hinaus ebenso wenig Anklang, wie der schwierige Zugang zum Reinigen der Windschutzscheibe.

Fiat Ducato

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Fiat Ducato

Obwohl der Ducato sowohl beim Fahren als auch in der Standwertung etwas besser abschneidet als die baugleichen Citroën und Peugeot, liegen die beiden Franzosen in Sachen Betriebskosten deutlich vor dem Italiener. Dennoch  konnte der Fiat mit seiner 180 PS-Motorisierung auch beim Fahren (alle anderen Modelle bis auf den Isuzu waren mit 125 bis 135 PS am Start) nicht wirklich überzeugen.

Ford Transit

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Ford Transit

In der Gesamtwertung erreichte der Ford einen respektablen fünften Platz. Traditionell erweist sich der Transit als kostengünstiger Transporter, kein Wunder, dass er in der Disziplin Wirtschaftlichkeit auf Platz drei landet. Allerdings bescheinigen ihm die Tester leichte Mängel beim Fahrkomfort – die Fahrprüfung absolviert er nur mit Platz 10, Lenkung, Wanken und die enge Pedalerie stören viele der Tester, aber nicht alle.

Auffallend: Entweder man liebt den Transit oder mag ihn gar nicht. Viele hervorragende Wertungen (z.B. Design und Wartung) wechseln ab mit relativ schlechten Noten (Fahrsicherheit, Kurven, Wankverhalten).

Iveco Daily

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Iveco Daily

Sehr gute Noten erzielt der Daily in der Standwertung bei Kabine (2,08) und Pritschenqualität (2,01!); was Platz vier in der reinen Standwertung bedeutet. Weniger gefällt einmal mehr das Passagierabteil, hier führen Schwächen bei Heizung, Lüftung, Ablagen und Sichtverhältnissen zur Abwertung. Beim Fahren bemängeln viel Tester die Eigenschaften bei Lenkung und Wendigkeit und das Kurvenverhalten (3,0). Auch beim Daily scheiden sich die Tester offenbar in zwei Lager: entweder man mag ihn – oder eben nicht.

Isuzu N-Serie

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Isuzu N-Serie

Das Wertefeld der Jury ist beim Isuzu eher von roten (ab Note drei) denn grünen Feldern (eins und zwei) geprägt. Besonders die Fahrerkabine bekommt schlechte Noten, außer beim Einstieg: Der niedrige Einstieg kann gefallen. Weniger gefällt die Qualität und Verarbeitung in beiden Teilen der Doppelkabine. Noch ein Highlight: Die Erreichbarkeit der Windschutzscheibe wird sehr gut bewertet (1,7), ebenso die Anhängelast. Aber auch die Pritsche kommt mit einer 2,6 sehr gut in der Bewertung weg.

Das Frontlenker-Konzept mit Lkw-Basis polarisiert: Platz eins in der Disziplin Wirtschaftlichkeit, letzter Platz in der Standwertung, vorletzter bei den Fahreindrücken. Letzteres liegt aber nicht an der gebotenen Performance des Motors. Der wird sogar sehr gut bewertet (2,08), was wohl zu einem großen Teil an der kurzen Gesamtübersetzung liegt, die den Antriebsstrang überaus spritzig und agil wirken lässt. Die schlechten Noten im Handling (Wanken, Lenkung, Wendigkeit usw.) relativieren jedoch die wenigen Glanzlichter.

Mercedes Sprinter

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Mercedes-Benz Sprinter

Der Sprinter ist das klassische Beispiel dafür, dass sich die Attraktivität durch Qualität sehr schnell durch einen hohen Einstandspreis relativieren kann. Auf Grund seines hohen Einstandspreises landet der Mercedes auf dem letzten Platz der Kostenrechnung, bei der Standwertung und beim Fahren jedoch auf Platz 1. Aber auch der Sprinter hat einige rote Felder, nämlich betreffend der Platz- und Sichtverhältnisse und der Ablagen, die nicht jedem Tester gefallen. Bis auf wenige Ausreißer überwiegt jedoch die Farbe grün für die Noten 1 und 2., vor allem die Fahrprüfung absolviert der Daimler glänzend.

Die hohen Kosten betreffen übrigens nicht den Aufwand für die Wiederherstellung eines angenommenen Unfallschadens: hier rangiert der Sprinter auf Platz zwei hinter den punktgleichen Fiat Ducato, Ford Transit und VW Crafter. (Allerdings werden die hohen Beschaffungskosten auch nicht durch einen möglicherweise höheren Wiederverkaufswert des Sprinter relativiert.)

Nissan NV 400

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Nissan NV400

Die heckangetriebene Nissan-Doka belegt in dieser Konkurrenz einen respektablen vierten Platz. Platz 8 beim Preisgefüge verhindern eine bessere Gesamtwertung. Beim Fahren und in der Standwertung belegt der Nissan einen guten fünften Rang, wobei die Fahrerkabine überdurchschnittlich gut bewertet wurde (2,11), die Raumverhältnisse der Passagierkabine aber eher schlechter (2,71). Insgesamt eine sehr ausgewogene Bewertung mit wenig Auffälligkeiten in beide Richtungen.

Opel Movano

Wenn im Pritschenfahrzeug wie im Opel Movano Allradtechnik an Bord ist, lässt es sich leicht durchs Baustellengelände kommen. - © Andreas Bröckel
auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Opel Movano

Der zum Nissan weitgehend baugleiche Opel Movano schneidet in der Stand- und Fahrwertung nur sehr wenig schlechter ab als der Nissan, kann aber durch seine günstigere Preisgestaltung überzeugen. Sein bis auf die eher durchwachsenen Noten für die Passagierkabine sehr ausgewogenes Gesamtbild befördern ihn auf Platz drei der Gesamtwertung. An den ebenfalls baugleichen Renault Master kommt er jedoch nicht heran. Während Opel und Nissan jeweils heckgetriebene Fahrzeuge an den Start schickten, hatte sich Renault für einen Fronttriebler entschieden.

Peugeot Boxer

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Peugeot Boxer

Ginge es nur nach dem Fahreindruck, wäre der Peugeot Boxer viel weiter vorne gelandet als auf Platz sechs der Gesamtwertung. Durch die Bank bescheinigen die Tester dem Peugeot ein ausgesprochen gutes Fahrverhalten mit nur wenigen Ausreißern der Note drei und vier.

Weniger Gefallen fanden die Tester an der Passagierkabine. Hier liegen die baugleichen Peugeot, Citroen und Ducato gleich hinter den ungeliebten Frontlenker-Konkurrenten Isuzu und Renault Maxity. Gleiches gilt für das eher durchwachsene Bild der Pritschen-Noten: Bordwände und Verschlüsse fanden weitgehend nur ausreichende Beurteilung.

Renault Master

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auto Deutscher Nutzfahrzeugpreis 2012, Renault Master

Der Sieger punktet durch überwiegend gute Benotungen in allen Disziplinen. Gewisse Schwächen, die die Tester in der Qualität Passagierkabine sahen, konnte der frontangetriebene Franzose in der Gestaltung des Fahrerplatzes aber auch in der Fahrwertung (2,04) mehr als kompensieren. Platz eins in der Kostenrechnung und stabile vordere Plätze in Stand- und Fahrwertung machen aus dem Renault einen Siegertypen.

Renault Trucks Maxity

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Renault Maxity

Der Maxity bildet das Schlusslicht in der Wertung – letzter Platz für den Kompakt-Lkw mit Frontlenker-Kabine. Während der Isuzu aufgrund seiner günstigeren Kostenstruktur noch vor dem Maxity landen konnte, kann der Franzose nicht mit besonders günstigen Preisen punkten. Dazu kommen vergleichsweise deutliche Defizite in der Bewertung der Kabinen. Mit einer Ausnahme: Der niedrige Einstieg sowohl vorne wie auch hinten gefiel vielen Testern.

In der Disziplin Design und Wartung schneiden Maxity wie Isuzu jedoch deutlich schlechter ab als die Kurzhauber-Konkurrenz. Das wundert wenig, sind doch die Doppelkabiner dieser Frontlenker fest montiert und die Motoren für die Wartung nur über hochschwenkbare Klappen zugänglich. Die hohen Motorkisten behindern auch den Durchstieg vorne und Fußraum hinten, was ebenfalls mit schlechten Noten goutiert wurde. Gefallen konnte am Maxity die robuste Qualität der Pritsche. Beim Fahren führten Geräuscheintrag, Fahrkomfort und die Gesamtabstimmung des Antriebstranges zu deutlichen Abwertungen.

VW Crafter

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auto Nutzfahrzeugpreis 2012 Crafter

Die Standwertung konnte der Crafter mit Platz zwei abschließen – noch vor dem Sieger Renault Master. Beim Fahren hatte der Renault jedoch die Nase vorm Crafter und ebenfalls mit weitem Abstand bei der Kostenrechnung. Und das, obwohl der Crafter mit dem "Handwerker-Familien-Paket" antrat, das einen Preisvorteil von 2.500 Euro gewährt.

Größere Unterschiede notierten die Tester bei der Abstimmung des Antriebsstranges: Hier sammelt der Renault durchweg gute und sehr gute Noten (2,04), während beim Crafter Motorleistung, Gesamtübersetzung und auch die Schaltung insgesamt eine Nuance schlechter beurteilt wurden (2,18). Im Vergleich zum Mercedes Sprinter konnten die Tester Vorteile für den Mercedes in der Qualität der Passagierkabine (2,27 zu 2,63) ausmachen, ebenso in der Qualität der Pritsche (2,31 zu 2,47). Bei der Fahrbeurteilung lag der Mercedes wegen seiner als harmonischer empfundenen Motor- und Antriebsstrang-Auslegung ebenfalls mit 1,95 zu 2,18 vor dem Crafter.