Nur wenige Handwerker sind in der glücklichen Lage, ihren Betrieb ausschließlich mit Eigenkapital finanzieren zu können. Die Mehrzahl benötigt Fremdkapital und bislang gehen 90 Prozent aller Handwerksunternehmen zu ihrer Bank vor Ort. Doch ist das immer die richtige Adresse für den Kreditwunsch? Und wie finde ich die Bank, die zu mir passt? Der erste Teil der Serie klärt auf.
Franz Falk

Die Finanzierung zu sichern, ist eine wichtige Führungsaufgabe jedes Unternehmers. Doch dabei benötigt die Mehrzahl der Handwerksbetriebe Fremdkapital zur Finanzierung von Investitionen und zur Vorfinanzierung der Umsätze.
Der Bankkredit ist in Deutschland immer noch das klassische Instrument der Fremdfinanzierung. Seit langem bewährt hat sich die Zusammenarbeit mit Kreditinstituten. Welches ist aber die richtige Adresse für den Kreditwunsch? Eine fast nicht mehr zu übersehende Vielzahl von inländischen und ausländischen Kreditinstituten und Spezialbanken betätigen sich auf dem deutschen Markt und machen die Auswahl auf den ersten Blick schwer. Bei genauerem Hinsehen trennt sich aber sehr schnell die Spreu vom Weizen.
Bei der Hausbank treu
Nicht von ungefähr haben über 90 Prozent aller Handwerksbetriebe als Hausbank eine Sparkasse oder eine Volks- oder Raiffeisenbank. Diese traditionellen Partner des Handwerks bieten eine umfassende Palette von Finanzprodukten, die auf die Belange von Klein- und Kleinstbetrieben zugeschnitten sind. In schwierigen Zeiten haben sie sich als verlässliche Partner erwiesen. Und sie haben einen engen Bezug zur jeweiligen Region, sie fühlen sich der wirtschaftlichen Entwicklung in ihrer Region verpflichtet.
Wer sich stark im Ausland betätigt, kann von einer Bank mit einer starken Präsenz im Absatzland gut bedient werden. Wer sich mit standardisierten Produkten zufrieden geben kann oder wer Spezialfinanzierungen benötigt, wie Fahrzeugfinanzierung oder Leasing, kann bei einer Spezialbank richtig sein. Bei den meisten Handwerksbetrieben jedoch führt kein Weg an den regionalen Anbietern der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken vorbei.
Das bestätigen auch Zahlen der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Demnach waren 95,3 Prozent des Kreditvolumens im Jahr 2010 über Sparkassen und Genossenschaftsbanken abgewickelt worden. Neun von zehn Kleinunternehmen und Mittelständlern sind nach Auskunft des Genossenschaftsverbandes Baden-Württemberg Hauptbankkunde bei öffentlich-rechtlichen oder genossenschaftlichen Instituten. Nach einer Statistik der Bundesbank lagen 84,7 Prozent des Kreditbestandes von Handwerksunternehmen zur Jahresmitte 2011 bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Auch bei Bankangeboten hat Qualität ihren Preis
Kreditinstitute, die in Anzeigen mit schnellen und günstigen Krediten werben, knüpfen ihre Angebote entweder an Voraussetzungen, die viele Unternehmer nicht erfüllen können, oder es sind sehr stark standardisierte Angebote. Solche Voraussetzungen können sein: keine Verluste in den letzten beiden Geschäftsjahren, keine aktuellen Zahlungsschwierigkeiten, eine positive Schufa-Auskunft.
So wie auch Handwerker nicht zu den Billiganbietern zählen, weil sie gute Qualität und Service bieten, können auch die Kreditinstitute bei den Konditionen nicht mit den Internetbanken konkurrieren, die kein Filialnetz und keine Beratung bieten. Langfristig wichtiger als Sonderkonditionen beim Zins sind individuelle Beratung, maßgeschneiderte Lösungen und Unterstützung in schwierigen Zeiten.
Die Erfahrung lehrt, dass eine gute Hausbankverbindung wichtig ist. Besser aber noch als eine Hausbank sind zwei Bankverbindungen, wovon eine die Hauptverbindung ist. Durch die Geschäftsbeziehungen zu zwei Instituten erhält der Unternehmer nicht nur Transparenz über die Konditionen. Er erfährt auch selbst, wie die Entscheidungsprozesse in den beiden Häusern verlaufen und wer besser zu ihm passt. Er kann den Wettbewerb zwischen den beiden Anbietern nutzen und ständig Vergleichsangebote einholen. Ein Wechsel von einem Kreditinstitut zum anderen fällt leichter, wenn bereits Geschäftsbeziehungen bestehen.
Eine zweite Verbindung verhindert Abhängigkeiten
Beispiel: Erich Zinser hatte jahrelang die Sparkasse als einzige Bank für seinen Installationsbetrieb und er war insgesamt mit der Zusammenarbeit zufrieden. Allerdings ärgerte er sich immer wieder über einen zu hohen Zinssatz für den Kontokorrentkredit und dass diese Bank die Zinssätze bei sinkenden Marktzinsen nicht reduzierte.
Als er dann auch noch einen neuen Kreditsachbearbeiter bekam, baute er eine zweite Bankverbindung auf und wickelte einen Teil seines Zahlungsverkehrs über eine Genossenschaftsbank ab. Als seine bisherige Hausbank von dieser Wettbewerbssituation erfuhr, verstärkte sie ihre Bemühungen um Herrn Zinser, suchte das Gespräch mit ihm und bot bereitwillig günstigere Konditionen an.
Durch eine zweite Verbindung wird eine einseitige Abhängigkeit vermieden. Denn solche Abhängigkeiten können gefährlich werden, etwa wenn sich die Geschäftspolitik bei der Hausbank verändert. Deshalb sollte jeder Handwerksunternehmer aufmerksam beobachten: Will sie das Kundensegment der kleinen und mittleren Betriebe verlassen oder ist sie selbst durch Missmanagement in Schwierigkeiten geraten ist? Dann kann sie kein verlässlicher Finanzierungspartner mehr sein.
Kriterien für die Bankauswahl
Jeder Handwerksunternehmer muss sich zuerst fragen:- Welche Finanzdienstleistungen benötige ich?
- Für welche Geschäfte brauche ich welche Finanzmittel?
- In welcher Höhe benötige ich Kredite und für wie lange?
- Welche Kriterien sind für mich wichtig, z.B. räumliche Nähe, persönliche Ansprechpartner, Flexibilität, umfassendes Angebot?