Ab September will die EU die Gebühren für Zahlungen mit Kreditkarten europaweit vereinheitlichen. Die Gebühren sollen gedeckelt werden. Was Bankkunden in der EU und in Deutschland nun erwarten können.

Mehr Klarheit über mögliche Kosten ist das Ziel der neuen Bankenregeln für Kreditkartengebühren. Derzeit sind die Sätze in den 28 EU-Ländern sehr unterschiedlich. In Deutschland gilt ein Limit von 1,8 Prozent. Künftig sollen in allen EU-Ländern die gleichen Gebühren fällig werden.
Voraussichtlich ab September soll dann bei Kreditkarten ein einheitliches Limit gelten. Ob der Einkauf billiger wird, weil Händler die Ersparnis an die Verbraucher weitergeben, muss sich allerdings noch zeigen.
Diese Änderung hat das EU-Parlament beschlossen
Künftig gibt es Grenzen für die sogenannten Interbankenentgelte. Diese Gebühren stellt die Bank des Kunden der Bank des Händlers in Rechnung, wenn der Kunde per Karte zahlt. Die Höhe bemisst sich am Einkaufswert. Die Bank zieht diese Gebühr von dem Zahlbetrag des Händlers ab. Das bekommt letztlich auch der Kunde zu spüren, weil der Händler oder Dienstleister die Kosten auf den Endpreis schlägt. Die EU-Kommission rechnet vor: Kauft ein Kunde eine Kamera für 100 Euro und zahlt mit Karte, fallen bei einer Zahlung mit Maestro im Schnitt 30 Cent an. Benutzt der Käufer eine Kreditkarte, ist es 1 Euro; bei einer Mastercard Gold erhöht sich der Betrag auf 1,50 Euro, bei einer Diners Karte auf 2 Euro.
Diese neuen Obergrenzen gelten
Für Kreditkarten gilt bei den Entgelten ein Limit von 0,3 Prozent des Zahlbetrags, für Debitkarten – etwa die in Deutschland beliebten EC-Karten – 0,2 Prozent . Bislang sind die Sätze in den 28 EU-Staaten sehr verschieden, Deutschland steht mit einem Limit von 1,8 Prozent bei Kreditkarten an der Spitze. Die Vorgaben gelten bei inländischen sowie grenzüberschreitenden Zahlungen. Für Debitkarten können die EU-Staaten alternativ eine Gebühr von fünf Cent einführen. Bei Bargeld-Abhebungen an Geldautomaten greifen die Limits nicht.
Wer davon profitiert
In erster Linie Einzelhändler und Dienstleister. Nach Berechnungen der EU-Kommission zahlen Europas Einzelhändler derzeit jedes Jahr etwa zehn Milliarden Euro an Extrakosten bei Kartenzahlungen. Diese Summe werde um sechs Milliarden Euro sinken.
Wenig Aussicht auf Ersparnis für Bankkunden
Das Europaparlament geht davon aus, dass die Händler die Einsparungen an den Kunden weitergeben. Zahlen nennt das Parlament nicht. Allerdings könnten kostenlose Kreditkarten künftig auch seltener werden. Die Anbieter von Kreditkarten planten bereits, zum Ausgleich von den Verbrauchern höhere Jahresgebühren für Kreditkarten verlangen. Angedacht werde auch, die mit den Karten verbundenen Leistungen – etwa Versicherungen, Punkte-Aktionen oder Bonusmeilen – einzuschränken. Die Deutsche Kreditwirtschaft erwartet keine Entlastung für den Verbraucher und warnt, die neuen Regeln würden „die Wirtschaftlichkeit von Kartenzahlungen in Frage stellen.“
Mehr Transparenz
Abrechnungen sollen besser verständlich werden. „Künftig ist klar ersichtlich, wie hoch die Entgelte bei Kartenzahlungen sind und wer sie bekommt“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Burkhard Balz. Bisher sind die Entgelte oft verschleiert oder werden quersubventioniert.
Diese Kreditkartenanbieter sind betroffen
Vor allem die beiden Marktführer, die US-Unternehmen Mastercard und Visa sind von den neuen Regeln betroffen. Sie haben gemeinsam einen Marktanteil von 90 Prozent. Seit Jahren geht die EU-Kommission gegen deren Gebühren vor, die aus ihrer Sicht überhöht sind. Ausgenommen von den neuen Regeln sind American Express und Diners Club, weil sie ihre Karten selbst ausgeben und ohne zwischengeschaltete Banken auskommen. Auch Firmenkarten, die nur für geschäftliche Zahlungen benutzt werden, sind ausgenommen. dpa