Rund 1,3 Millionen Deutsche hängen an der Flasche. Weniger bekannt ist, dass bis zu 1,9 Millionen Deutsche medikamentenabhängig sind. Sucht ist ein Alltagsproblem und die meisten Menschen hängen an legalen Drogen, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in ihrem Jahrbuch „Sucht 2012“ feststellt.
Barbara Oberst
Wer süchtig ist, kann sein Bedürfnis, einen bestimmten Erlebniszustand zu erreichen, nicht mehr kontrollieren. Entweder er braucht einen bestimmten Stoff wie Alkohol, Medikamente, Nikotin oder illegale Drogen, um diesen Zustand zu erreichen. Oder es ist ein Verhalten, das ihn süchtig macht, beispielsweise sein Ess- oder Spielverhalten. Häufige Suchtauslöser sind:
Alkohol
Die „Volkssucht“ entwickelt sich meist über Jahre und nicht jedem Betroffenen sieht man seinen problematischen Alkoholkonsum an. Kritisch ist der Konsum schon dann, wenn eine Frau täglich mehr als 12 Gramm, ein Mann mehr als 24 Gramm reinen Alkohol konsumiert. 0,3 Liter Bier haben bereits 13 Gramm Alkohol, 0,2 Liter Wein beinhalten durchschnittlich 16 Gramm Alkohol (Angaben laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen).
Abgesehen von den langfristigen gesundheitlichen Schäden – jährlich sterben 74.000 Menschen in Deutschland an den Folgen von Alkohol – ist der Alltagsbetrieb im Unternehmen durch Alkohol stark gefährdet. Schon bei 0,2 Promille vermindert sich die Sehleistung, verlängert sich die Reaktionszeit, lassen Konzentration und Urteilsfähigkeit nach. Bei 0,3 Promille verdoppelt sich die Unfallgefahr im Vergleich zu 0 Promille, mit 1,5 Promille verunglücken Menschen 16-mal häufiger als Nüchterne. Suchtberater plädieren deswegen für die „Punktnüchternheit“ im Betrieb, eine freiwillige Nullpromillegrenze, die für alle bei der Arbeit gilt.
Medikamente
Aufputschen, beruhigen oder Schmerz stillen: Medikamentenabhängigkeit beginnt oft schon im Kindesalter. Wird der Druck zu hoch, greifen bereits Schüler zu leistungssteigernden oder beruhigenden Mitteln, eine Praxis, die sich bei Erwachsenen fortschreibt. Weltweit zählen Beruhigungsmittel zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln, die Missbrauchsraten bei Entspannungs-, Beruhigungs- und Schlafmitteln sind hoch, gefolgt von denen bei leistungssteigernden Medikamenten. Beim Hirndoping konsumieren Gesunde gezielt Medikamente, um in der Schule, im Studium oder bei der Arbeit konzentrierter zu sein. Gleichfalls als Suchtmittel missbraucht werden Schmerz- und Betäubungsmittel.
4 bis 5 Prozent aller häufig verschriebenen Medikamente haben ein eigenes Suchtpotenzial, und auch wenn der Arzt die Einnahme verordnet, sind die Nebenwirkungen im Arbeitsleben kritisch: Gedächtnisstörungen, verminderte Reaktionszeiten, beeinträchtige Muskelfunktion, Benommenheit oder Selbstüberschätzung erhöhen die Unfallgefahr erheblich.
Rauchen
Nikotin hat ein mit Kokain oder Morphin vergleichbares Suchtpotenzial. Schon nach kurzer Zeit ist der Raucher abhängig. Auf das Arbeitsleben hat diese Sucht – abgesehen von den Rauchpausen – auf den ersten Blick keine negativen Folgen. Doch Raucher sind häufiger krank als Nichtraucher. Neben Atemwegserkrankungen wie Bronchitis leiden sie wesentlich häufiger an Krebserkrankungen. Über 100.000 Deutsche sterben jedes Jahr an den Folgen ihres Tabakkonsums.
Essstörungen
Essstörungen wie Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder das Binge-Eating (Essanfälle) sind der Versuch, mit Essen oder Nicht-Essen Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Störungen werden als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter bezeichnet und haben negative Auswirkungen auf die körperliche und psychische Verfassung der meist weiblichen Betroffenen.
Glücksspiel
Mehr als 260.000 Menschen sind in Deutschland glücksspielsüchtig, noch einmal so viele sind gefährdet. Sie verwetten ihr Geld auf Ereignisse, deren Ausgang vom Zufall abhängt. Betroffene denken nur noch an ihr Spiel und haben keinerlei Kontrolle mehr über ihr Spielverhalten. Beim Glücksspiel entsteht vergleichsweise schnell eine Abhängigkeit. Vor allem die sozialen Folgen sind dramatisch, da Betroffene nicht nur ihr eigenes Hab und Gut, sondern häufig auch das ihrer Familien und Freunde verspielen. Spätestens bei Lohnpfändungen oder der Bitte um Vorschüsse sollte das Umfeld aufmerksam werden und mit dem Betroffenen sprechen.
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