Im anhaltenden Streit um das Niveau von Abitur und Lehre haben sich Bund, Länder und Tarifpartner jetzt auf einen Kompromiss geeinigt: "Wir nehmen jetzt jene Berufsabschlüsse auf, die einen unmittelbaren Bezug zum Arbeitsmarkt haben", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).
Allgemein bildende Abschlüsse wie das Abitur blieben bei der Einordnung in einen achtstufigen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) in den kommenden fünf Jahren unberücksichtigt. Danach solle darüber neu entschieden werden, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD).
Die Verhandlungen waren zuletzt in eine Sackgasse geraten, da die Kultusminister in einem achtstufigen Qualifikationsrahmen das Abitur auf dem Niveau fünf und damit höher als die drei- und dreieinhalbjährige Berufsausbildung eingeordnet sehen wollten. Die übrigen Verhandlungsteilnehmer wie das Handwerk wollten diesem Ansatz allerdings nicht zustimmen.
Handwerkspräsident Otto Kentzler zeigte sich mit dem von Schavan in Anlehnung an das französische Vorgehen ins Spiel gebrachten Kompromiss zufrieden: "Wir haben erreicht, dass berufliche und schulische Bildung gleichwertig betrachtet wird", sagte er. Erfreut zeigte er sich auch, dass der Meister, der Bachelor und der Fachwirt alle gleichermaßen dem Niveau sechs zugeordnet würden. Wie der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Friedrich Hubert Esser betonte, mache dies auch deutlich, dass hochwertige Qualifikationen auch über das duale System erreicht werden könnten.
Die Stufen eins und zwei des DQR sollen der Vorbereitung auf die Berufsbegleitung vorbehalten sein. Auf Stufe drei sollen zweijährige Ausbildungen und auf Stufe vier die drei und dreieineinhalbjährigen Ausbildungen eingeordnet werden. Auf Stufe fünf sollen Weiterbildungsmöglichkeiten etwa zum Kfz-Servicetechniker und auf Stufe sieben und acht der Master-Abschluss und die Promotion rangieren.
Wie es nach dem Treffen weiter hieß, soll auf Basis der nationalen Qualifikationsrahmen dann ein Europäischer Qualifikationsrahmen erstellt werden. Wie Kentzler sagte, solle so Arbeitsmarktrelevanz von Qualifikationen im europäischen Kontext auf einen Blick deutlich werden. Die Zuordnung einer Qualifikation zu einer Niveaustufe sei eine wichtige Erstinformation über das Vermögen eines Bewerbers. bir
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