Aussterbende Berufe Diese Handwerksberufe werden immer seltener

Hufschmied, Buchbinder, Pinselmacher oder Böttcher. Die Liste selten werdender Handwerksberufe ist lang. Eine Übersicht über ausgesuchte Tätigkeiten.

Jonas Rosenberger

In Deutschland gibt es nur noch rund 400 bis 500 Hufschmiedebetriebe. - © Foto: Mari_art/Fotolia

Hufschmied

Wenn das Pferd nicht mehr so unbeschwert läuft wie früher kann das an einer beschädigten Hufe liegen. Dann kommt der Hufschmied zum Einsatz. Seine Aufgabe ist die Pflege und das sogenannte 'Beschlagen' von Tierhufen mit Hufeisen. Traditionell stellt er diese auch selbst in einer Schmiede her. Dabei kann er es auf die jeweils unterschiedlichen Gegebenheiten der Hufe des Tieres anpassen.

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In Deutschland wird der Beruf offiziell als 'Hufbeschlagschmied' geführt. Eine Grundausbildung im Metallbau ist eine der Voraussetzungen. Da es immer weniger Hufschmiede gibt, kann es vorkommen, dass ein Einzelner heute zehn bis fünfzehn Tiere am Tag behandelt. Im Ersten Deutschen Hufbeschlagsschmiede-Verband sind heute etwa 400 bis 500 Betriebe registriert. Bundesweit dürfte die Zahl allerdings höher liegen.

Böttcher

Liebhaber schwören auf die Fassreifung eines Weines. Ein solches Holzfass herzustellen ist die Arbeit eines Fassbinders. Allerdings gibt es für den Beruf viele verschiedene Bezeichnungen, wie etwa Böttcher oder Küfner. An der Arbeit hat sich über Jahrhunderte nur wenig geändert: Lange Hölzer, sogenannte 'Dauben', werden dicht aneinander angeordnet und in Spannreifen eingepasst. Danach wird das Fass über ein offenes Feuer gestellt und mit Wasser benetzt. Es folgen viele weitere Arbeitsschritte.

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Ein gutes Fass veredelt die darin gelagerten Flüssigkeiten mit seinem speziellen Aroma. Zwar gibt es immer weniger Fassbinder, jedoch steigt die Nachfrage nach handgemachten Holzfässern wegen dieser Aromen wieder leicht an. Ende Dezember 2014 waren laut dem Verband des Deutschen Fass- und Weinküferhandwerks 80 Betriebe im Böttcherhandwerk registriert. Ein Problem ist jedoch die Nachwuchsgewinnung. Trotz steigender Nachfrage nach Holzfässern lassen sich nur wenige für eine Tätigkeit als Böttcher überzeugen.

Buchbinder

Einzelne Seiten so zusammenheften, dass aus ihnen ein fertiges Buch entsteht. Das ist die Aufgabe eines Buchbinders. Nach inhaltlicher Bearbeitung, Satz, Layout und Druck übernimmt er den letzten Schritt in der Herstellung eines Buchs. Dabei kann die Tätigkeit auch eine künstlerische Gestaltung beinhalten. Heute, in Zeiten einer zunehmenden Digitalisierung, werden Buchbinder immer seltener aufgesucht.

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Wer dennoch Seiten eines Dokuments auf traditionelle Art und Weise binden lassen möchte, der sucht das Besondere. Das ist etwa bei Kunststudenten oder Fachzeitschriften von Kanzleien der Fall. Laut dem Bund Deutscher Buchbindereien gibt es heute in Deutschland etwa 1.200 handwerkliche Buchbindereien. Die meisten Menschen geben ihre Aufträge heute jedoch an die günstigeren Copyshops.

Kürschner

Wer einen echten Pelz trägt, der trägt sehr wahrscheinlich das Ergebnis der Arbeit eines Kürschners. Dieser nimmt Tierfelle und verarbeitet sie zu Pelzbekleidung oder anderen Pelzprodukten. Die für die Herstellung benötigten Tiere wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in Pelztierzüchtereien herangezogen.

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Seit etwa 1980 wurde diese Form der Zucht, wie auch das Tragen von Pelz insgesamt, zunehmend kritisiert. In Deutschland wird die Zahl der Pelzverarbeitenden Betriebe vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks auf etwa 650 geschätzt.

Pinselmacher

Der Pinselmacher fertigt, wie es der Name schon sagt, Pinsel. Es gab Orte, die regelrechte Pinsel-Hochburgen waren. Früher musste ein Pinselmachermeister, der auch Bürstenmacher genannt wird, per Hand die richtige Menge Haare abschätzen und diese eins nach dem anderen anordnen können. Die Angabe der benötigten Menge wird heute von speziellen Abteilmaschinen übernommen, was die Arbeit insgesamt etwas erleichtert.

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Handgefertigte Pinsel werden noch vor allem in Bereichen nachgefragt, in denen besonders hohe Ansprüche bestehen – etwa in der Porzellanmalerei. Wie der Verband der Deutschen Pinsel- und Bürstenhersteller mitteilt, gibt es in Deutschland 150 herstellende Betriebe mit über 6.000 Mitarbeitern. Es sei zwar ein Nischenberuf, keinesfalls jedoch ein seltener oder aussterbender, so der Verband.