Flexible Bezüge ab 1. Juli Elterngeld Plus: Unternehmen fühlen sich schlecht informiert

Ab 1. Juli gibt es das Elterngeld Plus. Mit der neuen Regelung sollen Eltern Beruf und Familie besser vereinen können. Viele Unternehmen fühlen sich aber schlecht oder gar nicht über das Programm informiert. Dabei können auch sie in großem Umfang davon profitieren.

Von der neuen Regelung profitieren Eltern und Betriebe gleichermaßen - © Foto: detailblick./Fotolia

Eltern von Kindern, die nach dem 1. Juli 2015 geboren werden, können von einer neuen Flexibilisierung des Elterngeldbezugs profitieren. Das sogenannte "Elterngeld Plus" erlaubt eine Streckung der Bezüge über einen längeren Zeitraum als das normale Elterngeld. Auf einen Monat normalen Elterngeldes kommen zwei "Plus-Monate". Mutter oder Vater arbeiten dabei in Teilzeit.

Vorteile für Betrieb und Mitarbeiter

Das Elterngeld soll der Sicherung der Lebensgrundlage für Eltern dienen, die wegen der Betreuung eines Kindes nicht oder nur teilweise erwerbstätig sein können. Nach der bisherigen Regelung zum Elterngeld ist dieses auf maximal 14 Monate begrenzt. Zudem verlieren Eltern bislang einen Teil ihres Anspruchs, wenn sie in Teilzeit arbeiten.

Für Unternehmen hat das Elterngeld Plus den Vorteil, dass es für berufstätige Mütter und Väter wieder attraktiver wird, schon während des Bezugs von Elterngeld in Teilzeit zu arbeiten, da sie keine Abschläge fürchten müssen. Das fachliche Wissen dieser Mitarbeiter kann so schon viel früher wieder in den Betrieb eingebracht werden und ihre beruflichen Kenntnisse bleiben auf dem aktuellen Stand. Auch die Kosten sinken durch die frühere Rückkehr.

Große Unwissenheit

Viele Unternehmen fühlen sich jedoch nicht besonders gut über das neue Programm informiert. 26 Prozent der befragten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gaben noch im April an, sich "schlecht" bis "sehr schlecht" vorbereitet zu fühlen. 42 Prozent machten erst gar keine Angabe zu dem Thema. Nur 6 Prozent fühlen sich "sehr gut" vorbereitet. Das geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid zum Thema Bürokratiebelastung hervor, bei der 400 Geschäftsführer und Entscheider aus KMU befragt wurden.

Von sechs gesetzlichen Neuerungen, zu denen die Betriebe befragt wurden, weist das Thema Elterngeld Plus den größten Anteil an Enthaltungen auf. Zum Mindestlohn machten nur 13 Prozent keine Angabe. "Ich gehe davon aus, dass viele KMU noch nichts über die Neuerung wissen. Dabei liegt auch in der Verantwortung der Unternehmen, Familien zu unterstützen und über gesetzliche Neuerungen aufzuklären, gerade wenn sie ihnen zugutekommen sollen", so Dr. Thomas Scholtis vom Softwareunternehmen Sage in Deutschland.

Informationen zum Elterngeld Plus erhalten Arbeitgeber in einer Broschüre des Bundesfamilienministeriums. jr