Die Rezession im Euroraum setzt der deutschen Wirtschaft zu. Die Warenlieferungen dorthin nahmen 2012 um zwei Prozent ab. Auch im Inland wurden die Investitionsbudgets gekürzt. Das verarbeitende Gewerbe musste seine Produktion zuletzt drosseln. Saison- und kalenderbereinigt gab das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Schlussvierteljahr um 0,5 Prozent zum Vorquartal nach. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich das Tiefdruckgebiet nicht allzu lange über Deutschland hält.
Umfragebasierte Indikatoren wie das ifo-Geschäftsklima tendierten zum Jahresende hin fester. Das Konsumklima, das die GfK ermittelt, kühlte im Herbst ab. Deutschlands Verbraucher waren angesichts der Konjunktureintrübung verunsichert.
Auf der anderen Seite festigte die positive Einkommensentwicklung den Konsum. Der Einzelhandel war zumindest mit dem Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft zufrieden. Letztlich gelang es der Branche, die nominalen Umsätze 2012 um zwei Prozent auszuweiten.
Lebensmittel und Energie sind Preistreiber
Die Verbraucherpreise stiegen im Herbst um 2,0 Prozent gegenüber 2011. Treibende Kräfte waren Lebensmittel und Energieprodukte. Dabei schlägt die hartnäckige Verteuerung der Grundstoffe – zum Beispiel Getreide, Fleisch, Mineralöl – auf der vorgelagerten Großhandelsstufe durch. Mit Blick auf die fallenden Steigerungsraten bei den Einfuhrpreisen dürfte sich die Inflation in nächster Zeit aber abkühlen.
Die schwächere Dynamik der Weltwirtschaft und die Sparkurse der verschuldeten Euroländer belasten den Außenhandel. Auf der anderen Seite ist die Produktpalette der deutschen Unternehmen auf die aufstrebende Nachfrage der USA und der Schwellenländer zugeschnitten. Somit wächst die Ausfuhr insgesamt weiter. Im Zeitraum September bis November legte sie auf Jahressicht um zwei Prozent zu.
Geringere Nachfrage nach Krediten
Mit der Eintrübung der Geschäftsaussichten sinkt gewöhnlich die Investitionstätigkeit. Die inländischen Bestellungen von Investitionsgütern bestätigen das; ihr Wert lag zwischen Januar und November 2012 um gut fünf Prozent niedriger als im Vorjahr. Die dahinterstehende Zurückhaltung findet ihren Ausdruck auch in der geringen Nachfrage nach Bankkrediten.
Am Arbeitsmarkt ist der Abbau der Erwerbslosigkeit zum Stillstand gekommen. Im Dezember ging die Zahl der registrierten Arbeitslosen sogar um 2,1 Prozent über den Stand Ende 2011 hinaus. Dafür ist zum einen die nachlassende Dringlichkeit von Einstellungen verantwortlich. Auf der anderen Seite müssen die Unternehmen immer länger suchen, bis sie qualifizierte Arbeitslose für offene Stellen finden. we/los