Vor 50 Jahren wurde der Élysée-Vertrag geschlossen. Auch das Handwerk pflegt die deutsch-französische Freundschaft und bietet seinen Lehrlingen spannende Auslandserfahrungen. Ein paar Nachwuchshandwerker berichten von ihren Eindrücken bei den Nachbarn.
Steffen Guthardt und Karin Birk

Sandra Drehmann erinnert sich gerne an ihren Aufenthalt in Frankreich. "Weniger Stress und viel mehr Ruhe und Gelassenheit." Das ist für sie der größte Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen.
Dass das Savoir-vivre nicht nur ein Klischee ist, erfuhr die 20-Jährige aus Thüringen, als sie im Herbst 2011 für drei Wochen das ostfranzösische Handwerk erkundete. Die junge Konditorin arbeitete in der kleinen französischen Stadt Vesoul in einer Patisserie. Von sechs Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags buk sie französische Spezialitäten wie Croissants, Baguette und kalorienreiche Törtchen. Auch eine Bäckermesse in Lure konnte sie besuchen und die Vielfalt des französischen Konditorenhandwerks kennenlernen.
Verständigungsschwierigkeiten mit ihren Kollegen gab es kaum: "Wir haben es auf Deutsch, Englisch oder Französisch versucht", erinnert sie sich mit einem Schmunzeln. Die Erfahrung möchte sie nicht missen und würde jederzeit wieder an einem solchen Programm teilnehmen.
Neue Kontakte knüpfen
Organisiert wurde der Lehrlingsaustausch von der Handwerkskammer Erfurt, die bereits kurz nach der Wende, im Jahr 1992, die Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Haute-Saone in Lure aufnahm. Erfurt ist eine von zahlreichen Handwerkskammern in Deutschland, die die deutsch-französische Zusammenarbeit pflegen.
Die Kammerpartnerschaften besitzen mehr als einen ideellen Wert. Neben der Förderung von wirtschaftlichen und politischen Beziehungen erhalten Nachwuchshandwerker beim Lehrlingsaustausch Einblicke in eine andere Handwerkskultur, von denen sie fachlich und persönlich profitieren können.
Die 23-jährige Wendolys Contreras-Aquilar nutzte den Lehrlingsaustausch der Handwerkskammer Dresden und durfte für drei Wochen in einer Konditorei bei Paris arbeiten. Begeistert berichtet sie von dem hohen Qualitätsanspruch der französischen Bäcker, die trotzdem immer ein freundliches Wort für die Kollegen haben. "Billige Produkte sind hier nicht gefragt", sagt sie und ergänzt: "Die Kunden legen hier vor allem Wert auf Frische und Geschmack, der Preis ist zweitrangig." Der Lehrlingsaustausch habe sie für ihre Ausbildung in Deutschland weitergebracht.
Nicht alle haben Glück
Es kann aber auch anders laufen, wie Lara Metzler zu berichten weiß. Die Friseurin nahm 2012 am Junghandwerkeraustausch der Handwerkskammer Unterfranken teil. Viel Handwerkliches habe sie in dem besuchten Betrieb in Nordfrankreich nicht dazugelernt. Sie durfte zwar überall ein bisschen reinschauen, aber ihr Können nicht unter Beweis stellen. "Anstatt den Kunden sollte ich den Mitarbeitern die Haare waschen und schneiden", sagt die angehende Meisterin. Auch die Kommunikation sei schwierig gewesen, weil fast alle Mitarbeiter nur französisch sprechen konnten. Spannend fand sie jedoch, dass die Männerfrisuren, im Gegensatz zum deutschen Handwerk, kaum mit der Schere, sondern mit dem Messer geschnitten wurden.
Das Austauschprogramm der Kammern richtet sich vor allem an Bäcker- und Friseurlehrlinge. Der angehende Schreiner Fabian Nack bildet da eine Ausnahme. Der 20-Jährige aus Wiesbaden sammelte in Avignon neue Erfahrungen. "Der Betrieb hatte viel zu tun und es war ein gutes Team", sagt Nack. Vor Ort baute er Fensterschalungen. Im Kleinbetrieb in Wiesbaden hatte er so etwas noch nie gemacht. Von dem Austausch hat er auch persönlich profitiert. "Er war danach total aufgeräumt", berichtet sein Chef, der Tischlermeister Harry Krick. Grenzüberschreitende Projekte des Handwerks wie dieses hält er für sinnvoll.