Deutsche Traditionsmarke soll in China wieder aufleben Der neue Borgward wird ein SUV

Borgward - ein klangvoller Name aus Zeiten des Wirtschaftswunders steht vor der Wiederbelebung nach mehr als 50 Jahren. Für die Automesse IAA Mitte September in Frankfurt wurde ein neues Fahrzeug der legendären Marke angekündigt. Nun steht fest: Der neue Borgward wird ein SUV.

Hans-Robert Richarz

© Foto: Borgward

Zusammen mit dem chinesischen Fahrzeughersteller Beiqi Foton als Geldgeber macht sich Christian Borgward, Enkel des 1963 verstorbenen Bremer Autobauers Carl F.W. Borgward an den Neuanfang. Kürzlich verbreitete das Unternehmen ein paar gut getarnte Bilder, um die Spannung auf das Revival anzuheizen. Der „Erlkönig“ lässt auf ein SUV schließen.

Oldtimer auf Genfer Autosalon

Erstmals nach der Insolvenz vor 54 Jahren zeigte sich das Unternehmen im vergangenen Frühjahr wieder auf dem Genfer Automobilsalon - allerdings nur mit einem Oldtimer. Jetzt präsentierte Borgward-Enkel Christian ("Ich habe meinen Großvater leider nie persönlich kennengelernt") erste, freilich gut getarnte Fotos eines Geländewagens, der auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt Premiere feiern soll.

Zu Zeiten des Wirtschaftswunders gehörte der Borgward zum deutschen Straßenbild. Dieses Jahr soll die legendäre Automarke, die 1961 durch Konkurs des Herstellers von der Bildfläche verschwand, wieder auferstehen. In Genf war nur ein Oldtimer zu sehen, aber zur IAA in Frankfurt soll dann das erste neue Modell ausgestellt werden, kündigte Christian Borgward, der Enkel des Firmengründers, an. - © Foto: Messe Genf

Einzelheiten wurden zwar nicht genannt, doch ist zu vermuten, dass der SUV als Allradler neben Benzin- und Dieselmotor auch über einen Plug-in-Antrieb verfügen wird, den Borgward zusammen mit Foton entwickelte.

Produziert werden soll ausschließlich in China, Konstruktion und Design bleiben in Deutschland. Statt wie einst in Bremen befindet sich die Zentrale des wiederbelebten Borgward-Unternehmens im Büroneubau City Gate an der Kriegsbergstraße in Stuttgart. Doch soll das Auto zunächst nur in China auf den Markt kommen, erst später auch in anderen Ländern.

"Ich bin überzeugt, dass Borgward seinen Platz auf dem internationalen Automobilmarkt zurückgewinnen wird", sagt Ulrich Walker, Ex-Daimler-Manager und jetzt Borgward-Vorstandsvorsitzender. Kritiker sehen das anders, was zunächst am Background der beiden Firmengründer Christian Borgward und Karlheinz Knöss liegen könnte. Borgward hat sich bislang lediglich als Getränkehändler in Wolfsburg profiliert, Knöss als gelernter Philologe nach nur zwei Jahren Tätigkeit in der Daimler-Pressearbeit als freier Medienberater.

Als Trikotsponsor beim 1. FC Kaiserslautern im Gespräch

Doch noch skeptischer machen die hochfliegenden Pläne der beiden. Danach soll der Aufbau explosionsartig verlaufen. Bis 2020 sollen weltweit schon 800.000 Autos verkauft werden, bis 2025 doppelt so viele. Zugleich sollen bis 2020 jedes Jahr zwei neue Modelle auf den Markt kommen. „Ich bin erstaunt über diese vollmundigen Ankündigungen“, meinte Ralf Kalmbach, der beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney weltweit für die Autobranche zuständig ist, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. "Da passt gar nichts zusammen."

Nichtsdestotrotz ist Borgward schon heute als möglicher Trikotsponsor des 1. FC Kaiserslautern im Gespräch. Doch ob sein SUV einmal die gleiche Auszeichnung bekommen wird wie einst der legendäre Borgward PT 100? Das letzte Exemplar, das nach der Pleite in Bremen von Band lief, trug ein Schild auf der Nase mit der Inschrift: "Du warst zu gut für diese Welt." ampnet