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Fuso Canter ist preiswerter Transporter Mitsubishi Canter im Test

Er ist nutzlaststark, vielseitig und wendig. Was der Mitsubishi Canter nicht bietet, ist Komfort. Wer darauf verzichten kann, bekommt einen preiswerten Laster für allerlei Einsätze.

Der Mitsubishi Fuso Canter im Praxischeck
Der Mitsubishi Fuso Canter mit 150 PS trägt viel Nutzlast. -

Im gewerblichen Güterverkehr ist der Mitsubishi Canter hierzulande zwar nicht gerade das, was man einen Verkaufsschlager nennt. Im Bauhaupt- und Baunebengewerbe aber, etwa als wendiger Abroll- und Absetzkipper oder als Doppelkabiner-Pritsche für den Holzbauer, hat der Japaner im Mercedes Benz-Vertrieb durchaus seine Abnehmer gefunden.

So bewertet die DHZ den Mitsubishi Canter
positiv negativ
moderner Antriebsstrang
Eco-Programm Getriebe
Wendigkeit
Abstimmung Sitzfederung
Normalprgramm des Getriebes
Platzverhältnisse in der Kabine

Schon von der Statur her ist der Canter nicht mit einem ausgewachsenen 7,5-Tonner à la Mercedes Benz Atego zu vergleichen. Der Atego fängt schließlich da an, wo der Canter aufhört. Nämlich bei 7,5 Tonnen. Denen nähert sich der Canter von unten her: 3,5-, 6- und 7,5 Tonnen lauten die Gewichtsvariationen, zahlreiche Radstände bis 4,75 Meter erlauben Aufbaulängen bis 7,75 Meter. Dazu noch eine schmale (Standard) und eine breite (Comfort) Kabine, letztere ist auch als Doppelkabine mit bis zu sieben Sitzplätzen erhältlich. Damit lässt sich einiges anfangen.

Unser Test-Canter aus dem Mercedes-Charterway-Mietpool ist ein "Comfort" 7C15, also ein Modell mit breiter Kabine, 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und 150-PS-Motorisierung.

Iveco-Daily-Motor statt Mitsubishi-Triebwerk

Der Motor ist ein alter Bekannter: Der Drei-Liter-Vierzylinder wird auch im Iveco Daily eingesetzt. Die Erreichen der Euro 5-Abgasnorm und der ab 2013 zu erfüllenden Euro 6-Werte mit dem alten und deutlich hubraumstärkeren Mitsubishi-Triebwerk hätte wohl nicht mehr geklappt. Der Daily-Motor leistet im Canter 90, 110 und 129 Kilowatt, entsprechend 130, 150 und 180 PS. Mit Abgasrückführung und Partikelfilter ist er Euro-5-mäßig auf der sicheren Seite, die 180-PS-Version benötigt im 7,5-Tonner zusätzlich AdBlue-Einblasung.

Das leichte Triebwerk ist für den Canter ideal: Sind die Einsätze nicht permanent zu 100 Prozent ausgeladen, reicht bereits die 150-PS-Version für den 7,5-Tonner vollkommen aus. Die Standard-Übersetzung (5,28) ist kurz genug, um Agilität in jeder Lebenslage zu vermitteln. Der variable Turbolader haucht dem Vierzylinder bereits bei unteren und mittleren Drehzahlen genügend Atemluft für frischen Durchzug ein. Gerade in der Stadt ist man damit flott unterwegs.

Canter problemlos zu schalten

Der Mitsubishi Fuso Canter im Praxischeck
© Robert Domina

Die Gänge werden seit dem letzten Facelift auf Wunsch in einem sechsgängigen Doppelkupplungs-Getriebe ("Duonic") automatisch sortiert. Statt einer, schalten hier zwei automatisierte Kupplungen die Gänge ohne Zugkraftunterbrechung und vermeiden so den gefürchteten "Kopfnicker"-Effekt. Die Schaltgeschwindigkeit ist ausgesprochen schnell, das Anfahrverhalten auch am Berg und beim Rangieren völlig unproblematisch. Allein die Betätigung des Wählhebels ist von langen, unpräzisen Wegen gekennzeichnet. Das ist zwar nicht weiter schlimm, weil man den Wählhebel ohnehin nur selten in die Hand nehmen muss.

Das Schaltprogramm an sich bedarf aber in ein, zwei Punkten der Nachbesserung. Der Computer dreht die Gänge im Normalmodus viel zu hoch aus, so fährt noch nicht einmal ein blutiger Anfänger. Umso richtiger die Schaltstrategie im "Eco"-Modus: Hier schaltet der Japaner beinahe mustergültig früh hoch und nutzt so lang wie möglich das durchaus beeindruckende Drehmoment. Klar, dass wir nach Entdeckung des Eco-Kippschalters unseren Test ausschließlich in diesem Modus fuhren.

Verbrauch und Seitenwind-Empfindlichkeit des Canter

Beladen mit rund 1.400 kg Ballast, entsprechend der halben Nutzlast des Canter, absolvierten wir unsere Handwerk-Test-Runde bei einer ziemlich steifen Brise aus Nordwest. Mit 18,8 l/100 km legte der Leicht-Lkw keinen besonders guten Wert auf der leichte Roll-Landstraße hin: Eingezwängt im engen Tal der Altmühl musste der Canter förmlich gegen Wind wie aus der Düse ankämpfen. Auf gute Aerodynamik zu achten, zahlt sich in windreichen Gegenden in Euro und Cent aus - auch beim Leicht-Lkw.

Auf der Autobahn sehen die Verbräuche dann schon wesentlich besser aus: 15,5 l/100 km sind zwar auch am oberen Ende für 7,5-Tonner angesiedelt, dafür erreichte der Canter trotz des hügeligen Charakters der Mess-Strecke mit 83,8 km/h einen Schnitt, den auch ausgewachsene 7,5-Tonner vom Schlage eines Atego, MAN TGL oder Euro-Cargo hinlegen. Das allerdings mit zwei Liter mehr Verbrauch als die "großen" Konkurrenten. Geschuldet ist dieser Mehrverbrauch der suboptimalen Aerodynamik mit weit überstehenden Kofferkanten. Aber auch dem relativ kleinen Motor, der hier mehr werkeln muss, als die großvolumigen Vier-Liter-Maschinen der Konkurrenz.

Wankstabiles Fahrwerk im Mitsubishi

Aber: Dank seiner recht kurzen Übersetzung ist der Canter an den Testbergen wieselflink und teilweise sogar schneller unterwegs als ein 7,5-Tonner mit 170 PS. Auch die schnellen Gangwechsel des Duonic-Getriebes machen sich hier sehr positiv bemerkbar. Insgesamt überrascht der Canter durch eine ausgezeichnete Fahrbarkeit, was den Antriebsstrang angeht.

Der Mitsubishi Fuso Canter im Praxischeck
© Robert Domina

Auch am Chassis gibt es nichts auszusetzen: Die an doppelten Parabelfedern geführte Starrachse ergibt zusammen mit dem Drehstab-Stabi ein äußerst wankstabiles Fahrwerk, das es auch mit hohen Ladungsschwerpunkten etwa bei Kipper oder Pritsche aufnehmen kann.

Weniger überzeugend allerdings die Sitzfederung: sie arbeitet genau entgegengesetzt der restlichen Federwelt. Leidtragender dieses "Kriegs der Federn" sind die Bandscheiben des Fahrers. Auch eine mehrmalige Anpassung an das Gewicht des Fahrers per Drehrad am Sitz konnte das Schwingverhalten des Sitzes nicht mit dem Rest des Fahrzeugs in Einklang gebracht werden.

Große Fahrer haben in der Canter-Kabine wenig Platz

Das Platzangebot in der Kabine ist für mitteleuropäische Staturen gewöhnungsbedürftig. Schon der Einstieg vor der Vorderachse ist beschwerlich: Die erste Stufe liegt ungebührlich hoch über der Fahrbahn. Stößt man sich jedoch genügend kräftig vom Erdboden ab, schafft man es mit Schwung, einigermaßen elegant in die Kabine zu tauchen und sich hinters Lenkrad zu schrauben. Für häufiges Ein- und Aussteigen ist diese Kabine jedenfalls nicht gemacht. Die für den Drei-Liter-Motor unnötig große Motorkiste beschränkt nicht nur den Federweg des Sitzes sondern auch die Beinfreiheit.

Normalgroße Fahrer bemängeln zu Recht den durch das niedrige Dach eingeschränkten Blick nach vorne oben. Aber: Für Kurzstrecken ist das alles noch tolerierbar. Denn der Canter ist einfach zu fahren und zu bedienen – und der Japaner ist ausgesprochen wendig. Als robuster Kipper und womöglich noch mit Ladekran ausgestattet hat er sich auch schon als veritabler Helfer am Bau bewährt.

Mitsubishi Fuso Canter im Praxischeck

Downloads
  • Technische Daten: Fuso Canter 7C15 Duonic Koffer (PDF, 19 kB)

    Alle technischen Daten des Fuso Canter auf einen Blick. In unserem kostenlosen Download erfahren Sie alles über Motor, Leistung (PS, kW), Hubraum, Getriebe, Bremsen, Achsen, Fahrwerk, Maße, Leergewicht, mehr...

  • Test-Ergebnis: Fuso Canter 7C15 Duonic Koffer (PDF, 13 kB)

    Alle Ergebnisse unseres Autotests mit dem Fuso Canter: In unserem Download können Sie nochmals alle exakten Messwerte zu Verbrauch und Fahrleistung nachlesen.Unsere Kriterien waren flache und schwere mehr...

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