Handwerkskonjunktur Branchenspiegel: Festtage für Bäcker und Fleischer

Die Handwerkskonjunktur zeigt sich auch in den einzelnen Branchen stabil: Das Lebensmittelhandwerk ist mit dem Weihnachtsgeschäft 2013 sehr zufrieden. Auch der Boom am Bau geht weiter. Und das Kfz-Gewerbe erholt sich ebenfalls.

Marco Wenz und Lothar Semper

Wurstbrot bzw. Wurst und Brot bringt Umsatz: Das Lebensmittelhandwerk freut sich über gute Geschäfte in den vergangenen Monaten. - © Foto: manulito/Fotolia

Die gute Lage am Arbeitsmarkt und die Hoffnung auf Einkommenssteigerungen beflügeln den Wohnungsbau und den privaten Verbrauch in Deutschland maßgeblich. Für das vorrangig binnenorientierte Handwerk sind die Vorzeichen damit sehr günstig. Aber nicht alle Branchen des Handwerks können durchstarten.

Handwerk für privaten Bedarf

Das Handwerk für den privaten Bedarf profitiert am meisten von der sich wandelnden Einstellung der Verbraucher, gesundheits- und umweltbewusster einzukaufen. Diese Tendenz nimmt mit dem Alter zu. "Best Ager" (50 Jahre und älter) geben für Schmuck, Körperpflege und Kosmetik mehr Geld aus als Jüngere.

Ob das ausgezeichnete Konsumklima wirklich fühlbar auf die privaten Dienstleister ausstrahlt, ist nicht so sicher. Nur 19 Prozent meldeten in den Umfragen unter Handwerksbetrieben zum Jahresende steigende Umsätze, und 59 Prozent gleichbleibende Umsätze. Zum Abschluss der beiden vorhergehenden Jahre hatten jeweils 22 beziehungsweise 53 Prozent von einer solchen Entwicklung berichtet.

Alles in allem blickt die Branche wohlwollend auf den Jahresschluss 2013. 82 Prozent der Betriebe verzeichneten gute bis befriedigende Geschäfte.

Lebensmittelhandwerke

Für die Bäcker, Fleischer und Konditoren liefen die Geschäfte im Schlussquartal 2013 merklich besser. 37 Prozent der Befragten erzielten steigende Umsätze – es war das beste Weihnachtsgeschäft seit mindestens einem Jahrzehnt.

So erfreulich die rege Nachfrage ist: Die Branche spürt erheblichen Preisdruck, den ihr der Wettbewerb mit Industrie und Handel aufzwingt. Da ein traditionell arbeitender Handwerksbetrieb kaum Möglichkeiten hat, Kosten zu senken, muss er hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie den teuren bürokratischen Aufwand an die Kunden weiterreichen. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres gelang dies nur teilweise. So konnten 25 Prozent der Befragten ihre Verkaufspreise anheben; im vierten Quartal 2012 waren dagegen 40 Prozent dazu in der Lage.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Die deutsche Industrie nimmt endlich wieder größere Anschaffungen in Angriff. Weltweit verbesserte Konjunkturaussichten und günstige Finanzierungsbedingungen laden die Unternehmen dazu ein.

In den Auftragsbüchern der Handwerke für gewerblichen Bedarf machte sich das zum Jahresende 2013 bemerkbar: 22 Prozent der Betriebe melden ein Auftragsplus. Vor einem Jahr hatten nur 17 Prozent von einer Belebung der Nachfrage berichtet. Im Dezember standen somit Bestellungen mit einer Reichweite von 1,8 Monaten zu Buche – auch das ist eine nennenswerte Steigerung binnen Jahresfrist.

Kraftfahrzeuggewerbe

79 von 100 Kfz-Betrieben stuften ihre gegenwärtige Lage im vergangenen Quartal als gut oder befriedigend ein. Zum Jahresende 2012 war eine Quote von 77 Prozent ermittelt worden. Ausschlaggebend für diese leichte Aufhellung in der Branche waren die zuletzt besseren Verkäufe. Unterm Strich stieg die Zahl neu zugelassener Pkw im vierten Quartal 2013 um 1,6 Prozent im Vergleich zu 2012. Einen Gang höher schaltete auch der Absatz von Nutzfahrzeugen.

Trotz ermutigender Anzeichen steht die Erholung auf wackligen Füßen. Vor allem private Käufer sind weiterhin zögerlich. Der hohe Anteil der Eigenzulassungen, deutliche Preisabschläge sowie der massive Einsatz von verkaufsfördernden Sonderaktionen beschönigen die Statistik.

Bauhaupt- und Ausbaugewerke

Historisch niedrige Zinsen und ein Mangel an sicheren Anlagen treiben die Baunachfrage. Zudem ist die Bausubstanz in Deutschland ausgezehrt. 2,7 Millionen Wohnungen haben nicht einmal Zentralheizung, wie die jüngste "Zensus"-Erhebung zeigt. Laut der KfW würde allein die Sanierung der Verkehrswege 33 Milliarden Euro kosten.

Vor dem Hintergrund befanden zuletzt 90 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe ihre Lage für gut oder befriedigend. Die amtliche Statistik unterstreicht die ausgezeichnete Bewertung: Danach gingen im Zeitraum September/Oktober fünf Prozent höhere Umsätze ein als 2012. Überdurchschnittlich fiel das Plus in den Sparten Wohnungs- und öffentlicher Bau aus.

Mit den vielen Neubauten schwappt die Auftragswelle auf den Ausbau über. Dessen Kapazitäten waren im Berichtszeitraum zu 84 Prozent ausgelastet. Höher ging es nur im Rekordjahr 2011.