Nach Ansicht von Hans Peter Wollseifer braucht Deutschland qualifizierte Zuwanderung und die Integration von Flüchtlingen in Berufen. Dies betonte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Im vergangenen Jahr blieben über 20.000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Auch 2015 sind noch taus ende Plätze frei. "Flüchtling ist kein Beruf - wir müssen die Leute integrieren und in Arbeit bringen", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) Hans Peter Wollseifer im Interview mit dem Deutschlandfunk.
Keine Verdrängung deutscher Bewerber
Demnach bemüht sich das Handwerk seit Längerem, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern und dennoch bleiben jährlich taus ende Stellen unbesetzt. "Eine Verdrängung deutscher Bewerber findet nicht statt", so Wollseifer auf die Frage, ob Handwerksbetriebe stärker im deutschen Arbeitsmarkt suchen müssten, bevor sie Zuwanderer einstellen.
In der deutschen Wirtschaft gibt es aktuell rund 350 Berufe, davon alleine 130 im Handwerk. "Da müsste eigentlich für jedes Talent etwas dabei sein", sagte Wollseifer und fügte hinzu "Wir müssen diese jungen Leuten, die schutzbedürftig sind und aus Krisenländern kommen, relativ schnell integrieren." Wie das funktionieren kann? Dazu machte der ZDH-Präsident konkrete Vorschläge:
"Schnell die deutsche Sprache vermitteln"
"Zunächst müssen wir ein Profiling durchführen. Wo kommen sie her? Was haben sie bisher gemacht? Und welchen Bildungsstand haben sie? Und dann müssen wir natürlich relativ schnell die deutsche Sprache vermitteln. Denn die deutsche Sprache ist der Zugang, um sich in den Betrieben verständlich zu machen und zu integrieren."
Außerdem sei es wichtig, die Menschen durch Praktika an die Berufe heranzuführen. "Wenn sie vielleicht schon älter sind und nicht mehr für eine Ausbildung geeignet, ist es trotzdem wichtig, sie in Arbeit zu bringen. Es gibt viele Möglichkeiten dazu und es besteht auch Bedarf in der deutschen Wirtschaft", betonte Wollseifer.
Keine Eile beim Einwanderungsgesetz
In der Diskussion um ein neues Einwanderungsgesetz sieht der ZDH-Präsident dagegen noch keinen Handlungsbedarf: "Das Handwerk versteht natürlich durchaus den Wunsch, die bisherigen Regelungen zusammenzufassen. Aber ob es jetzt eine direkte Notw endigkeit gibt, ein ganz neues System, ein ganz neues Gesetz zu schaffen, das sehe ich zurzeit noch nicht." end / deutschlandfunk
Das ganze Interview mit Hans Peter Wollseifer gibt es beim Deutschlandfunk zum Nachhören.