Am 9. März startet der billionenschwere Kauf von Staatsanleihen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will damit weiter sinkende Preise verhindern. Wirtschaftsforscher halten das Programm für "zu optimistisch".

Europas Währungshüter wollen die Inflation 2015 auf 0,0 Prozent halten und damit noch nicht für einen Preisauftrieb sorgen. Damit korrigierten sie – auch wegen der niedrigen Ölpreise – ihre bisherige Prognose von 0,7 Prozent nochmals deutlich nach unten. Ihr eigentliches Ziel ist es jedoch, eine Deflation zu verhindern. Die Preise sollen wieder steigen, damit die Wirtschaft an Aufschwung gewinnt .
EZB öffnet die Geldschleusen
Deshalb beginnt sie ab dem 9. März Staatsanleihen der Euroländer und andere Wertpapiere aufzukaufen und so die Märkte mit neuem Geld zu versorgen. Im Kampf gegen Wirtschaftsflaute und Preisrückgang öffnet die EZB die Geldschleusen. Mindestens bis September 2016 sollen monatlich Papiere im Umfang von 60 Milliarden Euro gekauft werden. Der billionenschwere Kauf von Staatsanleihen soll die Verbraucherpreise wieder nach oben treiben.
Doch das wird voraussichtlich erst in den beiden Folgejahren richtig zeigen. Nach den Berechnungen der Euro-Währungshüter steigen die Verbraucherpreise 2016 um 1,5 (bisher: 1,3) Prozent. In ihrer ersten Schätzung für 2017 sagen die Notenbanker eine Inflationsrate von 1,8 Prozent voraus.
Gleichzeitig wächst der Konjunkturoptimismus: Statt bisher 1,0 Prozent Wachstum in diesem Jahr erwarten die Experten nun im Euroraum 1,5 Prozent Plus. Die Prognose für 2016 wurde von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Für 2017 sagen die Notenbanker ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent voraus.
Inflation soll steigen
Das Programm werde fortgesetzt, wenn die Inflation sich bis dahin nicht dem Zielwert der Notenbank von knapp unter zwei Prozent angenähert habe, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Nikosia. Er sieht schon jetzt positive Auswirkungen der im Januar angekündigten Wertpapierkäufe. So habe sich die Kreditvergabe verbessert, auch die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen habe sich aufgehellt.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, ist allerdings nicht so zuversichtlich: Den neuen Prognosen der EZB "liegen eine wohl zu optimistische Annahme für den Erfolg des Anleihenkaufprogramms zugrunde", sagte er zum angekündigten Start der 1,1 Billionen Euro schweren Maßnahme.
Griechenland und Zypern außen vor
Wenn die Notenbank am kommenden Montag die Geldschleusen öffnet, profitieren zwei Euro-Krisenländer zunächst nicht davon: Griechische Bonds und Anleihen aus Zypern können die Währungshüter zunächst nicht erwerben, weil in beiden Ländern die Überprüfung des laufenden Anpassungsprogramms noch nicht abgeschlossen sei, sagte Draghi. Zudem hat die EZB beschlossen, aus einzelnen Ländern jeweils maximal 33 Prozent aller Anleihen zu erwerben.
Den Leitzins im Euroraum ließ die EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. dpa